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Aachen: Per Satellit dem Schatz auf der Spur

Aachen : Per Satellit dem Schatz auf der Spur

50 Grad nördlich 44.176 und 6 Grad östlich 09.681: Maria kennt diese Zahlen wahrscheinlich auswendig. Wie oft sie diese Koordinaten schon gehört hat, weiß niemand genau, aber es dürften mehrere 100 Male sein. Maria, das ist eine kleine Mutter Gottes in der Senke zwischen Aachen-Brand und Kornelimünster.

Und ihre GPS-Koordinaten sind der Startpunkt einer Geocache-Wanderung im Raum Aachen, die am 23. September 2004 erstmals im Internet veröffentlicht worden ist. Seitdem stehen sie regelmäßig vor ihr: Kinder mit ihren Eltern, Senioren, Studenten. In der Hand ein GPS-Gerät und ein Zettel voller Fragen, Rechenaufgaben und kleinen Rätseln, die den Weg zu den nächsten Koordinaten weisen. Auf der Suche nach dem „Cache”.

Diesmal sind es Martina und Mario, die vor Maria stehen. Sie zählen die Pfosten des kleinen Holzzaunes, der schützend vor ihr steht. Danach geht es ans Rechnen, und kurze Zeit später steht fest: „Wir müssen weiter Richtung N 50¡ 44.233 E 6¡ 09.797.” Mario tippt die Koordinaten ein, und die Cache-Suche kann beginnen.

„Lion & Aquaria”

Martina Koch und Mario Salvini sind zwei von mittlerweile mehreren 100 Geocachern im Raum Aachen. Die beiden gehen unter ihren Online-Nicknamen „Lion & Aquaria” regelmäßig per GPS auf Schatzsuche und haben schon über 400 „Caches” gehoben. Die GPS-Wanderung, die an der kleinen Mutter Gottes bei Kornelimünster beginnt, heißt „Vier Elemente” und führt an der Vennbahntrasse auf einem thematischen Rundweg an „Wasser, Feuer, Erde und Luft” vorbei.

Martina „Aquaria” Koch ist mit einem Rucksack voller kleiner Dinge beladen, als sie mit Mario „Lion” Salvini startet. „Man weiß nie genau, wie groß der Cache ist und was sich alles darin findet. Es ist Ehrensache unter Geocachern, ein oder zwei Teile im Schatz auszutauschen - und man sollte immer etwas Höherwertiges zurücklassen”, erklärt die 24-Jährige. 2002 hat sie das ungewöhnliche Hobby für sich entdeckt.

„Meine Mutter war zufällig im Internet auf Geocacher gestoßen, ist neugierig geworden und hat mich angesteckt.” Was die Schatzsuche per GPS so spannend macht? „Man ist draußen unterwegs, lernt schöne Wanderwege kennen und kann sich mit einer großen Online-Community austauschen, die ähnliche Interessen hat”, erklärt Mario Salvini, der nicht verhehlt, dass auch der Spieltrieb - ganz wie bei der Schnitzeljagd in Kinderzeiten - eine gewisse Rolle spielt.

„Cache” bedeutet so viel wie „geheimes Lager”. Meist handelt es sich dabei um kleine Behälter wie Filmdosen oder Plastikdöschen, in denen wertlose kleine Überraschungen versteckt sind. Es geht nicht um den Inhalt: Der Weg ist das Ziel.

Aachen ist eine kleine Hochburg der modernen Schatzsucher. In der Region gibt es über 5000 Caches. Sie heißen „Seffenter Friede”, „Brander Stier”, „Yetis CHIO-Series” oder auch „Mit Keijser Kaal ongerwegs”. Sie sind versteckt im Nationalpark Eifel, im Carl-Alexander-Park, im Wurmtal und mitten in der Aachener Innenstadt. Genau genommen sind sie fast überall. Dass sie niemand bemerkt, ist kein Wunder, denn der klassische Geocacher will auf gar keinen Fall auffallen.

Ein perfekter Cache ist so versteckt, dass ein „Muggel”, so nennen die Geocacher frei nach Harry Potter ahnungslose Spaziergänger, seine Entdeckung nach Möglichkeit nicht beobachten kann. Jeder Cache ist im Internet erfasst, jeder Fund wird sowohl in einem Logbuch beim Schatz selbst und online registriert.

Moderne GPS-Geräte haben eine Genauigkeit von unter einem Meter. Schlechtes Wetter, Bäume oder Berge können die Leistung allerdings beeinträchtigen. Das Gerät von Martina und Mario ist zuverlässig: Zehn Wegpunkte und etwa 4,5 Kilometer weiter sind sie am Ziel, die „Schnitzeljagd per Satellit” ist beendet. Der „Vier-Elemente-Schatz” ist in einem hohlen Baum versteckt und ohne GPS kaum zu finden.

Vorsicht „Muggel”

Die kleinen „Kostbarkeiten” in dem Schraubglas sind ein Stofftier, ein Kreisel, ein bisschen Modeschmuck, ein paar Pflaster und eine Erläuterung, dass es sich um einen Geocache handelt - für den Fall, dass zufällig doch mal ein „Muggel” den Schatz findet.

Martina tauscht den Kreisel gegen einen kleinen bunten Textmarker aus ihrem Rucksack ein. Datum, Uhrzeit, Tauschgegenstände und ihre Cacher-Namen „Lion & Aquaria” notieren die beiden im Logbuch - bevor der nächste „Muggel” vorbeijoggt, ist alles wieder sicher im Baum versteckt.

Doch nicht nur Tauschen gehört zum Spiel: Mit Nummern kodierte Kleinigkeiten oder eigens für eine „Cache-Reise” geprägte Münzen werden oft von Cache zu Cache auf die Reise geschickt. Der Besitzer kann so den Weg seiner Gegenstände verfolgen. Die Aachener Cacher-Gemeinde hat Klenkes-Münzen entworfen, die nummeriert sind und von Aachen aus auf die Reise gehen. Wer weiß, vielleicht findet der „Klenkes” auf diesem Wege bald bis nach Australien oder Neuseeland. Maria wird es jedenfalls gutheißen, sie hat immer ein freundliches Lächeln für die Geocacher, die bei ihr vorbeikommen.

Kleiner Wegweiser für Neugierige: Webadressen, Geräte, Veranstaltungen

GPS steht für „Global Positioning System” und ist ein Navigationssystem, das mit Hilfe von Satelliten exakte Standort-Koordinaten errechnet.

Einfache GPS-Geräte gibt es ab 80 Euro aufwärts, komfortable Geräte kosten zwischen 150 und 400 Euro. Mit modernen Handys, die per Bluetooth mit einer GPS-Maus verbunden werden können, ist die Navigation ebenfalls möglich.

Wer Geocaching einmal ausprobieren möchte, kann beim Verkehrsamt der Ostkantone in Eupen für fünf Euro pro Tag ein Gerät leihen (http://www.eastbelgium.com/mountainbike/de/home.php).

Die Geocacher aus der Region treffen sich alle zwei Wochen im Restaurant Bahnhofsvision (Am Bahnhof 2, Koordinaten N 50¡ 43.775 E 006¡ 10.623) in Kornelimünster zum „Oecher Cacher Treff”. Das nächste Treffen ist am Mittwoch, 20. August, um 20 Uhr. Neugierige sind willkommen.

Allgemeine Infos über Geocaching in Deutschland gibt es unter http://www.geocaching.de . Die umfangreichste Cache-Datenbank der Welt können angemeldete Nutzer unter www.geocaching.com nutzen. Wer alle Funktionen nutzen möchte, braucht allerdings einen kostenpflichtigen Zugang. Deutsche Cache-Standorte findet man kostenlos unter http://www.opencaching.de

Veranstaltungen rund ums Geocaching finden sich unter http://www.geocaching-events.de