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Berlin/München: Mobiler Zwerg für Heim und Ranzen

Berlin/München : Mobiler Zwerg für Heim und Ranzen

Einschlagen wie der iPod wird er wohl nicht. Der EeePC könnte aber den ohnehin brummenden Markt der Notebooks noch einmal mehr in Fahrt bringen. Der Minilaptop mit den Abmessungen eines etwas zu groß geratenen Taschenbuches wird ab Ende Januar von Hersteller Asus zum Preis von 299 Euro auch in Deutschland angeboten.

Ähnlich kleine Geräte, wenn auch besser ausgestattet, waren bislang nur für wesentlich mehr Geld zu haben. Eigentlich sollte das Subnotebook auf Linuxbasis schon im Dezember in Deutschland zu kaufen sein. Asus verschob den Marktstart des kleinen Familiencomputers jedoch mehrmals. Vermasseltes Weihnachtsgeschäft? Nein findet Asus, denn dank seines niedrigen Preises hat das mobile Gerät auch ohne den Weihnachtsmann das Zeug zum Kassenschlager. Hemmschuh ist jedoch der deutlich zu klein geratene Massenspeicher.

„Ich denke, das wird auch jetzt noch der Renner”, glaubt Thomas Rau, Ressortleiter Hardware der Zeitschrift „PC Welt”. Denn zum einen seien „300 Euro einfach keine große Investition mehr”, immerhin falle für ein vernünftiges, aber größeres Alternativnotebook derzeit mindestens das Doppelte an. Zum anderen sei der EeePC „ideal für Internet, E-Mail und den schnellen Text unterwegs”. Er ist davon überzeugt, dass der EeePC „einer der bestimmenden Trends 2008 im Mobility-Bereich” wird.

Ohne größeren Massenspeicher wird der kleine Rechner ein vollwertiges Notebook wohl so schnell aber nicht ersetzen können: Magere vier Gigabyte weist der Flashspeicher auf, von denen allein das Betriebssystem und die ab Werk aufgespielte Software dem Benutzer nur noch rund 1,4 Gigabyte übrig lassen. „Das reicht gerade einmal für zwei Spielfilme im Divx-Format”, sagt Rau. „Eine Video- oder MP3-Sammlung können Sie da nicht anlegen.” Dafür kommt der Media-Player des EeePC mit gängigen Formaten wie Divx, DVD, MP3, VCD, WMV oder WAV ohne Murren zurecht.

Über einen Einschub für MMC- und SD-Speicherkarten kann das Klein-Notebook um etliche Gigabytes Speicher erweitert werden. Wer aber eine DVD einlegen möchte, der muss auf ein externes optisches Laufwerk zurückgreifen. Eingebüßt wird spätestens dann an Mobilität und Preisvorteil.

Gewöhnungsbedürftig sind vor allem die kleine Tastatur des lediglich 255 mal 165 mal 35 Millimeter messenden Geräts und das Sieben-Zoll-Display. „Für die berufliche Nutzung würde ich vom Kauf abraten”, sagt Kraus. Dagegen könnten Verbraucher „die Alltagsarbeit aber wunderbar erledigen”. Der EeePC lässt sich für Voice over IP (etwa zum „skypen”), als W-Lan-Radio oder erster Computer für Kinderzimmer oder Schulranzen nutzen. Im Deckel eingebaut sind eine 0,3-Megapixel-Kamera und zwei Lautsprecher.

Ins Internet gelangt man entweder über ein W-Lan oder per Kabel über den 10/100-MBit-Netzwerkanschluss. Weitere Schnittstellen sind drei USB-2-, eine VGA-Out-Buchse für externe Bildschirme sowie je eine Buchse für Kopfhörer und Mikrofon. Vorinstalliert ist die Open Office Software-Suite.

Bedienen lässt sich der Rechner intuitiv. Anhand der sechs virtuellen Karteikartenreiter mit den Bezeichnungen Internet, Work, Learn, Play, Settings und Favorites (mit den entsprechenden Übersetzungen für die deutsche Version) werden sich auch Kinder, die Asus explizit zur Zielgruppe zählt, und eigentlich an Windows-Systeme gewöhnte Nutzer schnell zurechtfinden.

Der Akku hält bei normalem Arbeiten gut drei, wird ein Film geschaut, etwa zwei Stunden. Die Verarbeitung des Plastikgehäuses könnte besser sein, angesichts des Preises ist das zu verschmerzen. „Wenn es ein Kind ein Jahr in der Mache hat, wird das Gerät leiden”, ist Rau überzeugt. Dass das Kind selbst etwa durch das Spielen gewaltverherrlichender Ego-Shooter selbst Schaden nimmt, kann dagegen ausgeschlossen werden. Die rechenaufwendigen Spiele laufen auf dem EeePC schlicht nicht. Dafür kann im alten Jump-and-Run-Stil mit einem Pinguin bäuchlings eine Schneepiste bewältigt werden.

Noch bevor der Rechner in Deutschland auf dem Markt ist, plant Asus schon eine Neuauflage mit Zehn-Zoll-Display und größerem Speicher, wie Rau weiß. Laut „PC Welt” soll der dann auch Wimax unterstützen, das Breitband-Zugänge via Funknetz ermöglicht, und deutlich weniger Strom verbrauchen. Für den Experten hat der EeePC aber gerade in seiner jetzigen Form die Branche aufgerüttelt: „Dass Asus einen völlig neuen Preisbereich eröffnet hat, das ist der Meilenstein, um den es geht. Die großen Hersteller wie HP oder Dell wollen in die Richtung dieses Preispunktes.” Und aus Taiwan seien schon bald Kopien des Formfaktors á la EeePC zu erwarten. „Man wird in nächster Zeit viel sehen, auch von bekannten Herstellern”, sagt Rau.

Spezifikation und Ausstattung

Zur Markteinführung in Deutschland, voraussichtlich ab der vierten oder fünften Kalenderwoche 2008, ist der EeePC in den Farben Schwarz und Weiß verfügbar. In den USA und Taiwan ist er bereits zu kaufen - auch in Rosa, Lindgrün und Himmelblau. Zum Lieferumfang gehören Netzteil, Schutztasche, Handbuch und Treiber-CD für Windows XP. 2008 will Asus weltweit drei bis fünf Millionen Stück absetzen.