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Übersicht: Welches Surftempo brauche ich für mein Zuhause?

Übersicht : Welches Surftempo brauche ich für mein Zuhause?

Ein blitzschneller Kabelanschluss, reguläres DSL, LTE-Mobilfunk für zu Hause oder doch lieber VDSL? Das Angebot an Breitbandanschlüssen ist groß – und nicht jede Variante ist überall verfügbar. Ein Überblick für die Nutzer.

Der Gelegenheitssurfer: E-Mails abrufen, Nachrichten lesen und vielleicht noch bei Facebook vorbeischauen. Dafür braucht es auf keinen Fall mehr als reguläres DSL, sagt Christian Schlüter von der Stiftung Warentest. „Knapp wird es da höchstens bei den ganz langsamen Verbindungen wie DSL 1000.” Solche Tarife bieten die Provider aber oft ohnehin gar nicht mehr an.

Der Streamer: Spätestens seit dem Start von Spotify und Netflix ist Musik- und Videostreaming auch in Deutschland angekommen. Für Songs und Filme in niedriger Qualität mag reguläres DSL da noch reichen. HD-Videos brauchen dagegen mindestens DSL mit 16 Mbit/s, besser sogar noch mehr. Sonst müssen Film- und Serienfans mit nervigen Qualitätsschwankungen oder Ladepausen rechnen.

Der Zocker: Spaß machen Online-Spiele an PC und Konsole nur mit einer anständigen Verbindung. Die muss aber gar nicht besonders schnell sein – es geht um die Latenzzeit. Die verrät, wie schnell ein Internetanschluss auf Befehle reagiert. „Das kann, muss aber nicht mit der Übertragungsgeschwindigkeit zusammenhängen”, so der Warentester. Viel mehr Einfluss auf die Latenz hat aber zum Beispiel, ob man per WLAN oder per Netzwerkkabel surft.

Der Datensammler: Wer viel herunterlädt, zahlt auch mehr oder wird irgendwann gedrosselt. So ist es im mobilen Internet. Bei DSL und Co. sind solche Regelungen inzwischen aus der Mode. Mehrere hundert Gigabyte müssen es schon sein, bis die Toleranzschwelle erreicht ist. Andere Anbieter drosseln Nutzer, die viel Filesharing betreiben. Für solche Anwender lohnt sich vor der Unterschrift daher ein Blick ins Kleingedruckte.

Die Großfamilie: Klar – ein Gelegenheitsnutzer braucht kein schnelles Internet. Aber was ist mit fünf Nebenbei-Surfern unter einem Dach? Und was, wenn die nicht nur ins Netz, sondern auch spielen oder streamen wollen? Spätestens jetzt werden die ganz schnellen Verbindungen interessant, so Experte Schlüter: „Wenn ich 50 MBit aufteile bleibt da natürlich mehr für jeden übrig als bei 16.”

Der Uploader: Alle Fotos immer in der Cloud haben, Daten auf den Backup-Server schieben oder Videospiele live übertragen. Manchen Nutzern kommt es gar nicht so sehr auf das Download-Tempo, sondern auf den Upload an. Früher waren beide Werte gekoppelt, inzwischen ist das nicht immer so. Wer viel hochlädt, sollte sich nach entsprechenden Tarifen umsehen.

Der Abgeschnittene: In einigen Gegenden gibt es noch immer weder DSL noch Kabel. Einzige Alternative ist hier der schnelle Mobilfunkstandard LTE. Allerdings teilt man ihn mit anderen Menschen in der Funkzelle. Sind viele Nutzer online, surfen alle langsamer. Zudem gibt es oft ein Downloadlimit und die Angebote sind meist deutlich teurer als DSL oder Kabel. Die richtige Wahl bringt jedoch nichts, wenn nur die Hälfte der versprochenen Geschwindigkeit ankommt. „Das ist leider ein ganz übliches Problem”, sagt Ilja Braun, Referent für Telekommunikation beim Verbraucherzentrale Bundesverband. Wehren können sich Verbraucher oft nur schwer. Denn in den Verträgen findet sich oft die Formulierung „bis zu”. Die versprochene Geschwindigkeit ist in Wahrheit also meistens nur ein theoretischer Höchstwert. „Wirklich erreicht wird diese Maximalgeschwindigkeit nur selten”, sagt Braun. Kunden können vom Anbieter Abhilfe verlangen, wenn nicht an mindestens zwei Messtagen jeweils mindestens einmal 90 Prozent der vertraglich vereinbarten maximalen Geschwindigkeit erreicht werden, die normalerweise zur Verfügung stehende Geschwindigkeit nicht in 90 Prozent der Messungen erzielt oder das vereinbarte Mindesttempo an mindestens zwei Messtagen jeweils unterschritten wird, erklären Verbraucherschützer.

Ist das nachgewiesen, sollte der Kunde seinen Anbieter über das Problem informieren und eine Frist zur Abhilfe setzen, raten die Experten. Lässt sich keine Verbesserung feststellen oder ist es dem Anbieter technisch am Wohnort gar nicht möglich, die vertraglich vereinbarte Leistung dauerhaft zu erbringen, kann der Vertrag außerordentlich gekündigt werden.

(dpa)