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Berlin: Steuererklärung am PC: Nicht jeder braucht teure Programme

Berlin : Steuererklärung am PC: Nicht jeder braucht teure Programme

Eine Zahl lässt Steuerzahler aufhorchen: Je nach Fall verschenken sie jährlich mehrere Hundert Euro an den Fiskus, rechnet der Bund der Steuerzahler vor. Niemand will das, doch wer kennt alle Vorschriften? Millionen Deutsche setzen daher auf Software: Die CD in den Computer schieben und sich Schritt für Schritt durch die Steuererklärung führen lassen.

Tatsächlich stellen Fachleute den meisten der Programme ein gutes Zeugnis aus. Der Kauf für 30 bis 40 Euro lohnt sich jedoch längst nicht für jeden.

Jedes Jahr im Frühjahr machen sich die Steuerzahler auf den Weg: Rund 17 Millionen trugen nach Angaben der Softwarehersteller zuletzt ihre Belege zum Steuerberater oder zu einem Lohnsteuerhilfeverein. Rund 2 Millionen ließen sich am PC von einer Software bei ihrer Erklärung helfen. „Man kann aus fast jedem Steuerfall noch etwas herausholen”, sagt Thomas Matena vom Anbieter Buhl Data in Neunkirchen (Nordrhein-Westfalen), dem Herausgeber des „WISO Sparbuchs”.

Wer in den Laden geht, um eine Steuersoftware zu kaufen, kann meist zwischen fünf oder sechs Produkten wählen, sagt Björn Lorenz, Software-Experte der in München erscheinenden Zeitschrift „Chip”. Von einer Qual der Wahl sei dabei aber keine Rede: „Man kann ziemlich blind ins Regal greifen.” Die bekannteren Programme wie „Steuersparerklärung”, „Taxman” oder „WISO Sparbuch” seien durchweg vergleichsweise gut. In den vergangenen Jahren seien sie sich zudem immer ähnlicher geworden, herausragende neue Funktionen seien nicht hinzugekommen.

Der Kauf von Steuersoftware ist nach Lorenz Einschätzung zur Geschmacksfrage geworden - je nachdem, welche Benutzeroberfläche am besten gefällt, ob sie etwa wie ein klassisches Steuerformular aussehen soll. „Da lohnt sich der Blick auf die Demo-Versionen im Internet.” Mit einem zu alten Rechner funktioniere die Erklärung jedoch nicht. Ein Prozessor mit mehr als 350 Megahertz (MHz) Taktfrequenz sollte es laut Björn Lorenz schon sein.

Auch an Literatur halten die Programme einiges bereit: Das „WISO Sparbuch 2007” bietet 530 Seiten Steuertipps aus der Redaktion des ZDF-Wirtschaftsmagazins „WISO”. Hinzu kommen Videobotschaften im Programm, die jedoch eher allgemein gehalten sind. Etwas sachlicher formuliert kommt das Steuerhandbuch „Taxman ´07” von Lexware in Freiburg mit gut 600 Seiten daher. Bei der „Steuersparerklärung 2007” der Akademischen Arbeitsgemeinschaft in Mannheim sind es sogar 700 Seiten. Erstmals auf dem Markt ist die „Konz Steuer-Software 2007” der Verlagsgruppe Droemer Knaur aus München. Ihr liegt „Der große Konz” mit seinem Versprechen von 1000 ganz legalen Steuertricks bei.

Alle Programme arbeiten mit Elster, dem Übermittlungsprogramm der Finanzämter. Damit wird die Steuererklärung elektronisch zum Sachbearbeiter geschickt. Dieser muss dann nicht mehr die Daten von den Bögen abschreiben und in den Behördenrechner eingeben, wie Frank Pippig von der Senatsverwaltung für Finanzen in Berlin erklärt.

In der Hauptstadt erledigen vergleichsweise viele Steuerzahler ihre Erklärung mit Elster: Es sind 17 Prozent. Sie ersparen sich dadurch vor allem das Einreichen von Belegen. „Wir in Berlin garantieren dann die Bearbeitung innerhalb von vier Wochen”, sagt Pippig. Allerdings komme in diesen Genuss nur, wer eine einfache Erklärung abzugeben hat. Wer Lohnersatzleistungen bezieht oder auch Spendenquittungen einreichen will, müsse weiter Papierformulare verwenden.

„Elster beinhaltet immer eine Plausibilitätsprüfung, damit sind die elektronisch übermittelten Erklärungen immer fehlerfrei”, wirbt der Sprecher für die Gratis-Software der Finanzämter. Mit einem Kauf-Programm ist sie aber nicht vergleichbar. Fehlerfrei seien die Erklärungen zwar, räumen die kommerziellen Hersteller ein. „Elster ist jedoch nur ein Übertragungsprogramm”, sagt Buhl-Data-Sprecher Matena. „Sie bekommen da eine Ausfüllhilfe, aber keine Steuertipps.”

Selbst Steuerberater können den verschiedenen Software-Angeboten etwas abgewinnen. Für die durchschnittliche Erklärung seien sie ausreichend, sagt zum Beispiel Carsten Butenschön von der Steuerberatungsgesellschaft Butenschön und Partner in Berlin. Auch für kleine Gewerbetreibende oder Freiberufler lohne sich eine solche Software. Darüber hinaus stießen die Programme aber an ihre Grenzen.

Dieser Meinung ist auch Experte Lorenz. Er rät in bestimmten Fällen sogar ausdrücklich von den Programmen ab: Hilfe für eine langfristige Steuerstrategie etwa dürften die Käufer nicht erwarten. „Eine echte, individuelle Beratung kann nur der Steuerberater.” Auch bei speziellen Geldanlagen - etwa in Steuersparmodelle wie Chips- und Medienfonds - könne die auf eine breite Zielgruppe angelegten Software meist nicht weiterhelfen. „Da verlieren die Programme sich im Allgemeinen.” Auch für Selbstständige gebe es Einschränkungen.

Rausgeworfenes Geld ist der Kauf einer teuren Software auch für ganz einfache Fälle, etwa den jungen Berufsanfänger, der angestellt ist, ledig und kinderlos und der keine Miete einnimmt - sagen die Fachleute. Hersteller-Sprecher Matena rät in solchen Fällen zu einem Einsteigerprogramm für rund 15 Euro, mit dem sich auch bei einfachen Steuerfällen noch etwas rausholen lasse. „Chip” -Experte Lorenz meint dagegen: „Wenn man ein bisschen pfiffig ist, kann man das in einer halben Stunde auch mit den herkömmlichen Formularen hinbekommen.”