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München/Köln: Legale Online-Tauschbörsen: Nachschub für Bücherwürmer und Filmfans

München/Köln : Legale Online-Tauschbörsen: Nachschub für Bücherwürmer und Filmfans

Ich gebe dir etwas, du gibst mir dafür etwas zurück: Das uralte Tauschprinzip kommt dank des Internets zu neuer Blüte. Auf speziellen Online-Marktplätzen wechseln Bücher, Film-DVDs oder Kindersachen munter den Besitzer. Häufig dienen virtuelle Ersatzwährungen als Tauschmittel.

Daneben fallen Versand-, teilweise auch Transaktions- oder Mitgliedsgebühren an. Weil sich auch Angebot und Tauschprozess unterscheiden, lohnt ein Vergleich der Portale.

Am häufigsten werden Medien getauscht. Weil es sich um solche zum „Anfassen” handelt, hat der Gesetzgeber im Gegensatz zum unrechtmäßigen Down- und Upload von Musik- und Filmdateien nichts dagegen.

„Wer viel liest, hört, schaut oder spielt, kommt hier einfach an Nachschub”, urteilt Tobias Weidemann, Redakteur bei der in München erscheinenden Zeitschrift „PC Welt”. Er hat mit „Hitflip” „Tauschticket” und dem auf Kinderartikel spezialisierten Portal „Tauschmonster” drei Online-Marktplätze unter die Lupe genommen.

Weidemann sieht etwa bei jüngeren DVDs Schnäppchenpotenzial. Auch relativ frische Literatur-Bestseller sind manchmal dabei. Allerdings überwiegen ältere Artikel. Das Risiko an Musik- oder Filmraubkopien zu geraten, schätzt er niedrig ein. „Weil mit Ersatzwährungen gerechnet wird und nicht mit echtem Geld, ist der Anreiz für schwarze Schafe gering.”

Nutzer stellen Artikel ein, erhalten im Falle eines Tausches Guthaben und können dies bei passender Gelegenheit wieder in andere Artikel der gleichen oder einer anderen Kategorie investieren. Das ist das Grundprinzip der Tauschbörsen. „Schnäppchen gibt es auch woanders, aber in vielen Fällen ist Tauschen günstiger und angenehmer, als ständig Artikel zu kaufen und verkaufen”, sagt Gerald Schönbucher, Geschäftsführer der Plattform „Hitflip” in Köln.

„Hitflip” (http://www.hitflip.de) nimmt seinen Mitgliedern Aufwand ab, kostet aber auch etwas mehr. Mitglieder geben lediglich den ISBN- oder EAN-Code des zu tauschenden Artikels ein, wodurch automatisch eine Beschreibung aus der Produkt-Datenbank hinzugefügt wird.

Anhand aktueller Preise legt das System zudem fest, wie viele Verrechnungseinheiten der Besitzer für den Artikel erhält. Artikel, die man gern haben möchte, landen auf einer Wunschliste. Sind sie nicht vorrätig, werden die Nutzer in eine Warteschlange eingereiht.

Jeder Tausch kostet den Empfänger neben Flips auch jeweils 99 Cent Transaktionsgebühr, der Versender zahlt Porto und Verpackung. Falls ein Tausch schief geht, bietet die Plattform eine Rückerstattungs-Garantie. Reicht das Guthaben nicht aus, lassen sich Flips auch kaufen, einer kostet 5,99 Euro, zehn 49,99 Euro. In diesem Fall lohnt laut Tobias Weidemann aber eher der Gebrauchtkauf an anderer Stelle.

Keine Gebühren fallen bei „Tauschticket” (http://www.tauschticket.de) an, wo mit über 800.000 Artikeln die größte Auswahl besteht. Nutzer haben hier mehr Einfluss auf den Tauschprozess. Sie legen selbst fest, wie viele „Tickets” sie pro Medienprodukt verlangen und wickeln den Tausch eigenständig ab. Eine Datenbank erleichtert auch hier das Einstellen der Angebote. Für viele Tauschvorgänge und positive Bewertungen vergibt das Portal Bonustickets. Ein gut besuchtes Forum, wo auch direkt getauscht wird, ergänzt die Webseite.

Eine weitere Medien-Tauschbörse heißt „Balu” (http://www.balu.de). Das Angebot ist kleiner, dafür verspricht die Website sofortige Verfügbarkeit. Lässt es der Anbieter zu, kann außerdem um die Höhe des Tauschpreises gefeilscht werden. Zusätzlich zu den bis zu fünf „Chips” kostet jeder Tausch zwischen 10 und 50 Cent Systemgebühr. Platzt ein Tausch, wird alles zurückerstattet, garantiert „Balu”. Bonuschips belohnen „fleißige” Mitglieder.

Unter http://www.tauschmonster.de stehen Artikel rund ums Kind im Mittelpunkt: Spielzeug, Freizeitartikel, Kleidung. Die Börse will für junge Eltern eine praktische Alternative zu „Kinderbasaren” darstellen. Sie verlangt pro Jahr zwölf Euro Mitgliedsgebühr und pro Tausch zwei „Tauschtaler” jeweils von Anbieter und Empfänger. Letzterer zahlt den Versand, dieser kann gerade bei sperrigen Produkten wie einem Kinder-sitz höher ausfallen. Ein Tauschtaler entspricht zehn Cent.

Das Geben und Nehmen ohne Geld machen lokal organisierte Tauschringe seit langem vor. Diese Form der Nachbarschaftshilfe will das Projekt „Bambali” (http://www.bambali.net) mit den Vorteilen des Internets kombinieren und bietet einen Marktplatz nicht nur für Waren, sondern auch für Dienstleistungen. Kinderbetreuung, Gartenarbeit oder handwerkliche Hilfe sind dort zu finden.

Ob direkt oder mittels der Tauschwährung „Bam” getauscht wird, steht den Mitgliedern frei. Die Einträge werden dem Webseitenbetreiber zufolge zwar begutachtet, wie seriös die Angebote aber wirklich sind, muss selbst überprüft werden.

Bei den klassischen Tauschringen stoßen Online-Marktplätze allerdings auf Skepsis. Die Vertrauensbildung sei bei einer Kontaktaufnahme per Internet schwerer. „Gerade bei Dienstleistungen ist ein persönlicher Kontakt ganz wichtig, schließlich will man vorher wissen, wem man seine Kinder anvertraut”, sagt Dagmar Capell, Herausgeberin des online erscheinenden „Tauschmagazins” (http://www.tauschmagazin.de) in Hamburg.

Wichtig sei auch ein genauer Blick in die Teilnahmebedingungen, empfiehlt die Ansprechpartnerin für Tauschringe in Hamburg und Umgebung. Dagmar Capells Erfahrung nach ist schon so manches Tauschsystem schnell am Ende gewesen, weil es nicht ausgereift gewesen sei. So besteht gerade bei kleineren Projekten die Gefahr, auf seinem virtuellem Tauschguthaben sitzen zu bleiben, wenn neue Mitglieder ausbleiben und das Angebot schwindet.

„Kennt man die Nutzer, lassen sich diese zum Weitermachen animieren. Im Internet fehlt dafür der soziale Druck.” Wer daher lieber von Angesicht zu Angesicht tauscht, kann sich an einen der bundesweit rund 300 Tauschringe wenden, deren Adressen unter http://www.tauschringadressen.de auch im Internet zu finden sind.