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Ahrensburg/Karlsruhe: Leguan gegen Notebook: Tauschbörsen bieten Nützliches und Skurriles

Ahrensburg/Karlsruhe : Leguan gegen Notebook: Tauschbörsen bieten Nützliches und Skurriles

Viele Dinge landen auf dem Müll, obwohl sie noch einwandfrei in Schuss sind. Oft liegt es an der Bequemlichkeit des Besitzers: Die Suche nach einem Abnehmer für gebrauchte Gegenstände kann mühsam sein. Doch in Online-Tauschbörsen finden auch Omas schnörkelige Kommode, der ausgediente Computer oder das alte Aquarium einen neuen Besitzer.

„Tausche super aussehenden Leguan-Bock gegen Notebook” - mit dieser Anzeige versucht ein Nutzer beim Online-Tauschring Bambali sein Glück. Bei dem Anbieter mit Sitz in Ahrensburg bei Hamburg wird entweder Ware direkt gegen Ware und Dienstleistung gegen Dienstleistung getauscht - oder die Teilnehmer erhalten für ihre Dinge oder Dienstleistungen Tauschpunkte, „Bam” genannt, die sie später gegen etwas anderes eintauschen können.

Mit dem „eigenständigen Wirtschaftssystem” Bambali wolle er den Nutzern die Chance bieten, sich „ein Stück weit von Zinsen und Sozialsystem unabhängig zu machen”, erklärt Bambali-Initiator Tobias Sasse auf seiner Seite.

Das Angebot ist vielfältig: Eine Nutzerin bietet ihre Dienste als Näherin an, ein anderes Bambali-Mitglied will ein Quad loswerden und sucht stattdessen ein Auto. Auch Damenfahrrad, Pokertisch, Kinderbetreuung oder Arabischunterricht werden bei Bambali offeriert.

Etwas anders als Bambali funktioniert das aus den USA stammende Verschenk-Netzwerk Freecycle. Auf dieser Plattform können die Teilnehmer per Yahoo-Mailingliste Dinge anbieten, die sie verschenken möchten. Eine Gegenleistung gibt es nicht. Die Belohnung besteht im guten Gewissen, einen Gegenstand nicht weggeworfen, sondern verschenkt zu haben.

Vor allem Möbel, Haushaltsgegenstände, Kleidung und Computer werden bei Freecycle angeboten. Hin und wieder melden sich auch Gartenbesitzer, die mit ihrer Obsternte überfordert sind und einen Teil davon an Selbstabholer verschenken möchten.

Doch Freecycle dient nicht nur zum Verschenken: Die Community nimmt auch Wünsche entgegen. Babykleidung oder gebrauchte Fahrräder stehen weit oben auf der Wunschliste. In Deutschland gibt es rund 70 regionale Freecycle-Gruppen. Die dezentrale Struktur ist deshalb sinnvoll, weil die Ware nicht verschickt, sondern vom Empfänger abgeholt wird.

Eine Alternative zur Freecycle-Mailingliste, die einen Yahoo-Account erfordert, bietet die Verschenk-Seite Alles-und-Umsonst. Nach Bundesländern geordnet können die Nutzer dort kostenlos nach Hausrat, Kindersachen, Elektronik, Büchern, CDs und ähnlichem suchen oder Dinge verschenken.

Mit Ihrem Angebot wollen die Berliner Betreiber von Alles-und-Umsonst, Uwe Friedrich und Stefan Zimmermann, „die Solidarität der Menschen untereinander fördern und dabei gleichzeitig einen Beitrag zum Umweltschutz leisten”.

Die Wegwerfgesellschaft war beiden schon suspekt, als sie noch Kinder waren. „In unserer Kindheit haben wir jedes Mal, wenn Sperrmüll war, nach "Schätzen" gestöbert. Bereits damals konnten wir nicht verstehen, warum viele Dinge, die noch völlig in Ordnung sind, einfach weggeworfen wurden”, schreiben Friedrich und Zimmermann auf ihrer Seite.

Wer gelesene oder ungeliebte Bücher loswerden möchte, kann sich bei Tauschticket anmelden. Die Nutzer des in Karlsruhe ansässigen, kostenlosen Services bieten ihre aussortierten Bücher in einem virtuellen Bücherregal an. Andere Benutzer können die Bücher dann bestellen und bekommen sie zugeschickt.

Wer Bücher anbietet, erhält dafür Punkte, die wiederum gegen Bücher eingetauscht werden können. Neben Büchern können bei Tauschticket auch Musik- und Hörbuch-CDs, DVDs sowie Computer- und Konsolenspiele getauscht werden.

Ähnlich wie Tauschticket ist auch das in Berlin ansässige Leihnetzwerk für Menschen geschaffen, die zwar gerne Bücher lesen, diese aber nicht unbedingt behalten wollen. Wer sich dort anmeldet, kann im Buch- und außerdem im Video- und CD-Verzeichnis der anderen Nutzer stöbern und auch eigene Medien zum Verleih anbieten. Möchte jemand etwas leihen, wird es per Post verschickt und muss spätestens nach 30 Tagen wieder zurückgegeben werden.

Im Angebot sind Bücher wie „Oliver Twist” von Charles Dickens oder „Das Foucaultsche Pendel” von Umberto Eco sowie „Herr der Ringe” oder ein Trickfilm aus der „Wallace and Gromit”-Reihe auf DVD. Das Tauschsystem funktioniert auf Vertrauensbasis. Wer allerdings ein Buch beschädigt oder zu spät zurückschickt, kassiert eine schlechte Bewertung, so dass andere Nutzer gewarnt sind.

Abenteuerlicher geht es bei Bookcrossers zu: Die Mitglieder der weltweit agierenden Community versehen ihre gelesenen Bücher mit einem „Bookcrossing-Etikett” und lassen sie in der Öffentlichkeit liegen. Sie hoffen, dass der Finder seinen Fund im Bookcrossers-Forum postet und das Buch nach dem Lesen wieder in die Freiheit entlässt.

Wer ein Buch aussetzt, kann den Ort in die Datenbank eintragen, so dass andere Bookcrosser gezielt auf die Suche gehen können. Eingeloggte Benutzer können beispielsweise nachlesen, dass „Das Buch vom 5. Januar” an der Autobahntankstelle Eifel-West am Rande der A1 seit vier Wochen auf einen neuen Besitzer wartet.