1. Digital

Heidelberg/München: Spiele für Mac sind noch immer Nischenthema

Heidelberg/München : Spiele für Mac sind noch immer Nischenthema

Grafiker gehören zu den Menschen, die Mac-Rechner traditionell ganz besonders schätzen. Da müsste sich doch eigentlich auch eine andere Nutzergruppe, bei der tolle Grafik hoch im Kurs steht, für die generell beliebter werdenden Apple-Computer begeistern können - die Computerspieler.

Aber weit gefehlt: Games auf dem Mac, das ist noch immer ein Nischenthema. Dabei kann sich das Angebot an Titeln durchaus sehen lassen.

Der Hemmschuh, der verhindert, dass Macs auch als Gamer-Plattform wichtig werden, sind ausgerechnet die für die Optik verantwortlichen Hardware-Komponenten: „Selbst die besten Grafikkarten sind nicht unbedingt für Spiele geeignet, sondern eher für professionelle Anwendungen”, sagt Oliver Buchmann vom Unternehmen Application Systems Heidelberg, das Spiele für Macs anbietet.

Warum überhaupt Titel für eine Plattform verkaufen, die dafür gar nicht unbedingt geschaffen ist? „Man kann mit einem neuen Mac schon alles einigermaßen spielen”, sagt Buchmann. Und Felix Rieseberg von der Mac-Community „Apfeltalk.de” mit Sitz in Witten (Nordrhein-Westfalen) bestätigt: „Wenn man heute einen neuen Mac kauft, ist der im Prinzip zum Spielen geeignet.”

Das Problem: Bei kaum einem Apple-Rechner ist es vorgesehen, die Grafikkarte austauschen. „Das macht man einmal im Jahr, wenn man in der PC-Welt richtig aufwendige Spiele spielt”, erklärt Rieseberg. An fast allen Mac-Rechnern kriegen das allenfalls Spezialisten hin, die durch die Aktion auch noch ihre Ansprüche aus der Gewährleistung einbüßen. Zudem empfehlen die Hersteller ausgeklügelter PC-Spiele oft zwei Grafikkarten - auch das ist bei Mac-Rechnern nicht vorgesehen.

Hinzu kommt, dass Computer aus dem Hause Apple zwar immer beliebter werden. Trotzdem steht weiterhin an der überwiegenden Mehrzahl aller Schreibtische ein PC. Dementsprechend konzentrieren sich auch die Spieleentwickler und Publisher auf Titel dafür. Und sie einfach auf Macs laufen lassen, das funktioniert nicht: „Die Spiele müssen dafür portiert, also umgesetzt werden”, sagt Christian Möller von der in München erscheinenden Zeitschrift „Macwelt”.

Das Umsetzen ist oft kein Zuckerschlecken: „Gerade Spiele, die mit DirectX laufen, sind nur sehr schwer auf den Mac zu bringen”, sagt Felix Rieseberg. DirectX sorgt vor allem dafür, dass PCs aufwendige Grafiken darstellen können. Zumindest einige Publisher schrecken vor diesem Aufwand dennoch nicht zurück, beziehungsweise vor dem Aufwand, einen Drittanbieter mit der Portierung von Spielen zu beauftragen.

Im Katalog von Application Systems Heidelberg finden sich zum Beispiel zahlreiche Action- und Shooter-Titel von mehreren „Call of Duty”- und „Medal of Honor”-Versionen über „Slinter Cell” bis zur „Tomb Raider”-Reihe. „Dann haben wir Rollenspiele wie "Baldurs Gate" oder Strategie mit den Teilen zwei und drei von "Age of Empires"”, sagt Buchmann. „Und die Topseller sind "Die Sims".”

Daneben gibt es wichtige Online-Titel wie „World of Warcraft” auch für den Mac - und eine Reihe von Sportspielen. Bei letzteren nimmt der Publisher Electronic Arts (EA) eine wichtige Rolle ein, wie Christian Möller von der „Macwelt” erklärt: „EA hat 2007 angekündigt, Mac-Portierungen gleichzeitig mit den PC-Veröffentlichungen auf den Markt zu bringen - allerdings haben sie das nicht ganz eingehalten.”

Das verdeutlicht ein weiteres Problem, mit dem sich potenziell spielewütige Besitzer eines Apple-Rechners konfrontiert sehen: „Wenn eine Portierung herauskommt, dann oft weit später als das PC-Spiel”, sagt Rieseberg. Ist das Spiel endlich da, kostet es zwar meist nicht mehr als die PC-Version - laut Buchmann meist 50 bis 55, manchmal auch nur 20 oder 30 Euro. Doch viele PC-Titel werden schnell deutlich billiger oder landen sogar auf dem Grabbeltisch - darauf warten Mac-Besitzer in der Regel vergebens.

Eine weitere Möglichkeit zum Daddeln auf dem Apple-Rechner gibt es: Zumindest auf den davon lässt sich Windows installieren - und damit werden auch PC-Titel spielbar. „Es bleibt aber das Problem, dass nach einem oder zwei Jahren die Grafikkarte veraltet ist”, sagt Felix Rieseberg. Außerdem ist es umständlich, für ein Spielchen das System neu zu starten.

Das wohl wichtigste Argument dagegen, auf dem Mac PC-Spiele zu starten, ist aber ein anderes: „Die meisten Menschen kaufen sich ja einen Mac, weil sie Windows nicht mehr mögen - und dann wollen sie auch nicht unbedingt auf Windows umschalten, um zu spielen”, sagt Rieseberg. Wer einen Mac besitzt und zugleich spieleverrückt ist, wird nach Oliver Buchmanns Einschätzung daher bis auf weiteres nicht um eine zusätzliche Anschaffung herumkommen: „Hardcore-Gamer kaufen sich halt einen PC dazu.”