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Frankfurt a.M: US-Publizist Keen sagt Ende des Web 2.0 voraus

Frankfurt a.M : US-Publizist Keen sagt Ende des Web 2.0 voraus

Der US-amerikanische Publizist Andrew Keen hat das Ende des Mitmach-Internets Web 2.0 vorausgesagt. In fünf bis zehn Jahren werde nicht mehr der „Kult des Amateurs” dominieren, sondern ein von Experten geprägtes neues Web 3.0, sagte Keen am Montag in Frankfurt.

Beim Medientreff des Flughafenbetreibers Fraport kritisierte der Publizist eine „Radikaldemokratisierung der Kultur” durch Internetseiten wie YouTube, MySpace oder Wikipedia. Diesen Angeboten, die in den USA immer stärker die herkömmlichen Medien ersetzten, fehle es an professioneller Qualitätskontrolle.

Das Web 2.0 schaffe es aber nicht, Erträge zu generieren, sagte Keen, dessen Buch „Die Stunde der Stümper” kürzlich in deutscher Sprache erschienen ist. Deshalb würden nur die wenigsten Firmen dieser Art überleben, was eine „gute Nachricht” sei. Keen forderte die traditionellen Medien auf, gegen die Konkurrenz aus dem Web 2.0 „zurückzuschlagen” und die Leser daran zu erinnern, wie schwer es sei, ein professioneller Journalist zu sein.

Die Leipziger Autorin Else Buschheuer sagte in einer anschließenden Diskussionsrunde, der Web 2.0-Skeptiker Keen sei selbst als Blogger aktiv und verlinke auf den von ihm kritisierten Internet-Buchhändler Amazon. „Es ist schon smart, dass er im Internet seine schlechten Nachrichten über das Internet verbreitet”, sagte die freie Autorin, die auch als TV-Moderatorin arbeitet. Buschheuer beklagte zugleich „die Anonymität, die Verleumdungen, den ganzen Mist in den Online-Kommentaren”. Hier müsse über bessere Kontrolle nachgedacht werden.

Nach Ansicht des Chefredakteurs von sueddeutsche.de, Hans-Jürgen Jakobs, sind die Zeitungsverleger klassischen Stils in Gefahr, von Spekulanten und Hedgefonds abgelöst zu werden. Gefragt seien aber Verleger, „die ein Verständnis für Journalismus haben und sich nicht nur an der Rendite orientieren”. Bei der „Süddeutschen Zeitung” arbeiteten die Print- und die Online-Redaktion eng zusammen. Die Internetausgabe der SZ habe mittlerweile mehr Leser als die gedruckte Zeitung.

Jakobs bezeichnete es als ein Problem des Journalismus, dass dieser sich „mit 100 Journalistenpreisen pro Jahr” zu einer regelrechten Eitelkeitsindustrie entwickelt habe. Journalisten hätten sich in Inszenierungsmuster eingefügt, lieferten schnelle Pointen in Talkshows und zeigten sich mit Vorliebe auf Galas. „Sie müssen aber unabhängig sein und kämpfen”, forderte Jakobs.

Der Fraport-Medientreff fand in diesem Jahr zum zweiten Mal statt und behandelte das Thema „Der digitale Hype: InformationsKult im Internet”. Mitveranstalter waren die Deutsche Lufthansa und die Hessische Landesanstalt für privaten Rundfunk und neue Medien.