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Berlin: Serienkost aus dem Netz: Online-Videotheken für TV-Fans

Berlin : Serienkost aus dem Netz: Online-Videotheken für TV-Fans

Die klassische Videothek bekommt immer mehr Konkurrenz aus dem Internet. 2014 werden in deutschen Haushalten voraussichtlich rund 27 Millionen Filme online angeschaut oder ausgeliehen. Das sind 5 Millionen mehr als im vergangenen Jahr. Auf diese aktuellen Zahlen des Marktforschungsinstituts IHS Screen Digest verweist der IT-Verband Bitkom.

Neben Desktop-PCs und Notebooks hatten die Deutschen Ende vergangenen Jahres 6,8 Millionen Smart-TVs, 5 Millionen Spielekonsolen, 1,9 Millionen Settop-Boxen und eine halbe Million Blu-ray-Player mit dem Internet verbunden.

Dabei werden zunehmend nicht nur aktuelle Kinofilme, sondern auch beliebte Serien abgerufen - von deutschen Erfolgen wie „Türkisch für Anfänger” über die Sitcom „Two and a Half Men” bis zur Fantasy-Saga „Game of Thrones”. Matthias Rößler von der Zeitschrift „Chip” empfiehlt dafür die Plattformen iTunes von Apple und Watchever. Hier gibt es in Sachen Serien zurzeit das größte Angebot, sagt der Experte. „In der Regel sind alle Staffeln einer Serie verfügbar. Manchmal kann es aber dauern, bis auch die aktuellste Staffel einer Serie online bereitsteht.”

„Wenn die DVD-Box einer Serie im Handel ist, dann sind die Folgen auch bei Online-Videotheken zu haben”, nennt Rößler eine Faustregel zur groben Orientierung. In einigen Fällen gibt es die neuen Folgen auch zeitgleich zur TV-Ausstrahlung. Und manche Portale bieten sogar Produktionen, die es bei noch keinem Sender zu sehen gibt, etwa das Rocker-Drama „Sons of Anarchy”.

Die Preise variieren von Anbieter zu Anbieter und hängen zum Beispiel davon ab, wie aktuell eine Serie ist und ob man sie in HD- oder SD-Auflösung anschauen will. Während bei Portalen wie iTunes viele Serien nur gekauft werden können, entweder als einzelne Folge oder als ganze Staffel, schließt man bei Watchever oder Amazons Plattform Lovefilm ein Abo ab. Dafür gibt es meistens kompletten Zugriff auf alle Serien.

Der Vorteil beider Modelle ist: Serienfans können ihre Lieblingsfolgen so oft ansehen, bis sie jeden Dialog auswendig mitsprechen können. Andere Portale lassen den Nutzer Filme oder Serienfolgen dagegen ausleihen, erklärt die Stiftung Warentest. Dabei hat der Nutzer in der Regel 30 Tage Zeit, Film oder Folge anzusehen. Hat er mit der Wiedergabe einmal begonnen, erlischt die Lizenz aber schon nach meist 48 Stunden. Im Gegensatz zur richtigen Videothek entstehen so wenigstens keine Zuschläge für die verspätete Rückgabe von Discs.

Alle englischen und amerikanischen Serien verfügen im Normalfall über eine deutsche Tonspur. „Gelegentlich bieten die Online-Videotheken auch die originale englische Tonspur an”, so Matthias Rößler. Bei Serien, die in Deutschland noch nicht im TV zu sehen waren, kann es auch passieren, dass diese vorerst nur im Original zur Verfügung stehen.

Kritik übt die Stiftung Warentest am Bedienkomfort der Portale - meistens sei der Gang zur Videothek um die Ecke leichter als der Abruf im Netz. Nervig ist zum Beispiel die Titelsuche mit mühsamer Buchstabenauswahl per Fernbedienung. Am einfachsten holt man sich seine Lieblingsserie über einen Smart-TV auf den Bildschirm, erklärt die Stiftung. Wer die Portale dagegen über eine Settop-Box oder zum Beispiel den Blu-ray-Player abruft, muss sich mit einer zweiten Fernbedienung herumschlagen. Außerdem arbeitet nicht jedes Gerät mit jeder Plattform zusammen, Zugriff auf iTunes gibt es zum Beispiel nur mit der Settop-Box Apple TV.

Voraussetzung für die ruckelfreie Wiedergabe ist außerdem eine schnelle Internetverbindung. Für HD-Streams gilt: Eine DSL-Leitung mit 6 Megabit pro Sekunde (MBit/s) muss es mindestens sein. Auf der sicheren Seite ist man aber erst mit 16 Mbit/s, sonst drohen lange Ladezeiten und nervige Bildaufhänger - vor allem, wenn im Haushalt gerade noch andere Nutzer auf den Internetanschluss zugreifen. Bildqualität wie von einer Blu-ray-Disc sollten Verbraucher nach Angaben von Stiftung Warentest aber auch mit einer blitzschnellen, ungestörten Leitung nicht erwarten.

(dpa)