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Profiler Grieger-Langer: Trolle nähren Angst und Neid

Internet : Profiler Suzanne Grieger-Langer: Trolle nähren Ängste, Zweifel und Neid

Vladimir Putin, Recep Tayyip Erdogan und Donald Trump sind umstritten und peinlich, aber zugleich auch enorm erfolgreich: Obwohl die Staatschefs von Russland, der Türkei und den USA in der europäischen Presse unter Dauerfeuer stehen und zu den unbeliebtesten und unbequemsten politischen Partnern Europas zählen, steigt die Zahl ihrer Anhänger.

Die Staatsoberhäupter seien Trolle der Politik, sagt Profiler Suzanne Grieger-Langer, die sich intensiv mit den Themen Cybermobbing, Trolling und Framing auseinandergesetzt hat. Die Vortragsrednerin erklärt: Wer die Masche der Trolle kennt, kann sich vor Angriffen und Anfeindungen schützen - auch im eigenen Alltag.

Trump, Putin und Erdogan haben eine riesengroße Reichweite in ihrer Zielgruppe - insbesondere bei Menschen, die sich vom Establishment abgehängt fühlen. Sie betreiben eine Politik der Einkapselung, der Ängstlichen und Ewiggestrigen. Sie wissen, dass eine feste Behauptung mehr ist, als ein wackliger Beweis - und auch, wie man Sichtbarkeit erzielt. Diese Politiker verhalten sich also im Internet wie Trolle.

Ein Troll ist ein Störenfried der Kommunikation und der Community, der Ängste schürt, Zweifel nährt und den Neid füttert. Seine Kommunikation dient nicht dem Austausch, sondern der Provokation. Die Sprache des Trolls, das Framing, schafft enge Denkkorridore beim Leser oder Zuhörer. Auch, wenn es dem Cybermobber nicht gleich beim ersten Mal gelingt, jemanden auf seine Seite zu ziehen: Wenn man nur lange genug zuhört oder mitliest, wird man am Ende doch scheinbar logisch zu dem Schluss gelangen, den sich der Despot wünscht.

Fakten können nicht rein rational verarbeitet werden. Das Gehirn braucht eine Einordnung - quasi eine Perspektive auf den Fakt. Diese Perspektive künstlich zu schaffen, nennt die Psychologie Framing. Es geht also darum, einen Referenzrahmen zu schaffen, in dem der Fakt eine emotionale Bedeutung erhält, idealerweise für den Leser selbst.

"Die wichtigste Gegenmaßnahme ist es, Trolle nicht zu füttern. Das heißt, dass man insbesondere nicht auf ihre Provokationen reagieren sollte", sagt Suzanne Grieger-Langer, die als Autorin und Expertin für Betrugserkennung tätig ist. "Trolle rekrutieren sich aus der ,Armee der Gekränkten'. Sie sind für erfolgreiche Menschen schwer zu verstehen, aber wir müssen die veränderte Welt zur Kenntnis nehmen und die Wahrnehmung, die diese Menschen auf die Welt haben. Wer nachvollziehen kann, wie Cybermobbing funktioniert und auf welche Mechanismen Trolle setzen, ist weniger angreifbar", fügt sie hinzu.

Dies gelte für die kleinen Trolle und Mobber im Alltag ebenso wie für politische Meinungs- und Scharfmacher.

(vo)