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München: Multifunktionale Leisetreter: Wofür sich Media-Center-PCs eignen

München : Multifunktionale Leisetreter: Wofür sich Media-Center-PCs eignen

Die Idee ist gar nicht so schlecht: Musik, Fotos und Filme werden auf einem Computer im Wohnzimmer gespeichert, der gleichzeitig einen Zugang ins Internet ermöglicht und Spiele bietet. Doch wer seinen neuen Media-Center-PC nicht nach zwei Wochen frustriert ins Arbeitszimmer verbannen möchte, sollte seine Erwartungshaltung überprüfen und beim Kauf auf Details achten.

„Media-Center-PC sollen Unterhaltungselektronik ersetzen”, erklärt Michael Schmelzle von der „PC-Welt”. Ein Media-Center unterscheidet sich von einem herkömmlichen PC dadurch, dass er eine intuitiv zu bedienende Benutzeroberfläche hat. Schließlich soll das Gerät ja bequem von der Couch mit der Fernbedienung gesteuert werden können.

So kommt in den meisten Geräten eine spezielle Variante von Microsofts Windows XP zum Einsatz. Auch zu Vista, der nächsten Windows-Version, soll es die so genannte Windows Media Center Edition geben. Jeder große PC-Hersteller hat zumindest einen Stubenrechner im Programm, der mit Preisen ab 1000 Euro teurer ist als durchschnittliche für den Schreibtisch gedachte Computer.

Moderne Media-Center-PC sind dafür optisch von einem DVD-Rekorder oder ähnlicher Unterhaltungselektronik kaum noch zu unterscheiden. Ein Beispiel dafür ist der Aspire iDea 500 von Acer. Ausgerüstet mit Core Duo Prozessor von Intel, 1024 Megabyte Arbeitsspeicher, 250 Gigabyte großer SATA-Festplatte, WLAN und HDMI-Schnittstelle braucht sich dieses Gerät vor reinen PCs aktuellen Leistungsstandes nicht verstecken. Ein ähnliches Gerät hat Philips auf den Markt gebracht.

Das Showline Media Center MCP9360i besitzt unter anderem eine DVI-Schnittstelle für den Transport digitaler Daten zum Fernseher. Anfang 2007 soll ein Modell mit Blu-ray-Laufwerk folgen. Fujitsu Siemens hat neben dem Scaleo EV, einem Media-Center-Modell, das alle Funktionen eines PCs bietet, die Activy-Media-Center-Serie im Programm. Auch in diesen Geräten steckt PC-Technik und ein Microsoft-Betriebssystem.

Letzteres bekommt der Anwender jedoch nicht zu sehen, weil der Hersteller für die Benutzeroberfläche eigene Software einsetzt. „Die Nutzung soll dadurch leichter und sicherer sein”, sagt Pressesprecher Lothar Lechtenberg. Dafür ist es allerdings nicht möglich, selbst Programme zu installieren.

Auch der Weg ins Internet ist eingeschränkt. Und dann sind da noch die beiden Chiphersteller Intel und AMD. Sie statten Media-Center-Geräte mit ausgesuchten Komponenten aus und wollen so den Endverbraucher zum Kauf ihrer Technik bewegen. Taktfrequenzen oder Angaben über die verwendeten Standards kommen nur noch im Kleingedruckten vor.

Stattdessen sollen markige Werbesprüche und Logos klarmachen: „Mit diesem Produkt holst du dir die bunte Welt der Unterhaltung von deinem PC ins Wohnzimmer.” Mit „Viiv”, sprich „Weif”, will Intel in die gute Stube. „Viiv” stehe für Unterhaltung, so Intels PR-Mann Martin Strobel in München. „Der Rechner hat alle Funktionen.”

Die Hardware ist jedoch so ausgesucht, dass sie den Rechner nach den Vorstellungen von Intel zu einer möglichst guten Entertainment-Maschine macht. Hinzu kommen bestimmte Netzwerkkomponenten und ein Chipsatz, der es erlaubt, eine HDMI-Schnittstelle einzusetzen. Letztere wird benötigt, um hochauflösendes Videomaterial vom Rechner auf den Bildschirm übertragen zu können.

Eine ähnliche Strategie verfolgt der zweitgrößte Prozessorhersteller AMD mit „AMD Live!”: „Wir sind aber der Meinung, dass der PC gar nicht im Wohnzimmer stehen muss”, sagt Stephan Schwolow, AMD-Pressesprecher in München. Stattdessen versucht das Unternehmen unter dem Titel AMD Live! sich mit anderen Herstellern auf eine Sammlung von Standards zu einigen, deren Verwendung die Heimvernetzung mit dem PC als Mittelpunkt erleichtern soll. Und in diesem PC steckt dann natürlich ein Chip von AMD.

Laut Michael Schmelzle von der „PC-Welt” sollten Käufer aber nicht allzu viel auf „Viiv” und „Live!” geben. „Das sind vor allem Marketingkonzepte”, meint der Experte. Notwendig, damit ein Media-Center seinen Job macht, seien sie nicht. Wichtiger sei es, darauf zu achten, dass der Rechner mit einem Doppelkernprozessor, also Dual oder Duo Core Chip, ausgestattet ist. Auf diese Ausstattung legen auch Intel und AMD bei MediaCenter-PCs Wert.

Auf jeden Fall sollte der Media-Center-PC vor dem Kauf ausprobiert werden. „Auch unter Last”, rät Michael Schmelzle von der „PC-Welt”. Dabei ist es besonders wichtig, auf die Lautstärke zu achten. Denn ein lärmender Rechner im Wohnzimmer nervt. Werte unter einem Sone seien in Ordnung, so Schmelzle. Allerdings geben die meisten Hersteller die Lautstärke ihrer Geräte in dBA an. „Das lässt sich nicht so einfach umrechnen”, sagt Schmelzle.

Einer Faustregel folgend sei ein Wert unter 30 dBA aber annehmbar. Da ein Media-Center-PC auch Speicher für Filme sein soll, darf die Kapazität der Festplatte nicht zu sparsam bemessen sein. Das Minimum sind Schmelzle zufolge 250 Gigabyte. Am besten sei ein so genanntes Raidsystem, also ein Rechner mit mehreren Festplatten. Damit kann der Zugriff auf die Daten beschleunigt werden. Oder man nutzt es für mehr Sicherheit und spiegelt die Daten.

Beim Einsatz eines so genannten Digital Media Adapters (DMA) erübrigt sich die Verwendung eines Media-Center-PCs. Stattdessen kann ein herkömmlicher, aber leistungsstarker PC mit normalem Betriebssystem genutzt werden. Denn statt auf Windows MCE greift der Nutzer auf seine Daten über die Bedieneroberflächer der Settop-Box zu, die auf dem Fernseher dargestellt wird.