Aachen: Taugen Ultrabooks fürs Business?

Aachen: Taugen Ultrabooks fürs Business?

Ultrabooks von Dell, HP oder Lenovo sollen auch Business-Anwender begeistern. Doch nicht jedes Gerät eignet sich für den professionellen Einsatz.

Die Notebook-Hersteller haben bisher 26 verschiedene Ultrabook-Modelle auf den Markt gebracht. Mehr als 75 weitere sollen noch in diesem Jahr hinzukommen. Ausdrücklich an Business-Anwender richten sich jedoch erst wenige Ultrabooks, darunter das Dell XPS 13, HP Folio 13, Lenovo ThinkPad T430u und Toshiba Portégé Z830.

Die bloße Nennung der Zielgruppe macht ein mobiles Endgerät allerdings noch nicht zum idealen Business-Begleiter. Für den Geschäftsalltag sollten bestimmte Kriterien erfüllt sein. Wir haben für Sie zusammengestellt, worauf es ankommt.

Wer unterwegs sein Notebook benutzen will, braucht nicht nur ein möglichst leichtes Gerät, das schnell hochfährt und lange durchhält. Je nach Einsatzposition kann der Lichteinfall zu störenden Reflexionen auf dem Display führen. Da sollte es selbstverständlich sein, dass ein Business-Ultrabook über ein mattes, nicht spiegelndes Display verfügt. Beim HP Folio 13 zum Beispiel ist dies aber nicht der Fall. Anders sieht es etwa beim matten Display des Toshiba Portégé Z830 aus. Auch das angekündigte Fujitsu Ultrabook soll mit einem matten Display glänzen können.


Tipp: Displays können zwar auch mit speziellen Folien gegen Reflexionen besser geschützt werden. Bei einem Business-Gerät sollte man jedoch ab Werk ein mattes Display erwarten dürfen.

Ein Business-Endgerät sollte einen langen Arbeitstag überstehen und nach der Kundenbesprechung noch eine Angebotserstellung während der stundenlangen Zugfahrt ermöglichen. Da man nicht immer davon ausgehen kann, eine Steckdose am Sitzplatz vorzufinden, kann ein Akkuwechsel erforderlich werden.

Leider zeigen sich auch die sogenannten Business-Ultrabooks eher verschlossen. Sie bieten zwar laut Hersteller bis zu acht Stunden (Dell XPS 13) oder sogar fast neun Stunden (HP Folio 13) Akkubetrieb, aber ein Akkuwechsel, wie ihn fast jedes billige Netbook erlaubt, ist nicht vorgesehen.

Tipp: Da ein Akkuwechsel für Ultrabooks bislang nicht vorgesehen ist, wird die Akkulaufzeit als Kaufkriterium besonders wichtig, wenn etwa wegen der kurzen Startzeit ein Ultrabook in Frage kommt.
Für besonders lange mobile Einsätze, die die Akkulaufzeit übersteigen, sollten Benutzer das höhere Gewicht eines normalen Notebooks gegen den Vorteil eines Akkuwechsels abwägen. Wenn die Verfügbarkeit von Steckdosen auf längeren Reisen unsicher ist, kann ein klassisches Notebook sinnvoller sein.


Klassische Notebooks haben den Desktop-PCs in den letzten Jahren das Leben schwer gemacht. Ultrabooks hingegen binden sich nicht so gern an den Schreibtisch: Einen Docking-Port sucht man bisher leider vergeblich. Eine freie USB-Schnittstelle reicht jedoch zum Beispiel beim HP Folio 13, für das der HP USB 2.0 Dock genutzt werden kann. Das noch im Sommer 2012 erwartete Fujitsu Ultrabook soll sogar einen Docking-Port auf der Unterseite bekommen.


Tipp: Wer etwa gleich häufig unterwegs und am Schreibtisch arbeitet, ist bisher mit einem klassischen Notebook und einer Docking-Station besser beraten als mit einem Ultrabook. Wer jedoch viel unterwegs ist, wird das geringere Gewicht eines Ultrabooks eher zu schätzen wissen.

Funkverbindungen über WLAN (Wireless LAN) bietet jedes Business-Ultrabook. Eine kabelgebundene Ethernet-Schnittstelle jedoch hat eher Seltenheitswert. Wenn dann noch nicht einmal eine Docking-Station über die USB-Schnittstelle zur Verfügung steht, bleibt der Zugang zum LAN (Local Area Network) versperrt. Anders sieht es etwa beim HP Folio 13 und beim Toshiba Portégé Z830 aus; beide sind für eine LAN-Verbindung zugänglich. Wer dagegen sein Headset via Bluetooth anschließen möchte, wird beim Dell XPS 13 fündig.

Eine schnelle Datenübertragung mit USB 3.0 unterstützt neben dem Dell XPS 13 beispielsweise auch das HP Folio 13. Besonders reich bestückt mit USB-Schnittstellen sind die bisherigen Ultrabooks jedoch nicht. Zwei USB-Anschlüsse sind oftmals zu wenig. Das gilt insbesondere dann, wenn für den Zugang zum mobilen Internet ein Modem über USB angeschlossen werden muss.

Ein integriertes UMTS-Modem bietet dagegen das Toshiba Portégé Z830, Fujitsus Ultrabook wird sogar LTE-Verbindungen direkt unterstützen können.

Tipp: Wer ein weniger verbindungsfreudiges Ultrabook nutzt, sollte sich bei Bedarf einen USB-Hub und einen USB-Kartenleser einpacken.

Wie bei besonders mobilen und flachen Geräten zu erwarten, verfügen Ultrabooks über kein optisches Laufwerk. Wer den neuen Produktkatalog seines Lieferanten auf DVD erhält, sollte ihn sich vor dem Ultrabook-Einsatz ansehen oder an ein externes, optisches Laufwerk denken, wie zum Beispiel das mobile USB CD/DVD-Laufwerk von HP als Ergänzung zum HP Folio 13.

Tipp: Wer sich unterwegs bei einer guten DVD entspannen möchte, sollte ebenfalls an das fehlende optische Laufwerk der Ultrabooks denken. Video-on-Demand aus dem mobilen Internet zum Beispiel ist nur dann ein Ersatz für DVD-Entertainment, wenn der Datentarif und die Verbindungsqualität am jeweiligen Standort passend sind.


Mehr als die Hälfte der deutschen Unternehmen beklagt einen Datenverlust auf mobilen Endgeräten. Sicherheitsfunktionen sind für ein Business-Ultrabook also Pflicht. Einen erhöhten Zugangsschutz über einen Fingerabdruck-Sensor bietet zum Beispiel das Toshiba Portégé Z830; je nach Modell verfügt das HP Folio 13 über einen TPM-Chip. Das Fujitsu Ultrabook soll neben Fingerprint-Reader und TPM-Chip auch eine Anti-Theft-Funktion aufweisen, um dem erhöhten Diebstahlrisiko bei mobilen Endgeräten zu begegnen. Kommt das Ultrabook abhanden, kann es aus der Ferne gesperrt werden.

Tipp: Abstriche in Sachen Datensicherheit sollten Unternehmen bei mobilen Endgeräten nicht akzeptieren. Viele Security-Funktionen lassen sich zwar durch die Installation einer Spezialsoftware nachrüsten. Doch Sicherheitsfunktionen, die bereits vorinstalliert sind, können Anwender oder Administratoren bei der Einrichtung schon mal nicht mehr vergessen.


Damit die flachen Ultrabooks schnell starten können, verbauen die Hersteller vorwiegend Massenspeicher auf Basis von SSD (Solid State Drive beziehungsweise Solid State Disk). Die Ultrabooks verfügen dann in der Regel über lokale Speicherkapazitäten von maximal 256 GB (zum Beispiel Dell XPS 13). Nur Ultrabooks wie das Lenovo ThinkPad T430u, die optional zusätzlich eine klassische Festplatte enthalten, können ein Speichervolumen bieten, wie man es von Notebooks inzwischen gewöhnt ist.

Tipp:Jedes vierte Unternehmen in Deutschland nutzt bereits Cloud Computing. Sofern eine breitbandige Flatrate-Verbindung ins mobile Internet verfügbar ist und an die notwendige Verschlüsselung und Cloud-Sicherheit gedacht wird, stellt die begrenzte Speicherkapazität kein Ausschlusskriterium für Business-Geräte dar. Wenn ein Unternehmen allerdings bewusst auf eine Cloud-Nutzung verzichtet, kann der in Ultrabooks ohne magnetische Festplatte verfügbare Speicher schnell knapp werden und zu einer Einschränkung im Alltag führen.


Ultrabooks zeichnen sich generell durch einen schnellen Start in den Betriebsmodus (Intel Rapid-Start-Technik) aus. E-Mails und Statusnachrichten aus sozialen Netzwerken können Anwender bei Modellen mit Smart-Connect-Technik wie dem Dell XPS 13 selbst im Ruhezustand abrufen.

Der schnelle Startvorgang, die vergleichsweise lange Akkulaufzeit und das geringe Gewicht (weniger als 1,5 kg beim HP Folio 13 und weniger als 1,4 kg beim Dell XPS 13) machen Ultrabooks durchaus zu interessanten Geräten für den professionellen mobilen Nutzer.

Trotzdem sollten sich Business-Anwender nicht vorschnell für ein Ultrabook entscheiden. Wer auf eine besonders lange Laufzeit angewiesen ist und diese über einen Akkuwechsel erzielen möchte, wird genauso wenig Freude an vielen Ultrabook-Modellen haben wie ein Nutzer, der auch am Schreibtisch arbeiten will und dafür eine LAN-Schnittstelle benötigt. DVD-Freunde werden zudem das optische Laufwerk in Ultrabooks vermissen. Last, but not least können die noch immer hohen Preise ein Argument gegen Ultrabooks sein.

Tipp: Der mobile Cloud-Nutzer, der am Ende eines Achtstundentages sein Endgerät auflädt, und für den WLAN der übliche Zugang zum Firmennetzwerk ist, wird mit den bisher verfügbaren Business-Ultrabooks sicher zufrieden sein. Wer andere Ansprüche hat, muss auf die Besonderheiten der einzelnen Modelle achten, oder sollte auf die nächsten Ultrabook-Modelle warten. Intels neue Ivy-Bridge-Prozessoren, Touchscreen-Funktionen, Windows 8 und die fallenden Preise werden Ultrabooks bald noch interessanter machen.

© IDG / In Zusammenarbeit mit computerwoche.de

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