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Berlin/Darmstadt: Von wegen nur „Sims”: Frauen überraschen beim Spielen

Berlin/Darmstadt : Von wegen nur „Sims”: Frauen überraschen beim Spielen

Die Gemeinde der Videospieler ist überwiegend männlich - soviel ist unstrittig. Wer jedoch mehr darüber erfahren möchte, welche Rollen Frauen und Mädchen im gesellschaftlichen Phänomen Videospiel einnehmen, wird überrascht sein.

Denn neben Totalverweigerinnen finden sich Hardcore-Gamerinnen. Und keineswegs beschäftigen sich Frauen nur mit Titeln, die einen hohen Kuschelfaktor besitzen.

Zwar herrscht Einigkeit darüber, dass viele Frauen Spiele bevorzugen, bei denen soziale Aspekte im Vordergrund stehen. Dazu gehört etwa der Erfolgstitel „Sims”. Doch je intensiver gespielt wird, desto stärker gleichen sich Vorlieben für bestimmte Titel an, sagt Antje Unger, Leiterin der Online-Plattform zockerweibchen.de in Berlin.

Zum Beispiel ist der Ego-Shooter Counter-Strike im eSport - also bei Spiele-Wettkämpfen - auch bei Frauen der Klassiker. Seit 2000 gibt es die Internetseite zockerweibchen.de. Das Portal wurde gegründet, um weiblichen Fans von Videospielen ein Forum zu bieten, in dem sie sich mit anderen Spielerinnen austauschen können.

Die Zielgruppe sind laut Antje Unger Frauen, die eSport betreiben, sich intensiv und in Wettkämpfen mit Spielen auseinandersetzen. „Doch im eSport sind die Damen unterrepräsentiert”, sagt Unger.

eSport sei eine recht intensive Angelegenheit. „Das liegt vielen Frauen nicht so”, erklärt Unger, die selbst jahrelang „Battlefield” auf höchstem Niveau gespielt hat. Demnach spielen die meisten Frauen lieber mal zwischendurch ein einfaches Spiel.
Frauen seien zudem seltener bereit, andere Hobbys fürs Spielen aufzugeben. „Für Frauen sind Computerspiele ein netter Zeitvertreib, mehr auch nicht.”

So fällt die 21-jährige Sabrina Burkhardt aus Darmstadt ziemlich aus der Geschlechterrolle - sie spielt vor allem „Counter-Strike: Source”. Angefangen hat sie damit vor rund drei Jahren mit ihrem Freund: „Wir wollten unbedingt zusammen in einem Team in die ESL Pro Series kommen.” Die ESL Pro Series ist eine Art Bundesliga für Gamer. „Sonntag- bis Donnerstagabend war und ist reserviert für das Zocken.”

Mit spielenden Frauen haben sich auch Forscher der Universität Hamburg beschäftigt. Sie wollten unter anderem wissen, was sich Frauen vom Spielen versprechen. Dabei kam unter anderem heraus, dass die meisten Daddel-Damen Gewinnen als nebensächlich betrachten. Wichtiger sei ihnen, Herausforderungen zu meistern. Weitere Motive: Stressbewältigung, Flucht aus dem Alltag oder die Möglichkeit, neue Rollen zu übernehmen.

Dass Frauen Gewalt in Computerspielen grundsätzlich ablehnen, ist nach Angaben der Hamburger Wissenschaftler ein Vorurteil. Die Studie habe gezeigt, dass Frauen mit dieser Thematik ganz unterschiedlich umgehen: Manche lehnen Gewalt im Spiel ab, andere spielen gerne Multiplayer-Shooter, wie Sabrina Burkhardt.

Dabei ist es nicht das Schießen auf die Figuren der Gegner, das die junge Frau anziehend findet: „Ich sehe das Spielen als Teamsport”, sagt die Studentin. Gefesselt sei sie vom Kräftemessen mit anderen Mannschaften.

Viele Frauen kommen laut Antje Unger über ihren Freund zum Spielen. Bei Julia Syrer aus Schönau waren es die älteren Brüder: „Ich bin quasi mit Computerspielen groß geworden. Angefangen habe ich bereits im Alter von etwa sechs Jahren”, erklärt die 24-jährige kaufmännische Angestellte. Ihre „Spielekarriere” hat an einem Atari begonnen. „Später habe ich an einem C64 gespielt, bis dann die ersten Pentium-Rechner auf den Markt kamen.”

Heute steht Julia Syrer auf das Echtzeit-Strategie-Spiel „Starcraft Broodwar”. Oder besser gesagt: „Starcraft Broodwar” macht derzeit einen großen Teil ihrer Freizeitgestaltung aus: „Momentan habe ich wohl meinen Höchststand erreicht: etwa drei Stunden täglich.” Es gebe aber immer wieder Phasen, in denen sie das Spiel komplett zur Seite legt. Syrer spielt mit sportlichem Ehrgeiz im Battle.net - also online und gegen menschliche Spieler.

Und gehen Frauen anders an Spiele heran als Männer? Während des Spielens selbst ließen sich keine Unterschiede ausmachen, sagt Syrer. „Ich könnte im Internet wohl nicht erkennen, ob ich gerade gegen eine Frau oder einen Mann spiele.” Aber die Einstellung ist laut Syrer bei Frauen und Männern verschieden: Männer spielten wettkampfbetonter.

„Jeder Junge will der Schnellste, der Stärkste, der Beste sein.” Die meisten Frauen dagegen spielen aus Spaß. Insofern hat sich Syrer der Spielweise ihrer männlichen Gegner angepasst: „Früher ging es mir lediglich um Spaß. Mittlerweile ist es für mich eher ein Wettkampf.”

Viele Spiele sind insofern vor allem auf männliche Kundschaft ausgerichtet, dass sie hauptsächlich männliche Spielfiguren enthalten beziehungsweise dass diese die Hauptrolle spielen. Das Angebot an Spielen sei jedoch so vielfältig, dass für jeden das Richtige dabei ist, findet Sabrina Burkhardt, die neben „Counter-Strike: Source” auch farbenfrohe Spiele mag, bei denen süße Tiere die Hauptrolle spielen. „Da kommt das kleine Mädchen in mir durch.” Nur mit jeder Art von Fußballspielen könne sie gar nichts anfangen.