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Darmstadt/Unterföhring: Lieber runterladen als rübergehen: Film-Abrufdienste im Internet

Darmstadt/Unterföhring : Lieber runterladen als rübergehen: Film-Abrufdienste im Internet

Die Chips sind besorgt, das Sofa ist zurechtgerückt, und die Fernbedienung liegt in Reichweite. Doch dann die Enttäuschung: Zur besten Sendezeit läuft mal wieder nur ödes Programm im Fernsehen.

Also Computer an und schnell zu einem der vielen Film-Abrufdiensten durchgeklickt. Anstatt zur Videothek zu stapfen, kommen Filmfans auch per Download zu ihren Lieblingsstreifen.

Die Möglichkeit, sich von einer Online-Videothek Filme per Post zusenden zu lassen, gibt es schon länger. Bei immer mehr Anbietern lassen sich die Filme aus dem Internet auch direkt auf den Computer laden. „Video on demand” heißen solche Filmabrufdienste auch. Inzwischen seien die technischen Probleme weitgehend überwunden, sagt Nico Jurran von der in Hannover erscheinenden Zeitschrift „ct”: „Heute hat fast jeder einen DSL-Internetanschluss mit der nötigen Übertragungsrate.”

Ab etwa 4 Megabit (MBit) pro Sekunde sei es kein Problem, diese Dienste zu nutzen. „Theoretisch geht auch weniger, dann dauert das Laden eben nur länger.” Zudem brauche man keinen Hochleistungs-Computer, sondern nur einen gewöhnlichen, aktuellen PC. Für die meisten Dienste benötige man den Windows Media Player zum Abspielen der Filme. „Einige Anbieter haben ihre eigene Abspielsoftware, die kann dann kostenfrei runtergeladen werden”, erklärt Jurran.

Auf der Seite www.videoload.de, die von der Deutschen Telekom AG aus Darmstadt betrieben wird, können Filme und Serien geliehen und gekauft werden. Leihfilme werden gestreamt, gekaufte Filme können heruntergeladen und auch auf DVD gebrannt werden. In einem übersichtlichen Menü kann man beispielsweise in Kategorien wie „Angebote der Woche”, „Top 10 Leihfilme” oder „Nur noch kurze Zeit” stöbern. Gleichzeitig lassen sich Filme alphabetisch und nach verschiedenen Rubriken wie „Action” oder „Komödie” suchen.

Außerdem gibt es Doku-, Kids- oder Movie-Pakete, die für monatliche 4,99 Euro eine große Auswahl an entsprechenden Videos bieten. Die Kosten für Leihfilme liegen bei Videoload zwischen 0,99 Euro und 3,99 Euro. Damit erwerben Filmfans ein Nutzungsrecht für 24 Stunden und können den Film in dieser Zeit so oft sie möchten neu streamen. Bezahlt werden kann per Kreditkarte oder Internet-Abrechnungssystem „Click and Buy”. T-Online Kunden können direkt über ihre Telefonrechnung bezahlen.

Auch Arcor bietet unter www.arcor.de/vod einen Filmabrufdienst an. Hier werden auch Leihfilme auf die Festplatte geladen und können schon während des Ladevorgang gestartet werden. „Vollständig heruntergeladene Filme werden mit einem Zeitstempel versehen und sind dann nach der Leihfrist nicht mehr abspielbar”, erklärt Jurran. Auch hier kosten die Filme zwischen 1,99 und 3,99 Euro für 24 Stunden. Kinderfilme gibt es schon ab 99 Cent.

Die Seite www.maxdome.de wird von der ProSiebenSat.1 Media aus Unterföhring bei München betrieben und bietet eine besonders große Auswahl an Serien. Hier findet man einige Serien sogar schon vor ihrer TV-Ausstrahlung im Netz. Es lässt sich in unterschiedlichen Rubriken stöbern und suchen. Auch hier kosten die Filme zwischen 1,99 und 3,99 Euro für 24 Stunden. Günstiger sind die unterschiedlichen Abo-Pakete. Unter dem Link „Hier Gratis Videos ansehen” lässt sich der Dienst nach vorheriger Registrierung kostenlos testen.

„Ein großer Nachteil der Video-on-Demand-Dienste ist der Medienbruch”, sagt Nico Jurran. Man sei an seinen Computer gebunden. Um die Filme auf das Fernsehgerät übertragen zu können, brauche man spezielle Grafikkarten und entsprechende Ausgänge und Kabel. Jedoch können Filme mit Hilfe einer Set-Top-Box auch direkt auf dem TV-Gerät angeschaut werden. Diese Option bietet momentan jedoch nur der Dienstleister Maxdome.

„Über kurz oder lang werden Filme nur noch über das Internet übertragen”, meint Tobias Kollmann, Professor für Electronic Business an der Universität Duisburg-Essen. Langfristig werde es die realen Videotheken nicht mehr geben - sie hätten im Wettstreit mit der Online-Konkurrenz letztlich das Nachsehen. „Das ist der gleiche Kampf, den auch die Musikindustrie erfolglos führt.”