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Heidelberg: Weihnachten virtuell: Bescherung mit der Maus

Heidelberg : Weihnachten virtuell: Bescherung mit der Maus

Keine Öffnungszeiten, keine Schlangen vor den Kassen und keine Läden voller Menschenmassen: Immer mehr Deutsche erledigen ihre Weihnachtseinkäufe per Mausklick.

„Im Netz ist es billiger, ich bin unabhängig beraten und kann kaufen wann ich will”, sagt ein junger Mann in der Heidelberger Fußgängerzone. Rund 70 Prozent der Deutschen Internetnutzer wollen dieses Jahr mindestens ein Geschenk im Netz kaufen, so eine Online-Studie des Münchener Marktforschungsdienstleisters eCircle zum Thema Weihnachtstrends. Das seien vier Prozent mehr als 2006.

Jeder Zweite sei inzwischen ein „Last-Minute-Shopper” kurz vor Heiligabend. Insgesamt wollen die Menschen der Studie zufolge zwischen 100 und 250 Euro für Weihnachtsgaben ausgeben. Fast jeder Vierte stecke sogar über 250 Euro in seinen Warenkorb.

Ayman Harmana, Besitzer eines Computerladens, kennt diese neue Lust und Leichtigkeit am Internetkauf. Doch er hat sich drauf eingestellt und eine eigene Homepage installiert. Seine Computer vertreibt er nun auch bei eBay im Internet und gibt sich gelassen: „Den Service will der Kunde immer direkt bekommen - nicht von einer anonymen Hotline, die ihn abspeist, dabei noch Geld kostet.”

Die Gewinner im stationären Handel sind Handelsriesen wie Media-Markt, Karstadt und der Kosmetikkonzern Douglas. Auch das Möbelhaus IKEA und Modeverkäufer wie H&M und C&A sind unter den Top-Ten. Bei den Online-Shops jedoch klingen die Kassen so laut wie noch nie. Auch wenn der Kauf im Laden für viele Deutsche noch die erste Adresse ist - fast genau so viele Kunden kaufen dieses Jahr im Netz ein.

Die Online-Händler Amazon und eBay machen dabei den größten Gewinne. Die Hälfte der rund 2000 von eCircle befragten Verbraucher will Weihnachtspäckchen bei Amazon bestellen. Auf Platz zwei in der Käufer-Gunst landete mit 37 Prozent das Internet-Auktionshaus eBay. Neben diesen Markführern sind auch die Versandhändler Quelle, Otto und Neckermann feste Adressen.

Doch ob Bücher, CDs oder Computer - der Boom des Internets geht weiter zu Lasten des stationären Einzelhandels. „Das liegt nicht nur an den Erfolgen der Internet-Plattformen, viele Präsenz-Läden nutzen das Internet für den Verkauf bisher mehr schlecht als recht”, meint der Computerhändler Harmana.

Das Kaufen im Netz ist auch bei Älteren beliebt. Die Hälfte aller Internet-Nutzer über 60 will sich online mit Präsenten eindecken. „Ich kann stressfrei rund um die Uhr einkaufen, muss keine Treppen laufen”, sagt eine ältere Rentnerin. Außerdem sei es so einfacher, Preise zu vergleichen.

Shoppingseiten, Meinungsportale und Online-Newsletter zeigen, was hinter den Produkten steckt, Geschenkideen inklusive. Nicht nur die Produktseiten des Anbieters sind online zu finden, auch Lob und Kritik vom Kunden. Selbst für die Weihnachtspost setzt sich das Internet immer mehr durch: Laut eCircle-Studie verschicken 87 Prozent der deutschen Surfer eine virtuelle Karte.

Die beliebtesten Weihnachtsgeschenke bleiben demnach auch dieses Jahr Bücher, Musik und Kleidung. Doch auch Kosmetikartikel, Computerspiele und Schmuck finden die Deutschen gerne unter dem Tannenbaum. Allerdings verzichten viele Menschen ganz auf Geschenke, wie die Marktforscher von TNS Emnid herausfanden. Nur jeder Dritte hält Gaben zum Fest der Liebe für unerlässlich.