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London: Mikrochips zum Aufspüren entführter Menschen kaum wirksam

London : Mikrochips zum Aufspüren entführter Menschen kaum wirksam

Aus Angst vor Entführungen lassen sich immer mehr reiche Mexikaner Mikrochips einpflanzen, die im Notfall eine Ortung erleichtern sollen. Experten kritisieren, dass die Chips allein nicht helfen und nur Geschäftemacherei seien.

Das mittelamerikanische Land gehört zu den Nationen mit den meisten Entführungsfällen der Welt. Zwischen 2004 und 2007 ist die Kidnapping-Rate in Mexiko laut offiziellen Statistiken um 40 Prozent gestiegen.

Von der Angst der Bürger profitiert unter anderem das Sicherheits-Unternehmen Xega. Allein in diesem Jahr wurden laut dem Magazin „New Scientist” 13 Prozent mehr Mikrochips verkauft, die unter der Haut implantiert werden und das Aufspüren des Chip-Trägers gewährleisten sollen. Rund 4000 US-Dollar kostet das Implantieren eines solchen Chips, zuzüglich einer Jahresgebühr von jeweils 2000 US-Dollar.

Die etwa reiskorngroßen Chips werden meist an den Armen der Träger zwischen Haut und Muskeln mit einer speziellen Nadel injiziert und sollen von außen unsichtbar sein. Zum Aufspüren einer entführten Person reicht ein solcher Mikrochip aber offenbar nicht aus. Das elektronische Bauteil kommuniziert mit einer GPS-Einheit, die der Besitzer bei sich haben muss. Fühlt sich die Person bedroht, kann sie einen „Panikknopf” an der GPS-Einheit betätigen. Diese teilt Xega umgehend die aktuelle Position des Trägers mit.

Kritiker werfen dem Unternehmen nun vor, mit den teuren und unnötigen Implantaten Geschäfte zu machen, denn die GPS-Einheit würde auch ohne die Mikrochips unter der Haut der Träger funktionieren. Würde einem Opfer von den Entführern das GPS-Gerät weggenommen, würde der implantierte Chip zudem allein nicht ausreichen, um die Person zu lokalisieren. Darauf weist unter anderem die US-Datenschützerin Katherine Albrecht hin.