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Spotify feiert 10. Geburtstag

Runder Geburtstag : Spotify ist schon zehn Jahre alt

Wenn Sie zu den CD-Liebhabern gehören, müssen Sie jetzt stark sein: In diesem Sommer wurde auf dem deutschen Markt mit Streaming zum ersten Mal mehr Geld eingenommen als mit dem Verkauf von CDs.

Das kommt nicht überraschend, und trotzdem ist es ein bisschen traurig. Wenigstens für die, die gern eine haptische Platte auspacken, das Booklet herausnehmen und die Songtexte lesen.

Passend dazu feiert Spotify seinen zehnten Geburtstag. Am 7. Oktober 2008 ging der schwedische Streaming-Dienst zum ersten Mal online, und war offenbar genau zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Immer und überall genau die Musik hören, auf die man gerade Lust hat – nicht mal die vorher boomenden, illegalen Musiktauschbörsen konnten da mithalten.

Und gerade für die Generation, die mit Walkman, Discman und schließlich mit dem MP3-Player groß geworden ist, scheint das Konzept aufzugehen. Man erinnere sich nur an längere Autofahrten, auf denen vorher klug entschieden werden musste, welche CDs man mitnehmen möchte, um sie unterwegs zu hören – jedes Mal eine kleine Katastrophe, die nicht selten damit endete, dass die halbe Plattensammlung im Rucksack landete. Mal eben ein Lied zwischendurch hören und dann den Künstler wechseln? Umständlich und stressig. Also: CDs wurden im Ganzen gehört – genau genommen so, wie sie für den Hörer eigentlich auch gedacht waren.

Denn: Die CD als Gesamtkunstwerk geht mit Streaming-Diensten oftmals verloren. Mühsam ausgearbeitete Konzeptalben verlieren auf Spotify das, was sie stark macht, wenn jeder zweite Song übersprungen oder nur angespielt wird. Spotify macht den Konsumenten schneller, vielleicht sogar in mancher Hinsicht anspruchsvoller, aber gleichzeitig auch liederlicher, schwerer zu erreichen.

Die MP3 war gewissermaßen der Übergang zwischen Discman und Streaming. Und erst mal gar nicht so lukrativ, zumindest aus Sicht der Plattenfirmen. Die Dateien waren mit nur ein paar Megabyte klein genug, um sie schnell auszutauschen – der Schwarzmarkt florierte. Es dauerte ein paar Jahre, bis sich legale Anbieter durchsetzen konnten.

Inzwischen ist das Streaming etabliert, 180 Millionen Menschen nutzen Spotify, davon 83 Millionen als Abo-Kunden, die bezahlen und dafür keine Werbung zwischen den Songs hören. Menschen geben also wieder mehr Geld für Musik aus – eine gute Nachricht. Und ähnlich wie in vielen anderen Bereichen auch, muss sich die Branche auf die Digitalisierung einlassen. Wenn die Einnahmen davon, wie hoch oder niedrig sie auch sein mögen, letztlich dabei helfen, dass weiter CDs produziert werden können, ist das erst mal gut. Auch für die CD-Liebhaber.