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Frankfurt: Schnelle Spezialisten machen Softwareriesen in der Cloud Dampf

Frankfurt : Schnelle Spezialisten machen Softwareriesen in der Cloud Dampf

Software für Unternehmen, das ist ein genauso riesiger wie lukrativer Markt. Den hatten sich bislang Großkonzerne wie die deutsche SAP oder deren US-Rivale Oracle untereinander aufgeteilt. Doch die erfolgsverwöhnten Softwareriesen mit einer Historie von gut vierzig Jahren auf dem Buckel stehen vor einer Herausforderung.

Schnelle, kleine Unternehmen wie Salesforce punkten beim Kunden mit flexiblen Lösungen. Die Platzhirsche müssen nun im kommenden Jahr unter Beweis stellen, dass sie der neuen aggressiven Konkurrenz etwas entgegenzusetzen haben.

Die Verlockung auf das Geschäft mit Unternehmenssoftware ist groß. Laut SAP soll das für den deutschen Dax-Konzern zugängliche Marktvolumen für Unternehmenssoftware von 110 Milliarden US-Dollar im Jahr 2010 bis 2020 auf 350 Milliarden Dollar anschwellen - genug Anreiz für Konkurrenten, sich selbst um Krümel vom großen Kuchen zu bemühen.

Der heftigste Kampf zeichnet sich in dem schnell wachsenden Bereich mit sogenannter Cloud-Software ab. Gemeint ist damit Software, die online in Rechenzentren zur Verfügung steht und nicht mehr auf einzelnen Rechnern installiert und gewartet wird. Abgerechnet wird über eine Miete für einen gewissen Zeitraum und nicht über einzelne, große Lizenzzahlungen. Das junge Geschäftsmodell gilt in der Branche als künftiger Status quo - wer hier nicht von Anfang an vorne mit dabei ist, droht den Anschluss zu verlieren.

Der große Trend 2015 scheint dabei die Vereinfachung zu werden. Der US-Vertriebsspezialist Salesforce will gar nicht mehr als Softwarehersteller wahrgenommen werden. Das Angebot des Konzerns aus dem Silicon Valley in Kalifornien ist komplett über den Webbrowser bedienbar. Komplexe und wartungsanfällige Software ist out. SAP-Chef Bill McDermott hat denn auch das Prinzip „run simple” zur neuen Maxime erkoren. Zusammen mit einer schickeren grafischen Oberfläche wollen die Walldorfer ihre Anwendungen intuitiver machen und Kritikern den Wind aus den Segeln nehmen.

Bedarf scheint vorhanden: Mehr und mehr verdichten sich die Anzeichen, dass US-Netzwerkgigant Facebook seine Fühler ausstreckt und die Welt der Geschäftskunden ins Visier nimmt. Insbesondere will Konzernchef Mark Zuckerberg wohl interne Kommunikationsprozesse in Unternehmen im Stil des bekannten Facebook-Newsfeeds vereinfachen.

Salesforce ist bereits ein paar Schritte weiter - und auf dem Weg an die Spitze. Als reiner Cloud-Anbieter peilt das 1999 gegründete Unternehmen im laufenden Geschäftsjahr knapp 5,4 Milliarden Dollar Umsatz (4,4 Milliarden Euro) an und ist damit der Primus in der Cloud. Das Unternehmen bietet Software zur Steuerung von Vertrieb, Marketing und Kundenkommunikation an. Zum Vergleich: SAP hat 2014 Erlöse von über einer Milliarde Euro in der Cloud eingeplant. Der Anbieter von Personalsoftware Workday und der Rundumanbieter Netsuite sind kleiner. Doch das Interesse von Kapitalmarkt und Analysten ist hoch, die kleinen Wachstumsfirmen werden verhältnismäßig scharf unter die Lupe genommen.

Der Kampf um die Vorherrschaft wird auch öffentlich geführt, die Töne klingen dabei zunehmend schrill. SAP-Chef Bill McDermott verweist gern auf die Verluste der versammelten Cloud-Rivalen. Netsuite-Chef Zach Nelson dagegen bezeichnet SAP-Programme als „antiquierte Software”. Salesforce-Gründer Marc Benioff reizt die Konkurrenz mit der Ansage, die Walldorfer kurzfristig auch beim Gesamtumsatz (2013: 16,8 Milliarden Euro) überholen zu wollen.

Große Worte gehören in der schnelllebigen Branche zum Handwerk - haben aber auch eine persönliche Komponente. Sowohl Benioff als auch Nelson entstammen der Kaderschmiede des SAP-Erzrivalen Oracle. Dessen Ex-Chef und Gründer Larry Ellison kultivierte eine leidenschaftliche Abneigung gegen SAP.

Die Schlagzahl in der Branche bleibt hoch. Unter anderem deswegen blättert SAP für den amerikanischen Anbieter von Reisekosten- und Spesenmanagement Concur mehr als 6 Milliarden Euro hin. Die Preise für passgenaue Zukäufe sind rasant gestiegen - laut Branchenkennern dauert das eigene Entwickeln neuer Produkte zu lange, die Zeit im Konkurrenzkampf aber drängt. Bei SAP muss sich die Strategie der milliardenschweren Zukäufe jetzt beweisen. Anfang 2015 will McDermott einen Mittelfristausblick geben. Mancher Analyst rechnet schon damit, dass die Investitionen in die Cloud die Gewinnziele weiter nach hinten rücken lassen.

(dpa)