Berlin: Wechsel auf neuen PC: Datenschleppen und Umzugshelfer

Berlin: Wechsel auf neuen PC: Datenschleppen und Umzugshelfer

Ein Umzug ist immer stressig, aber manchmal nicht zu vermeiden. Bei Computern ist die Lage eindeutiger: Jeder Rechner wird irgendwann so alt, dass ein neuer her muss. Und dann stellt sich unweigerlich die Frage: Wie bekomme ich meine Daten und Programme auf den neuen Computer?

Mac-Nutzer brauchen jetzt nicht weiterzulesen: Wer von einem Apple-Computer auf den nächsten umzieht, kann seine alte Maschine einfach vom Migrationsassistenten „aussaugen” lassen. PC-Nutzern machen die Unterschiede des neuen Windows 7 zu vorherigen Versionen etwas mehr Arbeit.

Einen Umzugsassistenten bietet zwar auch Microsoft an. Das Tool EasyTransfer verspricht, „automatisch Dateien, Fotos, Musik, E-Mail, Einstellungen und andere Elemente” auf den neuen PC zu überspielen. Einige Experten zeigen sich jedoch wenig überzeugt. „Mit einem Komplettumzug von einem alten auf einen neuen Rechner ist Microsofts EasyTransfer komplett überfordert”, lautete zum Beispiel das wenig schmeichelhafte Fazit des Computermagazins „ct”.

Zu dem kostenlosen EasyTransfer gibt es auch Alternativen, die 40 bis 50 Euro kosten können, etwa „Parallels Desktop Upgrade” oder „PCmover”. Ganz ohne Handarbeit kommt man aber auch bei ihnen nicht aus. Das größte Problem mit Hilfsprogrammen sei, dass man wenig Überblick habe, welche Daten und Einstellungen übertragen wurden und welche nicht, sagt „ct”-Redakteur Gerald Himmelein. „Dann hat man nichts Halbes und nichts Ganzes und muss jedesmal mühsam suchen, was schon da ist und was noch nicht.” Seine Empfehlung deshalb: In den sauren Apfel beißen und einen kompletten Neuanfang wagen, mit Installation aller Programme und dem manuellen Kopieren der Daten.

Dafür brauche man vor allem Geduld und Ordnung - und auf jeden Fall eine externe Festplatte. „Das Wichtigste überhaupt ist, vor einem Umzug sowohl das alte als auch das neue System komplett zu sichern”, empfiehlt Himmelein. Damit kann man die Daten wiederherstellen, falls irgendetwas schiefgehen sollte. Außerdem sollte man schon vorher eine Liste der Programme mit Seriennummern anfertigen, anstatt mitten im Umzug nach den Daten zur Software-Aktivierung fahnden zu müssen. Und keine Eile: „Die Einstellung Das will ich heute noch fertigkriegen ist Tabu: Da macht man leicht um zwei Uhr nachts einen Fehler.”

Angesichts der mangelnden Popularität von Windows Vista ist das wahrscheinlichste Szenario heute ein Umstieg von XP auf die Version 7. Und hier müssen sich die Nutzer auf zahlreiche Änderungen einstellen. So wurden die Standardverzeichnisse umgenannt. So heißt etwa „c:\Dokumente und Einstellungen\” jetzt „c:\users\”. Vor allem gewöhnungsbedürftig ist aber die Vista-Kunden schon bekannte Benutzerkontensteuerung (User Account Control/UAC). Ist man bei XP noch grundsätzlich mit Administrator-Rechten unterwegs, soll das UAC-System mit Nachfragen bei relevanten Systemeingriffen für mehr Sicherheit sorgen. Die gute Nachricht für Nutzer ist: Im Vergleich zu Vista meldet sich die Benutzerkontensteuerung von Windows 7 inzwischen deutlich seltener. Nerven kann sie trotzdem.

Es gibt auch eine Grundsatzentscheidung, die ein Nutzer bei einem PC-Umzug treffen muss: Zwischen der 32- und der 64-Bit-Version von Windows. Der Vorteil, wenn man sich für 64 Bit entscheidet, ist zum einen das höhere Tempo, mit dem die Anwendungen meist laufen. Zum anderen ist es die Zukunftssicherheit - es ist davon auszugehen, dass spätestens die übernächste Windows-Version nur noch auf 64 Bit ausgelegt sein wird.

Ganz einfach ist es aber auch nicht: Vor einem Umstieg auf ein 64-Bit-Windows müsse man unbedingt prüfen, ob es auch eine kompatible Version der genutzten Programme gibt, warnt Dominik Hoferer von der Computerzeitschrift „Chip”. Manche älteren Programme machen in einer 64-Bit-Umgebung massive Probleme. Zum Beispiel treffe das oft auf Kopierschutztreiber von Spielen zu, ergänzt Himmelein.

Hat ein Nutzer keine Lust aufs Datenkisten-Schleppen, gibt es noch eine radikal andere Lösung: Den alten PC in einer virtuellen Maschine auf dem neuen Computer weiterleben zu lassen und nach Bedarf aufzurufen. Das funktioniert mit gängiger Virtualisierungs-Software inzwischen reibungslos - das Arbeitstempo des „Geistercomputers” kann aber vor allem bei rechenintensiveren Aufgaben schnell zu wünschen übrig lassen.

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