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Köln: Mit 69 im virtuellen Pilotensitz: Senioren stehen auf Computerspiele

Köln : Mit 69 im virtuellen Pilotensitz: Senioren stehen auf Computerspiele

Peter Niehl (69) kennt sich aus mit Computern. Der pensionierte Lehrer aus Köln kaufte sich den ersten, als er bereits über 50 war. Jetzt sitzt er vor seinem sechsten oder siebten Rechner, der immer dem neuesten Stand der Technik entspricht.

Wenn seine längst erwachsene Tochter PC-Schwierigkeiten hat, reist er mit seiner Diagnose-Software an. Mit seinen drei Enkeln spielt er am Computer Zoo- und Piratenspiele.

Er selbst mag den „Flugsimulator” am liebsten. Dabei muss er ein virtuelles Flugzeug sicher landen. Das Spiel verwendet eine Software, die laut Herstellerfirma auch in der Pilotenausbildung benutzt wird: „Was meinen Sie, wie oft ich schon abgestürzt bin”, sagt Niehl lachend.

Er gehört zu der stetig wachsenden Gruppe der „Silver Gamers”, der über 50-Jährigen, die den Computer als Hobby entdecken. Laut einer Erhebung des Branchenverbands BITKOM, des Bundesverbands Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien, spielt bereits jeder zehnte Deutsche jenseits der 50 PC- und Videospiele. Damit machen sie 13 Prozent der deutschen Computerspieler aus - mit deutlich steigender Tendenz.

Der demografische Wandel wirkt sich auch auf den digitalen Unterhaltungsmarkt aus. So wollen Software-Hersteller künftig noch mehr auf die Bedürfnisse älterer Nutzer eingehen, deren Marktanteil in Zukunft noch deutlich zunehmen wird. Die Zeiten, in denen das Spielen am Computer gesellschaftlich verpönt war, sind offenbar vorbei: „Gaming ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen”, zeigt sich der Verband BITKOM überzeugt.

„Wenn bei Senioren erst einmal Interesse an Computern geweckt ist, dann kommt auch schnell die Freude an anspruchsvolleren Spielen”, sagt Jürgen Bewilogua, Leiter des Bildungszentrums „Aktives Alter- Neue Medien” in Leipzig. Viele der Senioren in seinem Zentrum fangen mit „Solitär” oder „Hearts” an - Spielen, die schon auf dem Computer installiert sind - und wechseln dann zu Schach oder Skat über.

Einigen geht es um Wissenserwerb, andere wollen ihr Gedächtnis schulen oder über die Bedienung der Computermaus die Feinmotorik trainieren. „Der Umgang mit dem Computer gehört heute zu den Kulturtechniken wie Lesen und Schreiben”, sagt Bewilogua.

Eine Umfrage unter den Nutzern des Seniorenportals feierabend.de ergab, dass bei den PC-Spielen die Strategie-, Brett- und Denkspiele am populärsten sind (rund 64 Prozent), gefolgt von Quiz- und Lernspielen (57 Prozent) sowie Geschicklichkeitsspielen (48 Prozent). 70 Prozent der Senioren spielen vor allem zum Spaß. 60 Prozent hoffen, damit nebenbei auch noch etwas für ihre geistige Fitness zu tun.

Auch in Seniorenwohnheime ziehen Computerspiele ein. Ein Beispiel ist das städtische Seniorenzentrum in Köln-Riehl. Dort ließ man sich vom Computerprojekt Köln, einem medienpädagogischen Verein, und einigen dort engagierten Jugendlichen helfen. Die Jungen zeigten den Alten, wies geht - und alle hatten Spaß dabei. „Das ist eine ganz tolle Sache und bringt Jung und Alt zusammen”, schwärmt Koordinator Christoph Schmitt. Mehr als hundert Senioren nahmen teil.

Gute Erfahrungen hat das Seniorenzentrum auch mit wii-Konsolen gemacht. Tennis, Golf oder Bowling, das alles ist bei wii am Bildschirm möglich. Die Spieler schwingen dazu etwa beim Bowling den drahtlosen „Controller” wie eine Bowlingkugel in der Hand und drücken zum Abwurf auf einen Knopf. Auf einem Bildschirm rollt die Kugel dann über die Bahn. „Bowling kennen viele Senioren aus ihrer aktiven Phase”, erläutert Schmitt. An der Konsole können sogar Rollstuhlfahrer das Spiel wieder aufnehmen. Ins Schwitzen kommt man da zwar nicht mehr, aber es fördert Konzentration und Motorik.

Die Riehler Senioren nahmen sogar an der wii-Seniorenmeisterschaft im Bowling teil und wurden Bundessieger. „Die waren unheimlich gut”, bestätigt Josef Kiener, der zusammen mit seinem Freund Markus Deindl die Meisterschaft ins Leben gerufen hat.

Während eines Uniprojektes kamen die beiden Münchner Studenten der Sozialarbeit auf die Idee, wii und Senioren zusammenzubringen. Es läuft immer gleich ab, erzählt Kiener: „Am Anfang sitzen die Senioren etwas hilflos da und sagen: Computer, aber das kann ich doch nicht.” Aber schon nach der Proberunde seien alle begeistert dabei: „Selbst Demenzkranke oder Leute, die nur auf ihren Zimmern hocken, werden so wieder ins Boot geholt.”