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Stuttgart: Mitbewohner per Mausklick: Tipps für die WG-Suche im Web

Stuttgart : Mitbewohner per Mausklick: Tipps für die WG-Suche im Web

Wer nicht mehr zu Hause und noch nicht alleine wohnen will, für den ist eine Wohngemeinschaft oft das Richtige. Die gemeinsame Wohnung ist für Studenten und Berufsanfänger nicht nur billiger, sondern auch geselliger. Neulinge finden so schneller Anschluss und müssen sich nicht alleine um den Haushalt kümmern.

Eine passende WG zu finden, ist oft aber nicht einfach: Schließlich müssen nicht nur Preis, Größe und Lage der Wohnung stimmen - auch mit den Mitbewohnern sollten WG-Mieter sich verstehen. Das Internet kann dabei eine Hilfe sein: Es macht die Zimmersuche leichter und komfortabler. Nutzer sollten sich aber vor unseriösen Angeboten in Acht nehmen.

„Bei Online-Anzeigen können WG-Suchende sich oft auch Fotos der Wohnung anschauen - so erhalten sie gleich einen besseren Einblick”, sagt Ly Mende aus Stuttgart, Sprecher der Seite „WG-gesucht.de”.

Auch lasse sich die Lage der Wohnung per Mausklick auf dem Stadtplan anzeigen. Zudem helfe die Technik dabei, schneller passende Zimmerangebote zu finden. Ein Suchagent benachrichtige Nutzer automatisch über neue Anzeigen, die ihren Vorgaben entsprechen. So müssten sie die Annoncen nicht jeden Tag selbst durchgehen.

„Im Internet lässt sich gezielter suchen - dadurch ist es einfacher, etwas Passendes zu finden”, sagt Torsten Weigelt vom Allgemeinen Studentenausschuss (AStA) der Universität Hamburg, die unter www.campus-hamburg.de eine Wohnbörse für WGs anbietet. Studenten könnten schnell Anschluss am neuen Studienort finden, indem sie sich etwa mit Hochschülern aus ähnlichen Fachbereichen zusammentun.

Aber auch für Musiker gebe es Motto-WGs, in denen Instrumente ausdrücklich erlaubt sind. Beliebt seien auch „Tandem-WGs” mit Mitbewohnern aus verschiedenen Sprachräumen - neben einem Putzplan gebe es hier auch einen Kalender, auf dem etwa „Heute spanisch sprechen” steht.

Zudem können Surfer auf WG-Portalen nicht nur Zimmer finden, sondern auch neue Mitbewohner. Ähnlich wie bei Kontaktanzeigen präsentieren sich WG-Kandidaten auf Seiten wie „Easy-WG.de” mit einem Foto und zeigen sich in einer Selbstbeschreibung von ihrer besten Seite. Die Angaben reichen von Alter und Geschlecht über Hobbys bis zur persönlichen Lebenseinstellung.

„Das hat teilweise schon regelrechten Casting-Charakter”, sagt Mende. Schließlich müsse bei einem neuen Mitbewohner auch die Chemie stimmen, wenn es sich nicht um eine reine Zweck-WG handelt. Durch die Vorauswahl im Internet ließen sich langwierige Vorstellungsrunden und Kennenlern-Gespräche sparen. Auch scheiden so manche Kandidaten von vornherein aus, wenn sie etwa rauchen oder Haustiere besitzen.

Während der Großteil der WG-Portale kostenlos ist, gibt es auch einige kommerzielle Anbieter auf dem Markt. Seiten wie „Easy-WG.de” oder „WG-Klick.de” verlangen rund 15 Euro im Monat dafür, dass Nutzer die Kontaktdaten ihrer Anzeigen einsehen können. Oft sind dieselben Angaben auf anderen Seiten aber auch umsonst zu finden.

Zudem müssen sich WG-Suchende vor unseriösen Angeboten im Netz in Acht nehmen. „Biete kostenlose Wohnmöglichkeit für eine junge Frau aus Asien”, heißt es etwa in einer Anzeige auf der Seite www.mitbewohnercasting.de. Die meisten Portale setzen dabei auf die Wachsamkeit der Nutzer - diese finden häufig einen Link, über den sich zweifelhafte Zimmerofferten wie die genannte melden lassen.

Grundsätzlich sollten Nutzer mit der Preisgabe allzu persönlicher Informationen auf WG-Seiten vorsichtig sein, warnt Matthias Gärtner vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik in Bonn. Im Internet könne in der Regel jedermann auf die Daten zugreifen - private Fotos etwa könnten so leicht in falsche Hände geraten.

Auch sollten sich WG-Suchende nicht nur auf den Eindruck einer Internet-Anzeige verlassen, wenn sie etwa in einer anderen Stadt ein Zimmer benötigen, rät Hans Jörg Depel vom Mieterverein Köln. Sonst könne es passieren, dass Fotos und Beschreibung der Online-Anzeige hinterher nicht dem Angebot entsprechen.

Wer vorab etwa für ein Praktikum ein Zimmer zur Zwischenmiete anmietet, habe oft schlechte Karten, wenn es Grund zur Beanstandung gibt. Dabei sei es ratsam, Online-Anzeigen stets abzuspeichern, um hinterher einen Beleg zu haben. Auch sollten Mieter die Kosten vertraglich festhalten.

Gänzlich ersetzen könne das Internet die Besichtigung vor Ort eben nicht, erklärt Weigelt. Ob die Mitbewohner sympathisch sind und man sich in der WG wohl fühlt, lasse sich bei einem persönlichen Besuch am besten entscheiden. Gerade beim Thema Ordnung klafften Anspruch und Wirklichkeit bei vielen WG-Suchenden auseinander.

Ein Blick in die WG-Küche könne daher nicht schaden, um zu prüfen, ob der Spülberg zu groß oder der Putzplan zu streng erscheint.