Aachen: Ohne Risiko, ohne Kosten: Freifunk will Gratis-WLAN für alle

Aachen: Ohne Risiko, ohne Kosten: Freifunk will Gratis-WLAN für alle

Wer viel im Internet unterwegs ist, weiß eine gute WLAN-Verbindung zu schätzen. Stabil, schnell, ohne Beschränkung des Datenvolumens: So macht Surfen Spaß. Geht es nach der Initiative Freifunk, soll es bald in vielen Städten Gratis-WLAN geben. Auch in Aachen.

Dort haben in den vergangenen Wochen Dutzende von Privat- und Geschäftsleuten Freifunk-Router zur öffentlichen Nutzung aufgestellt.

Klein, schwarz, leicht bedienbar: Einen WLAN-Router von Freifunk schließt man an einfach seinen eigenen an — fertig. Foto: Heckert Foto: Marc Heckert

Felix Bosseler, IT-Projektmanager aus Aachen, Ex-Pirat und Mitorganisator der regionalen Freifunk-Initiative, strahlt zufrieden. „Geplant hatten wir eigentlich bis Ende des Jahres 30 Hotspots. Jetzt sind wir schon bei fast 90.“ Router Nummer 86 wurde am Montag in den Räumen einer Kanzlei im Frankenberger Viertel angeschlossen.

Die Störerhaftung umgehen

Das neue Aachener Gratis-WLAN funkt bei Privatleuten, in Läden, Restaurants und Kneipen. „Ein Anbieter an der Trierer Straße hat seinen Router so aufgestellt, dass es an der Bushaltestelle vor seinem Haus jetzt WLAN gibt.“ Die Investitionen für den jeweiligen Betreiber: Je nach Leistung des Routers 13, 40 oder 50 Euro. Das Risiko für ihn: Null.

Aber warum überhaupt Risiko? Weil es im Juristendeutsch ein böses Wort gibt: Störerhaftung. Es bedeutet, dass derjenige, der einen Internetanschluss für andere bereitstellt, dafür haftet, wenn diese anderen darüber Rechtsverletzungen begehen. Diese weltweit praktisch einmalige Konstruktion hat dazu geführt, dass jahrelang kaum ein Cafébetreiber, Friseur oder Geschäftsmann seinen Kunden einen kostenlosen Internetzugang anbieten mochte. Zu groß schien das Risiko, dass sich ein Gastnutzer auf verbotenen Seiten herumtreiben oder illegale Inhalte herunterladen könnte. Deutsche Strafverfolgungsbehörden haben sich den Ruf erworben, dann erst einmal sämtliche Geräte des Anbieters zu beschlagnahmen und erst nach monatelanger Untersuchung zurückzugeben.

Deshalb funk(tionier)t das Freifunk-System anders. Wer mitmachen will, kauft einen Freifunk-Router, stöpselt ihn in eine Steckdose und schließt sie an den Router seines Hausnetzes. Das ausgestrahlte Freifunk-WLAN-Signal ist für jedermann kostenlos nutzbar — ohne Zugangs-Code, Zeitlimit oder Volumenbeschränkung. Der Datenverkehr fließt über eine getrennte sogenannte Tunnelverbindung, einen komplett vom Hausanschluss getrennten Kanal mit eigener IP-Adresse. „So kommen wir aus der Störerhaftung heraus“, sagt Felix Bosseler.

Offizieller Anbieter dieses Anschlusses ist der eingetragene Verein Freifunk Rheinland. Er ist inzwischen Mitglied im Providerverband RIPE und genießt — so wie auch die großen Provider wie Telekom, Unitymedia oder 1&1 — das Privileg, nicht für den Datenverkehr haftbar gemacht werden zu können, der durch seine Leitungen fließt.

Etwas Bandbreite abgeben

Der neue Freifunk-Anbieter muss nur noch entscheiden, wie viel seiner Bandbreite er maximal für seine Mitnutzer Verfügung stellen möchte. „Wer zum Beispiel einen DSL-Anschluss mit 16 MBit Bandbreite hat, könnte etwa bis zu 3 MBit bereitstellen“, erklärt Felix Bosseler. Wenn gerade kein Gast, Kunde oder Passant den freien Zugang nutzt, hat der Anbieter natürlich seine volle Bandbreite zur Verfügung, ansonsten aber niemals weniger als 13 MBit.

Die Software auf den Routern ist hochaktuell und so intelligent, dass sich mehrere benachbarte Hotspots automatisch zu einem zusammenhängenden Netz verbinden, etwa in Einkaufszentren. „Wenn man sich einmal in ein Freifunknetz eingeloggt hat, wählt sich das Handy später überall dort selbstständig ein, wo es andere Hotspots gibt“, erklärt Bosseler.

Am besten dürfte das übrigens in Paderborn funktionieren, wo es schon über 500 Spots gibt — „unser großes Vorbild“, wie Bosseler lachend sagt. Aufholen dürfte demnächst das sauerländische Arnsberg, wo die Stadtverwaltung den Netzausbau aktiv unterstützt.

In Aachen warten derzeit 150 Router darauf, angeschlossen zu werden — dank der Unterstützung des Aachener Computerhändlers Notebookkontor, der die Geräte vorfinanziert hat. „Das macht es einfacher, denn wir als Verein dürfen ja nicht mit Hardware handeln“, sagt Bosseler.

Das schnell wachsende Netz stößt auch andernorts in der Region auf großes Interesse. Im November präsentierten die Freifunker ihr System vor Vertretern von Stadtrat und Verwaltung in Düren. Auch aus Herzogenrath und Linnich wurde schon Interesse signalisiert. Das freie Funken findet Freunde.

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