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Hannover/Berlin: Pinguin statt Fenster: Linux als Alternative zu Windows Vista

Hannover/Berlin : Pinguin statt Fenster: Linux als Alternative zu Windows Vista

Eines vorweg: Microsoft hat mit Vista ein modernes Betriebssystem auf den Markt gebracht, das gegenüber Windows XP zahlreiche Verbesserungen aufweist. Noch dazu sieht Vista schlicht besser aus als sein Vorgänger. Es gibt aber auch Punkte, die dafür sprechen, nicht blindlings auf Vista zu setzen, sondern nach Alternativen Ausschau zu halten. Eine davon könnte Linux sein.

Zu den wesentlichen Neuerungen von Vista zählt Microsoft mehr Sicherheit für persönliche Daten und Schutz vor Angreifern aus dem Internet. Das stimmt zweifellos, aber ein Alleinstellungsmerkmal ist es nicht. Im Gegenteil gelten andere Betriebssysteme wie Mac OS oder Linux als sicherer: Es gebe so gut wie keine Viren, die Linux-Rechner angreifen, sagt Oliver Diedrich von der in Hannover erscheinenden Computerzeitschrift „c´t”. Hinzu kommt, dass die in Vista umgesetzte deutlichere Trennung von Anwender- und Administratoren-Rechten unter Mac OS oder Linux schon lange Gang und Gebe ist.

Die Vista-Oberfläche Aero mit ihren transparenten Fenstern sieht schick aus, aber solche Fenster gibt es auch unter Linux oder Mac OS. Das sind Kleinigkeiten, viel stärker ins Gewicht fällt Vistas Ressourcen-Hunger: Das System läuft nur auf neueren, gut ausgestatteten Rechnern uneingeschränkt. Linux mit dem Pinguin als „Wappentier” kommt mit weniger Speicher sowie Prozessor- und Grafikkarten-Leistung klar. Wer sich einen neuen PC mit vorinstalliertem Vista kaufen möchte, könnte stattdessen seinen bisherigen Rechner mit Hilfe von Linux noch eine ganze Weile nutzen - mit modernen Anwendungsprogrammen, die Linux-Paketen meist beiliegen.

Einen Pluspunkt gegenüber Vista und Mac OS kann Linux auch beim Preis einheimsen: Es ist auch kostenlos erhältlich. Mac OS gibt es nur zusammen mit der nicht eben kostengünstigen Hardware von Apple. Und Vista kostet in der Version Home Premium, die vergleichbar mit der Windows XP Personal Edition ist, 199 Euro als Update und 299 Euro als Vollversion.

Allerdings gilt es, genau hinzusehen: Ein Gratis-Linux gibt es als Zeitschriftenbeilage oder per Download aus dem Internet - jedoch ohne Handbuch oder professionellen Service. Wer darauf Wert legt, muss zum Beispiel für die verbreitete Linux-Distribution „Suse” rund 50 Euro ausgeben. Andererseits gibt es von Vista eine so genannte System-Builder-Version ohne bunte Schachtel, Handbuch und Service. In dieser Variante kostet Vista Home Premium nur 119 Euro. So schrumpft die Preis-Differenz zwischen Linux und Vista. Linux darf der Nutzer allerdings beliebig oft installieren und weiterreichen, ohne dass Gebühren fällig werden. Das ist mit Windows nicht erlaubt.

Wer glaubt, Linux werde nur von Hobby-Programmierern gebastelt, tauge nicht viel und sei deshalb kostenlos, der irrt: „Viele Leute werden mittlerweile dafür bezahlt, dass sie an Linux arbeiten”, sagt Oliver Diedrich von der „c´t”. Unternehmen wie IBM, Novell oder Red Hat sind an der Weiterentwicklung interessiert. Und was die von diesen Firmen bezahlten Entwickler zu Stande bringen, fließt auch in Linux-Systeme ein, die private Anwender kostenlos erhalten.

Das bedeutet aber nicht, dass Linux uneingeschränkt zu empfehlen ist. „Wir haben verschiedene Versionen getestet. Und wir waren nicht glücklich”, sagt Computerexperte Peter Knaak von der Stiftung Warentest in Berlin. Schon beim Anschluss eines Druckers seien die Tester ins Schleudern gekommen. „Der normale Nutzer ist schnell überfordert”, urteilt Knaak. Linux werde zwar ständig verbessert und sei auf Erfolgskurs, doch handle es sich noch um ein Nischenprodukt.

Erkennt Linux bestimmte Hardware nicht, handelt es sich laut Oliver Diedrich aber um „exotische” oder besonders günstige Produkte: Ein Multifunktionsscanner für 40 Euro sei so kurz auf dem Markt, dass sich die Entwicklung eines Treibers dafür nicht lohnt.

Ein anderes Problem unter Linux betrifft das Video-Format MPEG2: Film-DVDs lassen sich nicht ohne weiteres am Rechner abspielen. Das liegt daran, dass MPEG2 patentrechtlich geschützt ist. Weil Linux kostenlos ist und beliebig oft weitergereicht werden darf, ist der entsprechende Programmteil üblicherweise nicht enthalten.

„Das Problem kann der Nutzer aber lösen”, sagt Diedrich - mit Hilfe des Internets. Dort trifft sich die Linux-Gemeinde und greift sich bei Problemen gegenseitig unter die Arme. Daher empfiehlt Oliver Diedrich, vor der Entscheidung für eine bestimmte Linux-Distribution online zu gehen und sich die jeweilige Community anzuschauen. Sind die Leute hilfsbereit oder eher arrogante Technikfreaks?

Ein Problem, das auch die freundlichste Community nicht lösen kann, ist der Mangel an kommerziellen Spielen für Linux. Auf der überwältigenden Mehrheit der Heim-PCs läuft eben Windows. Da lohnt es sich für die Hersteller nicht, ihre Spiele auch in einer Linux-Variante anzubieten.

Wer damit kein Problem hat und Linux einmal ausprobieren möchte, kann zu einer der so genannten Live-Distributionen greifen, „Suse” oder „Ubuntu” etwa. Das sind vollständige Linux-Systeme auf DVD, die sich ohne Installation auf der Festplatte nutzen lassen. Und wer sich gar nicht entscheiden kann, der installiert einfach Vista und Linux parallel auf einem Rechner.