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Köln: Närrisches Klicken: Karneval und Fastnacht im Netz

Köln : Närrisches Klicken: Karneval und Fastnacht im Netz

Was stellen Narren an, wenn sie gerade keine Masken und Kostüme tragen? Zumindest einige von ihnen fahren den Rechner hoch und pflegen Webseiten. Von Informationen zu den närrischen Hochburgen über historische Betrachtungen bis hin zum umfangreichen Nachschlagewerk ist im Internet jede Menge zur Fünften Jahreszeit zu finden.

Fast schon logisch ist, dass sich hinter der nächstliegenden Webadresse - www.karneval.de - ein Angebot aus Köln verbirgt. Wer während der diesjährigen Session in die Domstadt reisen will, erfährt auf der Seite alle Termine und Orte, an denen es närrisch zugeht. Informationen zu einzelnen Sitzungen fehlen ebenso wenig wie die Details zum Rosenmontagsumzug, der 2008 am 4. Februar startet - unter dem Motto „Jeschenke för Kölle uns Kulturkamelle”.

Damit Ortsfremde beim Umzug nicht versehentlich „Helau” schreien und dafür böse Blicke ernten, klicken sie unter www.karneval.de besser den Menüpunkt „Typisch Kölsch” an. Hier lernen sie nicht nur, was der Ruf „Kölle Alaaf” bedeutet - „Köln allein”: Das Lexikon umfasst noch mehr als 100 weitere Karnevalsbegriffe. Darüber hinaus gibt es eine Sammlung Kölscher Redensarten und einen Podcast, in dem altgediente Karnevalisten aus der Domstadt zu Wort kommen.

Während das Web-Angebot der „Konkurrenz” von einem Geldinstitut betrieben wird, haben die Narren von der anderen Rheinseite das Heft selbst in die Hand genommen: Die Webseite www.karneval-in-duesseldorf.de wird vom Comitee Düsseldorfer Karneval betrieben. Auch hier gibt es die aktuellen Termine und viel Hintergrundwissen.

Dazu gehört beispielsweise eine Liste mit den Mottos der Sessionen seit 1929. Jenes für 2008 lautet ein wenig überraschend: „Mer kann och alles öwerdriewe!” - man kann auch alles übertreiben.

Ein weiterer wichtiger Punkt im anklickbaren „ABC” ist der „Hoppeditz”. Er ist eine Symbolfigur des Düsseldorfer Karnevals, die immer am 11.11. aus einem Sarg geholt und an Aschermittwoch verbrannt wird.

Rau geht es mitunter auch in einer anderen närrischen Hochburg zu: bei der alemannischen Fasnet, von der sich Internetnutzer unter www.fasnet.de ein Bild machen können. In einer Galerie sind zahlreiche Fotos von Narren mit schaurigen Holzmasken zu sehen, die in Deutschlands Südwesten ihr Unwesen treiben. In einem Kalender sind Veranstaltungen verzeichnet. Ebenso wie in Köln oder Düsseldorf beginnt das närrische Treiben lange vor dem Tag der Altweiberfastnacht - hier „Schmotziger Dunschtig” genannt.

Karneval oder Fastnacht wird aber nicht nur in Köln, Düsseldorf, Mainz - mehr dazu etwa unter www.mainzer-fastnacht.de - oder im Südwesten gefeiert. Wer das nicht glaubt, kann sich unter www.marktplatz-karneval.de eines Besseren belehren lassen. Auf der Seite finden sich Links zu närrischen Verbänden aus allen Bundesländern außer Bremen. Selbst zwischen Hamburg und Kiel gibt es weit mehr als nur eine Handvoll Veranstaltungen. Nachzulesen ist das wiederum auf der Website des Norddeutschen Karneval-Verbandes unter www.karnevalnorddeutschland.de.

Ob aus dem Norden oder dem Rheinland: Besonders viel karnevalistisches Wissen haben die Betreiber von www.narrenwiki.de zusammengetragen. Die nach dem Wikipedia-Prinzip aufgebaute „freie Enzyklopädie für Narren und Interessierte” wächst stetig: Jeder angemeldete Nutzer kann Beiträge verfassen. Dabei sollte er aber immer an die Nennung von Quellen denken, sonst wird sein Artikel unter Umständen von einem anderen Nutzer schnell wieder gelöscht.

Grob geordnet ist das Narrenwiki nach Oberbegriffen wie „Schwäbisch-Alemannische Fasnacht”, „Rheinischer Karneval” oder auch „Musik und Tanz”. Unter letzterem erfahren Interessierte zum Beispiel, was unter Guggenmusik zu verstehen ist: Musik von Kapellen, die mit teils selbst gebauten Blechinstrumenten unterwegs sind - und die sich dementsprechend mitunter recht schräg anhört.

Beliebt ist die Guggenmusik zum Beispiel in der Schweiz. Dem Karneval der Eidgenossen wird unter www.narrenwiki.de ebenso wie jenem aus Österreich und Belgien jeweils ein eigenes Portal gewidmet. Wer weniger gezielt suchen, sondern sich einfach treiben lassen möchte, kann den Menüpunkt „Zufälliger Artikel” anklicken - und erfährt dann mehr über Karnevalsorden, über die Konstanzer Blätzlebuebe-Zunft oder auch über den Karneval in Venedig.