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Berlin/Hattingen: Leere Patrone gut gefüllt: Mit Tintentankstellen Druckkosten sparen

Berlin/Hattingen : Leere Patrone gut gefüllt: Mit Tintentankstellen Druckkosten sparen

Der Drucker ist ein Schnäppchen - aber die Kosten für die Tintenpatronen lassen die Ersparnis schnell dahinschmelzen. Viele Anwender, die sich einen Tintenstrahldrucker auf den Schreibtisch stellen, kennen das Problem und schauen sich nach Alternativen beim Patronenkauf um.

„Man kann sicher mit den Fremdtinten Geld sparen”, sagt Dirk Lorenz von der Stiftung Warentest in Berlin.

Nicht nur Patronen mit anderer als der Originaltinte sind im Handel zu bekommen. Tintentankstellen mit verschiedenen Namen haben sich in den vergangenen Monaten rasend schnell verbreitet. Sie befüllen leere Patronen, die ihnen Kunden bringen, oder tauschen die leeren gegen bereit befüllte Tintentanks aus.

„Es gibt Patronen, die sind so gut wie das Original”, sagt Lorenz. Dies gelte sowohl für die nachgefüllten Tanks als auch für Fremdtinten bekannter Hersteller.

Einziges Problem, so haben die Tester festgestellt, kann die Lichtbeständigkeit der Farben sein. „Aber das kommt auch auf das benutzte Papier an.” Der Service von Tintentankstellen sei vor allem für Anwender interessant, die ein eher geringes Druckaufkommen haben, sagt Tim Gerber von der Computerzeitschrift „c´t” aus Hannover. „Wer ganz wenig druckt, fährt mit den Originaltinten am besten.”

Vielnutzer hingegen sparen am meisten, wenn sie die Patronen mit Tinte und Einwegspritze immer wieder selbst neu füllen. Dabei ist allerdings einiges zu beachten: „Tinte hält nicht ewig - wer sich also eine Literflasche kauft, muss schon ziemlich viel drucken”, sagt Gerber.

Zwei Jahre etwa halte sich die Flüssigkeit bei entsprechend guter Lagerung. Zudem kommt es auf die Tinte an, ob der Drucker die Wiederbefüllung mitmacht und die Ausdrucke eine gute Qualität haben. „Die Fließeigenschaften müssen sehr genau auf die Patronen abgestimmt sein, sonst läuft Tinte aus oder man bekommt Streifen.”

Die Tinten funktionieren immer nur für bestimmte Druckertypen - was allerdings nicht dagegen spricht, dass die Patronen ganzer Druckerserien mit derselben Flüssigkeit befüllt werden können. Von Angeboten, die Tinte für alle Tintendrucker anpreist, sollte man allerdings die Finger lassen: „Das ist Mumpitz”, sagt Gerber.

Beim Hersteller Canon in Krefeld plädiert Druckerspezialist Dieter Röther natürlich für die eigenentwickelten Tinten: „Nur damit können wir garantieren, dass die Druckerköpfe lange halten.” Die Tinte sei so rein, dass keine Ablagerungen in den Druckköpfen entstehen können - eines der größten Probleme bei wiederverwendeten Patronen.

Auch die Farbechtheit lasse bei Fremdtinten gelegentlich zu wünschen übrig. Der Hersteller hat inzwischen, wie die Konkurrenz auch, eine Kombination aus Tinte und Papier auf dem Markt, mit der er Fotos für 29 Cent pro Ausdruck anpreist.

Etwa 45 Prozent Ersparnis lassen sich beim Kauf nachgefüllter Tintenpatronen erzielen, sagt Daniel Stroh, Geschäftsführer von „Cartridge World” Deutschland in Hattingen.

Die Tintentankstelle, die vor zehn Jahren in Australien gegründet wurde, hat allerdings nicht nur Nachfüllungen für rund 180 verschiedene Sorten von Patronen parat. „Unsere Geschäfte sind auch Drucker-Kompetenzzentren”, sagt Stroh. Kunden erhielten Antworten auf Fragen zu Drucker und Ausdruck.

Inzwischen habe sich ein Austauschmodell entwickelt: „Die Kunden können in rund 85 Prozent der Fälle bereits wieder befüllte Patronen mitnehmen”, sagt Stroh. Die leeren Patronen werden dann professionell geschleudert, mit einer speziellen Reinigungsflüssigkeit gespült und unter Vakuum befüllt. „So bekommen wir sie so voll, wie sie im Original waren”, sagt Stroh. Genaue Milliliterangaben zur Füllung in den Patronen gibt es kaum - darum werden die Patronen meist gewogen.

Damit eventuelle Probleme mit der Nachfüllung nicht erst zu Hause auffallen, gehört bei „Cartridge World” ein Probeausdruck zum Programm. Dazu rät auch Warentester Lorenz: „Da kann man gleich sehen, ob es Streifen oder andere Probleme gibt.”

Fallen einem Probleme erst am heimischen Drucker auf, hätten die Tintentanker meist ein offenes Ohr für Reklamationen. „Die leben von ihren Stammkunden.”

Doch auch wer Tinte nachfüllt und damit beim Drucken vom heimischen Computer sparen will, muss auf der Hut sein. „Man muss aufpassen, dass man nicht draufzahlt”, sagt Gerber. Denn von Milliliterangaben auf verpackten Fremdtinten ist meist keine Spur - auf den Originaltinten allerdings auch nicht.

So kann es passieren, dass in einer neuen, fremden Tintenpatrone nur ein Teil der Ladung des Originals ist. Wiegen hilft, um sich ein Bild über den Inhalt zu machen - bei Original- und Fremdtinten ebenso wie bei nachgefüllten Patronen.

Doch schon vor dem Kauf lohnt sich nach Lorenz´ Worten der Blick auf die Verbrauchskosten der Geräte, denn „es gibt Drucker, die drucken mit Originaltinte billiger als andere mit Fremdtinte”.