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Berlin: Personalisierte Startseiten können Internet-Nutzern Zeit sparen

Berlin : Personalisierte Startseiten können Internet-Nutzern Zeit sparen

Das Web 2.0 kann unübersichtlich und zeitraubend sein. Einloggen in den E-Mail-Account, wieder ausloggen, unterschiedliche Nachrichtenseiten ansurfen, das soziale Netzwerk, dabei wieder ein- und ausloggen. Seit einiger Zeit gibt es Internet-Anbieter, die verschiedene Web-Angebote bündeln.

Netvibes, Pageflakes, Allyve und iGoogle heißen die derzeit großen Anbieter im deutschsprachigen Raum, die alle ein Ziel verfolgen: die Komplexität des Internets zu reduzieren, Nutzern die Kontrolle über das Netz wiederzugeben.

Eine Art All-in-one-Prinzip. Nutzer können sich ihre personalisierte Startseite selbst zusammenbasteln, mit allem, was ihnen wichtig erscheint. Sie binden verschiedene Nachrichtenseiten ein, ihr E-Mail-Konto, den Wetterbericht, die Dienste von Internetauktionshäusern. Oder eben auch Netzwerk-Seiten, Videoportale wie YouTube oder Fotoseiten wie Flickr.

Die Seite kann von jedem beliebigen Rechner aus nach Eingabe eines Zugangspassworts aufgerufen werden. Allyve, eines der ersten deutschsprachigen Angebote, ist ein Start-Up aus Hamburg. „Das ständige Ein- und Ausloggen auf verschiedenen Seiten war einfach nervig”, sagt Julika Bleil, die Allyve im letzten Jahr gemeinsam mit Philipp Spethmann gegründet hat.

Häufig rufe man Netzwerk-Seiten wie StudiVZ oder Xing vergeblich auf, ohne dass sich etwas in dem Portal getan habe. Den Mehrwert der neuen Seite sehen die Gründer darin, dass mit einem einzigen verschlüsselten Allyve-Passwort alle anderen passwortgeschützten Seiten wie E-Mail-, Ebay- und Xing-Profil direkt zugänglich sind. Alle anderen Passworte werden bei Allyve hinterlegt und dort verschlüsselt gespeichert.

Bei Netvibes, Pageflakes und iGoogle funktioniere das bislang nicht, sagt Bleil. Das Allyve-Passwort ist nirgends gespeichert und SSL-geschützt. Aktuell lässt sich das Start-Up vom TÜV Süd auf Datensicherheit zertifizieren.

Die Grundvoraussetzung für die Weitergabe persönlicher Passworte sei die Vertrauenswürdigkeit des Portal-Betreibers, sagt Ulrich Kühn, Experte für Verschlüsselungstechniken beim Hamburgischen Datenschutzbeauftragten. „Prinzipiell gibt es immer Sicherheitsprobleme, wenn sehr viele vertrauliche Daten bei einem einzigen Anbieter liegen.” Der Bedarf, die Vielzahl personenbezogener Passworte zu bündeln, sei da.

Das 2005 in Frankreich gegründete Portal Netvibes bietet zwar kein Universal-Passwort, hat aber vor wenigen Tagen sein Angebot unter dem Namen Ginger ausgeweitet und setzt offenbar auf eine stärkere Vernetzung seiner Mitglieder. Registrierte Nutzer des kostenlosen Dienstes können unter netvibes.ginger.com ihre privaten Startseiten künftig öffentlich machen. Das Unternehmen, das nach eigenen Angaben inzwischen weltweit 50 Millionen personalisierte Startseiten von Mitgliedern aus 200 Ländern verzeichnet, hatte sich zunächst auf Nachrichtendienste, Weblogs und über 100 000 sogenannte Widgets wie zum Beispiel Wetterinformationen, Sudoku und Währungsrechner konzentriert.

Ähnlich das Angebot von Pageflakes. Das 2006 gegründete Unternehmen drängte Ende 2007 auf den deutschen Markt. Nutzer haben die Qual der Wahl, welche der etlichen angebotenen Dienste in die persönliche Startseite integriert werden sollen. Hat man sich erst einmal seine Seite zusammengepuzzelt, scheint vor allem eine Kalenderfunktion praktisch. Auf ihr können Termine eingetragen werden, die dringend erledigt werden müssen.

Das sind alles Funktionen, die auch der Suchmaschinenriese Google anbietet. Erst durch die Umbenennung in iGoogle vor einem Jahr wurde der Dienst jedoch bekannter.

Ob mit den neuen Angeboten der Google-Konkurrenten tatsächlich das „Ende der Homepage” eingeläutet wird, wie Anbieter in Zeitungsinterviews schwärmten, bleibt indes fraglich. Gut möglich, dass Nutzer die Angebote selektiv nutzen, etwa für E-Mails, soziale Netzwerke. Viele Seiten seien „einfach zu langsam”, beklagte kürzlich ein Nutzer eines Online-Forums.