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Köln: Visieren und Losbrüllen: Kölner Studenten entwickeln 3D-Brillen-Spiel

Köln : Visieren und Losbrüllen: Kölner Studenten entwickeln 3D-Brillen-Spiel

Auf einer einsamen Südsee-Insel entsteht eine Marmelade aus geheimen Zutaten. Geduldig rührt Kuscheltier Louie in der zuckersüßen Brühe. Noch. Denn sein Kochtopf ist in Gefahr: Von allen Seiten des Eilands fallen kleine Monster ein. Sie wollen dem Held des Computerspiels die Konfitüre stibitzen.

Der Spieler beobachtet die Szene von einem Boot aus. Er kann den Marmeladenkoch nur auf eine Weise retten: den Kopf zur Seite drehen, die Bösewichte anvisieren und laut losbrüllen.

„Louie Cooks” heißt das Computerspiel, das Studenten einer privaten Hochschule in Köln entwickelt haben. Manuel Schmuki (24) und Jalique Ehrbar (22) machen am SAE Institute ihr Hobby zum Beruf: Gemeinsam mit 34 anderen Studenten lernen sie hier, wie man Computerspiele programmiert. 19.000 Euro kostet die Ausbildung für vier Semester.

„Louie Cooks” beruht auf einer einfallsreichen Idee. Der Spieler streift sich eine 3D-Brille über, die ihm auf einem Display vorgaukelt, er befände sich mitten in der bunten Computerwelt: Bewegt er den Kopf, erkennen Sensoren die Bewegung, die wiederum für die Darstellung ausgewertet werden. Die Ich-Perspektive im Spiel schwenkt auf einem Sichtfeld von 110 Grad automatisch mit.

Die Studenten wollten ein albernes, ein nicht allzu ernstes Spiel entwickeln: „Zombies gibt es schon genug”, sagt Schmuki, der 24-jährige schmächtige Programmierer mit Dreitagebart, Popperfrisur und blonden Strähnchen. Bereits im Kleinkindalter saß er zu Hause an Spielekonsolen, zockte Games, während andere noch mit Bauklötzen spielten. „Der erste Computer bei mir kam recht spät, so mit Sechs”, sagt er.

Jalique Ehrbar fand ebenfalls Zugang zum Programmieren über die „Hausgeräte” der anderen Art - bei ihr war es die Playstation ihrer Mutter. „Computerspiele zu entwickeln ist sehr motivierend, man bekommt viel Bestätigung und kann seine blühende Fantasie ausleben lassen”, sagt die 22-Jährige, die ganz und gar nicht wie ein Computer-Nerd aussieht: Lange, kastanienbraune Haare, feine Gesichtszüge, schüchterner mädchenhafter Blick.

Die innovative Spielidee der Kölner hat sich bis zur Jury des Deutschen Computerspielpreis (DCP) herumgesprochen. Im Rahmen der Games Week werden am Dienstag in Berlin in 14 Kategorien Produktionen ausgezeichnet. Unter den Nominierten: Das Team um Ehrbar und Schmuki für das beste Nachwuchskonzept. Aus Sicht der Jury bietet „Louie Cooks” eine einzigartige Mischung aus einer liebevollen Spielwelt und moderner Technologie. Besonders kreativ sei die Steuerung mit 3D-Brille und Mikrofon: Durch gewaltfreie Aktionen müssten die Gegner mit Reaktionen und Körperbewegungen gestoppt werden - von Kopfschütteln über Pfeifen, Rufen oder Anstarren.

3D-Brillen, mit denen man in virtuelle Welten eintauchen kann, werden vom Bundesverband Interaktive Unterhaltungssoftware (BIU) als „wichtiger Zukunftsmarkt für sämtliche Unterhaltungsbranchen” gehandelt. Rund 30 Milliarden Dollar Umsatz sollen die Brillen im Jahr 2020 einspielen, schätzt die US-amerikanische Beratungsfirma Digi-Capital aus San Francisco.

Mehr als eine halbe Milliarde Dollar steckte Google mit anderen Investoren in das Start-up Magic Leap. In Projekten wird an einer Brille gearbeitet, um digitale Objekte als echt darzustellen. Für rund zwei Milliarden Dollar kaufte Facebook den 3D-Brillen-Hersteller Oculus. Geht es nach Mark Zuckerberg, sollen Nutzer bald auch 360-Grad-Videos auf der Plattform sehen können. Auch Sony arbeitet mit seinem „Project Morpheus” an der Zukunft der Virtuellen Realität und von in 3D erlebbaren Spielen.

Branchenvertreter wie der Bundesverband Interaktiver Unterhaltungssoftware BIU sehen in Technologien wie der Virtual Reality den nächsten großen Trend, weil es die Intensität des Spielens in nicht gekannter Weise steigern könnte. Manche Branchenexperten sind jedoch skeptisch, ob sich die Technologie wirklich durchsetzen wird. „Die Benutzung von Virtual-Reality-Brillen entspricht nicht den üblichen Gewohnheiten”, sagt „Computerbild”-Redakteur Oliver Sprung. „Die Hürde ist relativ groß, sich so ein sperriges Gerät aufzusetzen.”

(dpa)