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Berlin/München: Spielspaß zum Nulltarif: Game-Klassiker gratis im Netz

Berlin/München : Spielspaß zum Nulltarif: Game-Klassiker gratis im Netz

Vier Gigabyte Arbeitsspeicher, eine HD-fähige Grafikkarte und ein leistungsstarker Prozessor - für aktuelle PC-Spiele benötigt man meist die neueste Hardware. Ist der PC schon etwas älter, ruckelt oft das Bild.

Dabei gibt es kurzweiligen Spielspaß auch ohne 3D-Animationen. Viele Spieleklassiker haben trotz einiger Jahre auf dem Buckel ihren Unterhaltungswert behalten - und sind zudem oft kostenlos im Internet zu finden.

Alte Games brauchen wenig Chip-Power und kaum Speicherplatz. Auch die einfache Grafik muss nicht unbedingt ein Nachteil sein: Für viele Spieler steckt in groben Pixel-Bildern ein besonderer Charme, was auch die Hersteller erkannt haben. „Mit den sogenannten Retro-Games entwickelt sich seit einigen Jahren ein Nischenmarkt innerhalb der Games-Industrie”, erklärt Olaf Wolters, Geschäftsführer des Bundesverbandes Interaktive Unterhaltungssoftware (BIU) in Berlin.

Einige Hersteller bieten ihre Game-Oldies auch gratis an. Beispiele für Klassiker zum Nulltarif sind drei Teile des Echtzeitstrategiespiels „Command & Conquer” und die ersten beiden Auflagen der „GTA”-Reihe. Die Hersteller EA und Rockstar bieten diese Games auf ihren eigenen Servern zum Download an - ganz legal.

„Klassiker dieser Serien für die Community kostenfrei zum Download anzubieten, stellt für die Hersteller eine spannende Möglichkeit dar, Fans an die eigene Marke zu binden und sich zugleich für die Treue zu bedanken”, erklärt Wolters. Bei beiden Reihen gibt es auch aktuelle Versionen auf dem Markt - gegen Bezahlung.

Gibt es eine Übersicht über frei verfügbaren Games? Christian Schmidt, stellvertretender Chefredakteur der Zeitschrift „GameStar” in München, hilft weiter: „Bei Wikipedia finden Spieler eine Liste mit allen vom Hersteller freigegebenen Spielen, die als Freeware veröffentlicht wurden.”

Es gibt auch Versionen, die einen Einstieg ohne Bezahlung bieten - in der Hoffnung, später zu kassieren. „Gegen Micro-Payments, also kleine Geldbeträge, kann man sich bessere Waffen, schickere Rüstungen oder ganz spezielle Fahrzeuge kaufen und hat somit einen optischen oder auch spielerischen Vorteil gegenüber den Spielern, die nie etwas investieren”, erklärt Florian Holzbauer, Redakteur bei der Computerzeitschrift „Chip” in München, das Geschäftsmodell. Beispiele sind „F.E.A.R. Combat”, basierend auf der Serie von Sierra, oder „Quake Live”, eine Quake-Variante von id Software, sowie ganz aktuell „Battlefield Play4Free”, das auf der populären EA-Reihe fußt.

Ob Action, Adventure oder Echtzeitstrategie - aus jedem Genre gibt es Klassiker kostenlos im Netz. Jedoch sollten Spieler aufpassen, woher sie Spiele beziehen. Als „Abandonware” lässt sich fast jedes leicht angestaubte Game finden. „Grob übersetzt handelt es sich hierbei um Software, die vom Hersteller nicht mehr vertrieben wird - weder als Box noch über einen Online-Dienst”, erläutert Holzbauer. Das bedeute aber nicht, dass der Rechteinhaber nicht gewechselt hat. „Seiten wie abandonia.com listen solche Abandonware. In der Regel sind das DOS- oder frühe Windows-Spiele, bei denen der Publisher meist ein Auge zudrückt.” Nur in seltenen Fällen wird hier allerdings eine explizite Erlaubnis erteilt. So könne ein Nutzer unter Umständen sogar mit einem alten Spiel noch zum Software-Piraten werden, auch wenn dieses Risiko enorm gering ist.

Anders verhält es sich bei Freeware-Games, wie der „Chip”-Redakteur betont: „Klassiker, die als Freeware freigegeben sind, wurden immer und stets vom Hersteller oder dem Publisher freigegeben.” Diese dürfen dann beliebig kopiert, gespielt und weitergegeben werden. Eine sichere Quelle sind Download-Portale wie http://chip.de, bei denen alle Angebote eingehend geprüft und nur bei einer klaren Grundlage veröffentlicht werden. „Dubiose oder einfach unbekannte Seiten, die meist mit Werbung geradezu vollgepackt sind, sollte man tunlichst meiden.”

Arcarde-Klassiker aus den 80er Jahren wie „Space Invaders” oder andere Kult-Games wie „Pacman” oder „Pong” lassen sich auch im Netz spielen - oft haben Fans Flash-Versionen programmiert. „Am besten sollte man einfach die Suchmaschine der Wahl bemühen, nach dem Spielnamen und dem Zusatz „Flash” suchen”, rät der „Chip”-Experte.

Gibt es bald alle Spiele nach ein paar Jahren gratis im Netz? Olaf Wolters von der BIU sieht eher eine kommerzielle Entwicklung. Die Lizenzinhaber passten Spiele an die aktuellen Plattformen an, um sie erneut auf den Markt zu bringen. „Gamestar”-Redakteur Schmidt ergänzt: „Alte Spiele haben heute wieder einen Wert für den Hersteller. Über Angebote wie Steam beziehen Kunden auch alte Klassiker - und zahlen wieder Geld dafür.” Dabei sprechen die Spiele mehrere Gamer-Generationen zugleich an. Während die Älteren in nostalgischen Erinnerungen schwelgen, kann eine jüngere Generation die alten Klassiker für sich entdecken.