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Hamburg: „Parlez-vous Français?”: Immer mehr kostenlose Sprachkurse im Netz

Hamburg : „Parlez-vous Français?”: Immer mehr kostenlose Sprachkurse im Netz

Beim Urlaub in Spanien, beim Meeting mit Geschäftspartnern aus Übersee - und manchmal auch beim Lesen von Bedienungsanleitungen: Wer Fremdsprachen beherrscht, ist im Vorteil.

Alle, die in der Schule nicht aufgepasst oder zu wenig gepaukt haben, können es in der Volkshochschule oder mit Lernsoftware versuchen. Oder sie nutzen eines der vielen Portale, auf denen sich kostenlos Sprachen lernen oder Sprachkenntnisse auffrischen lassen.

Meist sind die Webseiten in mindestens zwei Bereiche gegliedert: In einem erklärenden können sich die Nutzer die Grammatik mit Hilfe verschiedener Lektionen zu Gemüte führen. Und ein oder auch mehrere praktische Teile dienen dazu, das frisch Erlernte mit Hilfe von Lückentexten, Quiz-Übungen und Multiple-Choice-Tests anzuwenden. Teilweise gibt es zusätzlich Dialoge zum Anhören und Nachsprechen.

Vor einigen Jahren war das Angebot noch weitgehend auf Englisch beschränkt. Inzwischen gibt es auch eine ganze Reihe von Möglichkeiten, Französisch, Italienisch oder Spanisch zu lernen oder zu trainieren. Umfangreich angelegte Portale sind zum Beispiel http://spanisch-lehrbuch.de und das Pendant http://italienisch-lehrbuch.de.

Wer sein Französisch verbessern will, kann sich etwa an die Seiten des Fernsehsenders TV5 (http://tv5.org/TV5Site/lf/langue_francaise.php) oder auch des Radiokanals France Internationale halten (RFI - http://rfi.fr/francais/languefr/statiques/accueil_apprendre.asp): Zum Angebot zählt je ein Sprachportal. Das gilt auch für den Auftritt der britischen BBC (http://bbc.co.uk/worldservice/learningenglish). In allen drei Fällen sind aber vor allem Fortgeschrittene angesprochen, da die Seiten nur auf Französisch beziehungsweise auf Englisch gestaltet sind.

Bei den Fernsehsendern und auch bei RFI gibt es über die Lektionen hinaus Videos oder Radionachrichten, in denen speziell für Lernende langsam und verständlich gesprochen wird. Die Texte lassen sich am Bildschirm mitlesen. In Deutschland bietet der Westdeutsche Rundfunk (WRD) mit „Surfin Britain” (http://planet-schule.de/surfin-britain) eine interaktive „Sprach- und Kulturreise” an.

Ein privat betriebenes Portal ist http://englisch-hilfen.de , das in deutscher und in englischer Sprache aufgerufen werden kann. Neben Grammatik-Lektionen und Übungen bietet es einen thematisch sortierten Vokabelteil und Tests. Bei letzteren kann der Nutzer immer sofort per Mausklick kontrollieren, ob er alles richtig gemacht oder ob er im Gegenteil hier und da noch Schwächen hat.

Der Betreiber - der Englischlehrer Jörg Pöhland aus Klingenthal (Sachsen) - erweitert den werbefinanzierten Onlinekurs nach eigenen Angaben im Wochenrhythmus. „Inzwischen kommen auch viele Vorschläge und Anregungen von den Nutzern im Forum.” Der Anstoß für den Start der Webseite seien Schüler gewesen, die aufgrund von Krankheiten unterschiedlich lange Zeit nicht am Unterricht teilnehmen konnten. „Da habe ich nach und nach das Onlineangebot zum Wiederholen und Nachschlagen aufgebaut.”

Heinz-Peter Meidinger von der Vereinigung der Gymnasiallehrer, dem Deutschen Philologenverband in Berlin, sieht Portale wie das von Jörg Pöhland als „wertvolle Ergänzung zum modernen Englischunterricht”. Punkten könnten die Gratis-Onlinekurse nicht zuletzt dadurch, dass in den Übungen immer wieder aktuelle Themen aufgegriffen werden. „So aktuell kann kein Lehrbuch sein.”

Ganz ohne Lehrer, der persönlich auf den Lernenden eingeht, klappt es nach Heinz-Peter Meidingers Ansicht allerdings nicht. Das gelte für Jugendliche, die eine Fremdsprache neu lernen wollen ebenso wie für Erwachsene, die nach langer Zeit in Englisch, Französisch oder auch Spanisch wieder Fuß fassen möchten.

Andreas Beumers sieht das ähnlich. Er ist Technischer Leiter beim WebKolleg NRW, einer Einrichtung des Arbeitsministeriums Nordrhein-Westfalen, die Weiterbildungsangebote vermittelt, darunter auch Sprachkurse. Dabei wird neben Lerneinheiten im Netz in der Regel auch auf Präsenzseminare gesetzt - was laut Beumers zu einem wirklich professionellen Sprachentraining gehört.

Die Rolle der Online-Anteile sei allerdings auf keinen Fall zu unterschätzen. „Im Netz gibt es eine Vielzahl an sofortigen Anwendungs- und Kommunikationsmöglichkeiten”, sagt Andreas Beumers. Dazu gehörten Foren und Chats wie auf http://spanisch-lehrbuch.de , an denen sich auch Muttersprachler beteiligen.

Virtuelle Wörterbücher

Wer eine Sprache lernt, braucht ein Wörterbuch. Auch hier gibt es online Gratis-Angebote. Besonders bewährt hat sich LEO. Das Anklicken von http://leo.org empfiehlt sich inzwischen nicht nur für alle, die englische oder französische Vokabeln und Redewendungen nachschlagen wollen: Auch Spanisch-, Italienisch- und Chinesisch-Wörterbücher zählen zum Programm. Nützlich ist das Forum, in dem Fragen zu nicht verzeichneten Wendungen meist schnell beantwortet werden.

Ohne Forum, dafür aber mit der Möglichkeit, ein persönliches Vokabelheft anzulegen, kommt das Angebot von Wörterbuch-Verlag Pons daher. Hier lässt sich nach englischen, französischen, italienischen, spanischen und polnischen Wörtern und Wendungen suchen.