1. Digital

Buchenberg: Vom virtuellen ins echte Leben: Den Chat-Partner treffen

Buchenberg : Vom virtuellen ins echte Leben: Den Chat-Partner treffen

„Die ersten paar Tage waren ganz cool, dann hatten wir uns nichts mehr zu sagen.” So fasst Katharina Breher aus Buchenberg im Allgäu das fünftägige Treffen mit ihrem Chatpartner aus Hannover zusammen. Es sollte der Beginn einer nicht-virtuellen Freundschaft werden.

Doch die 16-Jährige sagt: „Im Chat kam er mir ganz anders vor, gesprächig und aufgeschlossen. Hier musste ich ihm jedes Wort aus der Nase ziehn.” Chatten ist für viele zum Alltag geworden, und viele Jugendliche schließen dabei zumindest virtuell Freundschaft. Doch ein Treffen mit dem Chatpartner im echten Leben kann enttäuschen. Denn im Internet stellen sich Menschen gelegentlich anders dar als im echten Leben.

Ein „Real-Life-Meeting” - wie es im Webjargon heißt - kann deshalb nicht nur quälend langweilig, sondern im schlimmsten Fall sogar gefährlich sein. Mit ein paar Tipps lässt sich das Risiko zumindest minimieren: „Man sollte sich schon etwas länger kennen, sich auf jeden Fall nicht gleich, vielleicht auch noch nicht nach der zehnten E-Mail treffen”, rät Ulrike Schmidt, Leiterin von Lizzynet.de, einem Onlineportal für Mädchen. Doch auch lange Vorlaufszeiten sind keine Garantie gegen Enttäuschung: Katharina kannte ihren Chat-Kumpel seit zwei Jahren, doch beim Treffen sprang der Funke trotzdem nicht über.

Um die Risiken wenigstens einzuschränken, rät Schmidt, vor dem Treffen genau zu prüfen, ob der Chatpartner es ehrlich meint. Wer ihn googelt, kann zum Beispiel sein Profil auf StudiVZ mit seinen Aussagen im Chat vergleichen. Aber Vorsicht, auch Bilder auf solchen Portalen können gefälscht sein. Sofort abbrechen sollte man den Kontakt bei Fragen wie: ”Was hast du gerade an?”, erklärt die Lizzynet-Expertin: „In der Anonymität des Chats können sich auch Menschen mit bösen Absichten verbergen, wie zum Beispiel Pädophile.”

Eine gute Grundlage für ein Treffen schaffen Chatter, die sich auch über ernsthafte Themen austauschen, so Schmidt. Wer nur über Belangloses plaudert, kenne den Anderen gar nicht. Anders sei es, wenn man die Probleme des Chatpartners zum Beispiel in der Familie und in der Schule kennt, sein Verhältnis zur Religion oder seine Hobbys. Auf diese Weise festigt sich laut Schmidt die Beziehung, und es zeigen sich gemeinsame Interessen. Die Chatter merken dann eher, ob der Andere es ehrlich meint. Wer sich hinter der Chatmaske verbirgt, zeige sich manchmal auch am Telefon. Deshalb rät Schmidt, zum Hörer zu greifen und auch mal am Telefon zu quatschen.

Egal wie lange und intensiv die beiden Chatter kommuniziert haben: Sie sollten vor einem Treffen auf jeden Fall ihre Eltern einweihen, rät Miriam Brehm von Klicksafe.de in Ludwigshafen. Beim ersten Treffen muss ihrer Ansicht nach ein Erwachsener dabei sein. Schmidt rät, sich nur an belebten Orten - etwa in Jugendzentren - zu treffen, am besten in Begleitung einer vertrauten Person, einer Freundin zum Beispiel.

Mehr Sicherheit bieten außerdem Jugend-Chats. Bewertungen von Chats sowie weitere Sicherheitstipps stehen zum Beispiel in der Broschüre „Chatten-ohne-Risiko” des Portals jugendschutz.net. Grundsätzlich sei aber nichts gegen ein Treffen einzuwenden, findet Miriam Brehm: „Es ist für Freundschaften wichtig, dass man etwas zusammen unternimmt.”

Das Netz bietet die Möglichkeit, Leute am anderen Ende von Deutschland oder im Ausland mit den gleichen Spezialinteressen kennenzulernen. Schmidt rät jedoch, die Erwartungen vor einem realen Treffen nicht zu hoch zu schrauben. Wenn es beim „Real-Life-Meeting” mit der Freundschaft nicht klappt, sollten die Chatter das auch ehrlich sagen, findet sie.

Das heißt nicht, dass sie den Kontakt deswegen abbrechen müssen. Katharina zum Beispiel will zwar nicht der Gegeneinladung ihres Chatpartners nach Hannover folgen. Zum Quatschen im Netz treffen sich die beiden aber weiterhin dreimal pro Woche. Für ihren Chatpartner ist das vielleicht traurig, war er für das erste Treffen mit seiner Chat-Freundin doch extra ins Allgäu gefahren. Doch so ist es laut Schmidt eben mit Freundschaften - im virtuellen wie im realen Leben: „Enttäuschungen gehören auch dazu.”