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Berlin: Mit Check-in-Diensten auf die Online-Karte

Berlin : Mit Check-in-Diensten auf die Online-Karte

Wenn Freunde wissen, wo man gerade ist, kann das manchmal ganz nützlich sein. Einmal saß er stundenlang an einem Flughafen fest, erzählt der Amerikaner Damien Patton. Erst später erfuhr er, dass ein Freund ganz in der Nähe war und sie sich hätten treffen können.

Das frustrierende Erlebnis brachte den einstigen Rennmechaniker Patton darauf, die App „Banjo” zu starten, die Standort-Anmeldungen aus Diensten wie Foursquare oder Twitter auf einer Karte anzeigt.

Vor ein paar Jahren noch brachte man den Begriff „Check-in” eher mit dem Flughafen-Schalter oder einem Hotel in Verbindung - bis Online-Dienste wie Foursquare auftauchten. Die Idee ist simpel: Der Nutzer meldet sich an dem Ort an, wo er gerade ist. Und sein Bekanntenkreis bekommt das als Kurzmitteilung oder auf einem Stadtplan zu sehen. So können sich etwa Freunde spontan treffen, sie sich sonst wie im Fall von Damien Patton verpasst.

Ein Pionier der „Check-in”-Dienste ist das 2009 gestartete New Yorker Unternehmen Foursquare. Um die Nutzer anzuspornen, ließ sich Gründer Dennis Crowley eine spielerische Komponente einfallen. Für jeden Check-in gibt es Punkte, man kann sich sogenannte „Badges” - Abzeichen wie etwa bei den Pfadfindern - verdienen. Und wer besonders oft an einem Ort eincheckt, wird zum dortigen „Mayor” („Bürgermeister”) erklärt. Der Dienst ist konsequent auf die mobile Nutzung per Smartphone ausgerichtet, sich irgendwo vom Desktop aus anmelden kann man nicht.

„Es klingt verrückt, aber die Leute sind zu ziemlich Vielem bereit, um diese Badges zu bekommen”, sagt Crowley. Etwa, mehrere Tage die Woche ein Fitness-Studio zu besuchen, oder für das „9 to 5”-Abzeichen regelmäßig im Büro einzuchecken. Das Schlüsselelement der Foursquare-Strategie ist aber die „Mayor”-Idee. Restaurants oder Geschäfte können dem „Bürgermeister” Vergünstigungen wie ein kostenloses Getränk oder Bedienung außer der Reihe anbieten.

Im Gegenzug bekommen die Firmen - wenn die Nutzer dem zustimmen - über Foursquare wertvolle Daten zum Verhalten ihrer Kunden: Zum Beispiel, wann und wie oft sie kommen, ob es Ausreißer nach oben oder nach unten bei bestimmten Angeboten gibt. „Manche Geschäfte wollen auch von uns gewarnt werden, wenn ein Stammkunde bei ihnen eincheckt, damit sie ihn besser bedienen können”, betont Crowley.

Das Konzept scheint bei den Verbrauchern anzukommen: Die Zahl der Foursquare-Nutzer sprang von sechs Millionen im Februar auf zuletzt zehn Millionen. Verglichen mit den geschätzten bis zu 700 Millionen Mitgliedern des weltgrößten Online-Netzwerks Facebook ist das New Yorker Startup aber immer noch ein Zwerg. Facebook startete seinen Foursquare-Konkurrenten Places im vergangenen Jahr, will dabei aber ganz ohne die Badges und Punkte auskommen. Über Facebook Deals kann man aber auch Schnäppchen in der Nähe nachjagen.

Die Check-in-Dienste setzen viel Offenheit der Nutzer voraus - und das bereitet deutschen Datenschützern Sorgen. „Das ist im Prinzip eine Risikotechnologie für das Persönlichkeitsrecht”, sagt etwa Johannes Caspar, der in Hamburg für den Internet-Konzern Google zuständig ist und auch Gespräche mit Facebook führt.

Bei Facebook Places stört sich Caspar besonders daran, dass Nutzer auch ihre Freunde aus dem Online-Netzwerk ungefragt am aktuellen Aufenthaltsort mit-einchecken können. „In dem Moment, wo ich der Welt über Facebook mitteile, mit wem ich mich in meinem Apartment befinde, laufe ich Gefahr, Persönlichkeitsrechte Dritter zu verletzen.” Außerdem seien die Einstellungen, mit denen man bestimmt, wer den Aufenthaltsort sehen kann, relativ schwer zu finden, findet Caspar. „Es ist für Nutzer problematisch, sich da durchzuwurschteln.”

Trotz aller Bedenken sorgt das Interesse der Nutzer dafür, dass der Wettbewerb im Check-in-Geschäft immer schärfer wird. Die Standort-Angabe ist auch ein Element des Dienstes Google+, mit dem der Suchmaschinen-Riese Facebook Konkurrenz machen will. Google war mit seinem Dienst Latitude zwar unter den Pionieren der ortsbezogenen Dienste (Location Based Services). Das anfängliche Prinzip von Latitude war jedoch die permanente Anzeige des Aufenthaltsorts, was die Akkus der Telefone schnell leersaugte.

Foursquare denkt unterdessen über die Weiterentwicklung des Dienstes nach, um den übermächtigen Rivalen Paroli bieten zu können. „Es ist eigentlich ganz schön lästig, immer überall per Hand einzuchecken, ist das Lästigste daran”, sagt Crowley. Die Zukunft gehöre voll- oder halbautomatischen Anmeldungen - möglicherweise mit Hilfe der Funktechnik NFC, die auch bei mobilen Bezahldiensten zum Einsatz kommt.