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Berlin/Worms: Messerscharf im Dunkeln: Full-HD-Projektoren werden erschwinglich

Berlin/Worms : Messerscharf im Dunkeln: Full-HD-Projektoren werden erschwinglich

Gute Zeiten für Heimcineasten: Gestochen scharfe Bilder aus einem Projektor - das gab es bis vor einigen Jahren nur für den großen Geldbeutel jenseits von 10.000 Euro. Mittlerweile aber wird das große Kino für die eigenen vier Wände erschwinglich.

Die ersten Full-HD-Beamer haben im Sinkflug die 2000-Euro-Marke geknackt und mausern sich damit zu einer Alternative zu den großen Plasma- und LCD-Fernsehern. Einen Haken gibt es allerdings: Für sattes Schwarz und feinste Strukturen muss das Video-Vergnügen im Dunkeln stattfinden. Nur dort kann Full HD seine Trümpfe voll ausspielen.

„Je heller die Umgebung ist, desto unwichtiger ist die Qualität”, sagt Experte Raphael Vogt von der Zeitschrift „Video-Magazin”. Heißt im Klartext: Wer sich nicht nachts oder bei zugezogenen Vorhängen verschanzt, für den reicht womöglich auch ein günstigeres Gerät der Vorgängergeneration oder eines mit einem vergleichsweise schlechten Schwarzwert. Denn je mehr Restlicht, desto weniger muss der Beamer sattes Schwarz liefern können. Vogt betont: „Wenn ich allerdings ein sehr großes Bild projiziere und vergleichsweise dicht am Bild sitze, dann macht Full HD allein wegen der hohen Auflösung Sinn.”

Wenig Sinn machen Spontankäufe. „Am Anfang steht die Bedarfsanalyse und damit der Griff zum Zollstock”, mahnt der Experte. Der Raum, in dem der Projektor installiert werden soll, muss ausgemessen werden, um Fragen wie diese zu beantworten: Wie weit ist der Abstand zwischen Beamer und Leinwand? Wie groß kann das Bild an diese geworfen werden? In welcher Höhe kann der Projektor angebracht werden?

Erst dann könne entschieden werden, ob etwa ein Modell mit Tele- oder Weitwinkelobjektiv in Betracht komme. Um alle individuellen Bedürfnisse zu klären, empfiehlt Vogt das Beratungsgespräch beim Fachhändler. Vom überstürzten Kauf eines vermeintlich bestens geeigneten Testsiegers rät er ab.

Auf Testberichte angewiesen ist der Kunde allerdings beim Thema Kontrast. Hersteller geben die Werte oft in Verhältnissen wie 15.000:1 oder 11.000:1 an. „Diese Angaben sind reine Fantasiewerte, weil die Messbedingungen der Firmen nichts mit einem typischen Filmmotiv zu tun haben", sagt Vogt. Und realistische Kontrastwerte von 250:1, gemessen mit einem „fairen Testbild”, seien außer in Fachzeitschriften nirgends nachzulesen. Zudem existiert unter den Herstellern kein einheitliches Messverfahren, das wenigstens einen sinnvollen Vergleich verschiedener Geräte ermöglichen würde.

Wer als Spielkonsole nicht eine Playstation 3 an seinen Projektor anschließt, wird mangels Auswahl an deutschsprachigen HD-Fernsehprogrammen die hochauflösenden Bilder wohl mittels Blu-ray-Player auf die Leinwand bannen. Alle Beamer mit dem „HD ready”-Logo verfügen über die notwendigen Anschlüsse - mindestens zwei HDMI-Schnittstellen und meist noch analoge Anschlüsse für ältere Geräte sind Standard.

Bei der oft eingebauten Overscan-Funktion lauert allerdings eine Falle. „Die Funktion muss unbedingt abschaltbar oder es muss ein Pixel-to-Pixel-Modus vorhanden sein”, erklärt Vogt. „Nur dann kriege ich die zusätzliche Schärfe der Full-HD-Auflösung auch tatsächlich auf die Leinwand.”

Zudem sollte der Beamer 24 Bilder pro Sekunde verarbeiten und weiterreichen können. Nur dann werden Spielfilme, die auf Blu-ray-Medien in der Regel mit 24 Bildern abgelegt seien, ruckelfrei wiedergegeben.

Während Projektoren zwischen knapp 2500 und 3500 Euro wie der Epson EMP-TW 2000, der BenQ W-5000, der Panasonic PT-AE 2000 und der Sony VPL-VW 50 laut Vogt fließende Bilder in 24-Hertz (oder einem Vielfachen davon) gut darstellen, ist der Mitsubishi 4900 (für unter 2000 Euro) noch nicht mit dem neuesten Signalverarbeitungschip ausgestattet. Bessere Modelle des Herstellers ab etwa 3000 Euro haben dem Ruckeln dagegen abgesagt.

Die Betriebslautstärke ist mittlerweile kein Thema mehr. Vogt rät zum Kauf von Geräten mit einer Dezibel-Angabe von unter 26: „Das ist deutlich leiser als ein PC.” Der Sanyo PLV-Z2000 mit 19 dB „säuselt sogar so leise wie ein gutes Notebook”. Ein drastischer Preissturz wird bei den Full-HD-Beamern nicht mehr erwartet.