1. Digital

Berlin: WLAN mit 802.11ac: Wer den Turbo fürs Heimnetz braucht

Berlin : WLAN mit 802.11ac: Wer den Turbo fürs Heimnetz braucht

Doppelt so schnelle Downloads wie bisher: Das verspricht der neue WLAN-Standard 802.11ac, Nachfolger des bisherigen Spitzenreiters 802.11n. Während der theoretisch Geschwindigkeiten von bis zu 600 Megabit/s (MBit/s) schafft, sind mit ac-WLAN auf dem Papier 1300 MBit/s und mehr möglich.

Die tatsächlichen Datenraten sind von diesen Spitzenwerten allerdings weit entfernt. Realistisch sind für 802.11ac im Idealfall, also ohne Funkstörungen und undurchlässige Wände, Werte um 300 MBit/s - im Vergleich im n-WLAN ist das noch immer deutlich schneller. Besonders bemerkbar macht sich der Temposchub außerdem, wenn ein WLAN-Router mehrere Geräte gleichzeitig bedienen muss, sagt Johannes Weicksel vom IT-Verband Bitkom.

Für den Umstieg brauchen Nutzer vor allem eine Netzwerk-Schaltzentrale, die das ac-Signal senden kann. „Bei den Routern gibt es genügend Auswahl”, erklärt Weicksel. Mehrere Hersteller hätten im Januar 2013 mit der Produktion von Geräten begonnen, so dass inzwischen eine Vielzahl von Modellen auf dem Markt sei.

Ein Aufrüsten der alten Geräte durch Adapter oder Software-Updates ist dagegen nicht möglich. Der Grund: Mit dem neuen Standard ändert sich die sogenannte Modulation - und dafür braucht es einen neuen Chip. Dieser sei jedoch nicht in den bisherigen n-Routern eingebaut, weil es beim alten Standard 802.11n keine Verwendung für ihn gegeben habe, sagt Weicksel.

Allerdings ist mit dem ac-Router allein noch nichts gewonnen. Die verwendeten Geräte wie Notebook, PC, Smartphone oder Fernseher müssen die extrabreiten Funkkanäle des ac-WLAN ebenfalls beherrschen. „Wenn Sie ein Notebook oder Smartphone haben, das nur im Bereich von 2,4 Gigahertz funkt, lohnt sich der Umstieg nicht”, erklärt Reiko Kaps von der Computerzeitschrift „ct”. 802.11ac wird ausschließlich auf der 5-Gigahertz-Frequenz übertragen - bei 2,4-Gigahertz-Geräten kommt der schnelle Netzzugang also gar nicht erst an.

Das heißt aber nicht, dass die alten Geräte gar nicht mit neuen Routern ins Netz gehen können: In der Regel sind die ac-Modelle sogenannte Dualband-Router, funken also gleichzeitig mit 5 und 2,4 Gigahertz - auf letzterer Frequenz nur noch mit dem alten n-Tempo. „Sie können die alten Endgeräte also weiter nutzen”, beruhigt Kaps.

Im Gegensatz zu den Routern selbst ist es bei den Endgeräten außerdem möglich, den ac-Zugang nachzurüsten. „Notebooks finden durch USB-Adapter wieder Anschluss an den neuen ac-Router, und mit kleinen Media-Bridges können Sie TV und Konsole ins schnelle WLAN einbinden”, erklärt Kaps. Die Kosten für die Bridges liegen nach Angaben des Redakteurs zwischen 70 und 100 Euro, USB-Adapter gibt es schon ab 35 Euro.

Michael Gundall von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz hält die Investition allerdings noch für überflüssig: „Für den normalen Haushalt gibt es keinen zwingenden Grund, umzusteigen.” Denn der höhere Datendurchsatz im WLAN hat natürlich keinen Einfluss auf die Bandbreite des Internetanschlusses: „Wenn der Downlink vom Provider nicht der Beste ist, wird die Verbindung zum Netz auch durch den Router nicht schneller”, sagt auch Bitkom-Experte Weicksel.

„Das schnellste Internet, dass Sie derzeit in einigen deutschen Regionen privat bekommen, ist Glasfaser-DSL”, erklärt Reiko Kaps. Damit sind Übertragungsraten von 200 MBit/s möglich - deutlich weniger, als ein ac-Router theoretisch schafft. Den schnellen Netzzugang gibt es aber längst nicht überall, gleiches gilt für das 50 MBit/s schnelle VDSL.

Ein großer Teil der Verbraucher nutzt deshalb noch immer herkömmliches DSL mit Übertragungsraten von bis zu 16 Mbit/s. „Und da kann sogar ein YouTube-Clip ruckeln”, so Kaps. Einige Kabelnetzanbieter versprechen zwar Übertragungsraten von 100 bis 150 MBit/s. Das sind nach Angaben des Redakteurs aber „Bis-zu-Angaben”, die nur im Idealfall erreicht würden. Doch selbst für die volle Bandbreite sei ein Umstieg nicht notwendig: „Ein zwei Jahre alter Dualbandrouter mit 450 MBit/s pro Band reicht da völlig aus.”

Verbraucherschützer Gundall kann sich kaum Anwendungen vorstellen, bei denen der bisherige Standard 802.11n nicht ausreicht: „Wenn man mit zwei Fernsehern gleichzeitig vom Medienreceiver in HD-Qualität schauen will”, könne das Bild zu ruckeln beginnen, „aber für die große Mehrheit der Haushalte ist das sicher kein Problem”, erläutert der Experte.

Wer doch einen neuen Router kaufen will, findet nach Angaben von Reiko Kaps Geräte ab etwa 100 Euro. Allerdings muss man die Geräte auch nicht unbedingt kaufen: Wenn mal wieder die Verlängerung des Vertrags anstehe, können Verbraucher beim Provider auch einfach nach einem neuen Router fragen, rät Michael Gundall. Eventuell stehen dann schon Geräte mit dem neuen Standard zur Auswahl.

(dpa)