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Aachen: Kuchen für die Hobbits: „Der Herr der Ringe Online”

Aachen : Kuchen für die Hobbits: „Der Herr der Ringe Online”

„Als Herr Bilbo Beutlin von Beutelsend ankündigte, dass er seinen bevorstehenden einundelfzigsten Geburtstag mit einem rauschenden Fest zu feiern gedenke, begann in Hobbingen ein erregtes Getuschel.” Millionen von Menschen kennen diesen Satz - als Auftakt des ersten Kapitels in der Geschichte vom Herrn der Ringe von J.R.R Tolkien.

Nun gehen Frodo, Gandalf, Gimli und Co. ins Internet: Mit „Der Herr der Ringe Online: Die Schatten von Angmar” (kurz: „HdRO” ) erscheint das erste Online-Rollenspiel, das erlaubt, die Regionen von Mittelerde zu durchstreifen und dabei Abenteuer zu bestehen.

Hobbingen im Auenland liegt nur zwei Minuten von Michelbinge entfernt - wenn der Nachwuchs-Hobbit den Fußweg querfeldein nimmt und dabei angriffslustige Spitzmäuse ignoriert. Und Hobbingen sieht am Rechner aus, wie es sich wohl jeder in der Buchvorlage vorgestellt hat: Häuschen in die Hügel gebaut, mit runden Türen und Gras auf den Dächern. Auf den Wiesen liegen Hobbits und unterhalten sich.

Auch die Vorbereitungen für Bilbos Fest haben schon begonnen. Ein Blick über den Fluss zeigt, dass am Festbaum Betrieb herrscht. Und nicht zuletzt der Auftrag einer Dorfbewohnerin an den Spieler, einen Kuchen zum Festplatz zu bringen, zeigt, dass hier noch einiges zu tun ist.

Schon in den ersten Spielstunden wird deutlich, dass sich die Entwickler bei Turbine im US-amerikanischen Westwood viel Mühe gegeben haben, die Atmosphäre der von Tolkien erschaffenen Welt einzufangen. Überall finden sich Personen und Orte, die das Gedächtnis seit der Lektüre der Bücher abgespeichert hat - sei es die Brandyweinbrücke, die es zu überqueren gilt, oder auch die Stadt Bree mit dem Gasthaus zum Tänzelnden Pony.

Das ist auch der Unterschied zu den übrigen Online-Rollenspielen. Denn egal ob „Everquest”, „Vanguard” oder „World of Warcraft” : Das Inventar in Form von Orks, Zauberern oder Elfen haben fast alle vom Herrn der Ringe übernommen. Allerdings mussten die Entwickler eigene Hintergrundgeschichten erfinden, die eher simpel gestrickt sind.

Dass das dem Erfolg bisher nicht im Wege stand, das zeigt gerade „World of Warcraft”. Laut dem Entwickler Blizzard Entertainment im kalifornischen Irvine bewegen sich mittlerweile gut 8,5 Millionen Spieler in der Fantasy-Welt Azeroth, davon 800.000 in Deutschland.

Trotzdem ist es der fast jedem Kind bekannte Hintergrund vom Herrn der Ringe, der nicht wenige Experten daran glauben lässt, dass die Online-Umsetzung ähnliche Erfolge einfahren könnte. So titelte die in Fürth erscheinende Zeitschrift „PCGames” (Ausgabe 4/2007) nach ersten Ausflügen in Mittelerde: „Für dieses Spiel hören Sie mit WoW auf!”

Genau darauf spekulieren der Entwickler Turbine und der deutsche Publisher Codemasters aus Hamburg auch: „Wir richten uns mit dem Spiel sicher an den Massenmarkt und auch an die WoW-Spieler”, sagt Codemasters-Sprecher Matthias Mirlach.

Schon in der frühen Phase nach dem offiziellen Start am 24. April hofft man allein in Deutschland auf 150.000 Spieler. Zum Erfolg sollen von Mai an auch Kinowerbespots beitragen.

Aber es ist laut Mirlach etwas anderes, das die Anhänger von Frodo oder Gandalf vor allem locken soll: „HdRO” ist nicht irgendeine Umsetzung von Mittelerde, die der Fantasie einiger Kreativer entspringt.

Dahinter steckt vielmehr eine offizielle Lizenz zur Umsetzung auf der Basis der Buchvorlage von Tolkien Enterprises in Berkeley (Kalifornien). Dort wacht man darüber, dass die Geschichte vom Ring auch online noch als solche zu erkennen ist.

Das hat für den Spieler Konsequenzen. Wer es von anderen Titeln gewohnt ist, auch mal einen bösen Ork als Spielfigur zu erstellen, der muss sich umgewöhnen: Vor dem Hintergrund der Vorlage dürfen nur die so genannten Freien Völker gesteuert werden -Hobbits, Menschen, Zwerge und Elben. Einzige Ausnahme: Im so genannten Monsterplay-Modus darf in einem abgeschotteten Areal auch in die Haut eines bösen Wesens geschlüpft werden.

Bei anderen Online-Spielen werden Neulinge meist gleich nach dem Einloggen in die fremde Landschaft entlassen. Dagegen nimmt „HdRO” Neueinsteiger erst einmal eine Weile an die Hand, um ihnen eine gehörige Portion Mittelerde-Gefühl zu verabreichen.

So sehen sich Hobbit-Spieler nach ein paar Minuten mit einem der berüchtigten Schwarzen Reiter konfrontiert - der sich aber zum Glück bald wieder aus dem Staub macht. Jung-Zwerge bekommen sogar zuerst den Auftrag, dem berühmten Zwerg Gimli zu helfen und treffen dabei gleichzeitig den Zauberer Gandalf.

Die komplette Welt von Mittelerde kann zum Spielstart jedoch noch nicht erkundet werden. Vorerst steht nur der Bereich Eriador zur Verfügung, in dem vor allem der erste Band der Saga „Die Gefährten” spielt. Im Lauf der Zeit soll die Welt wachsen - unter anderem durch kostenlose Erweiterungen. Zudem ist laut Matthias Mirlach bereits im ersten Jahr mit einer kostenpflichtigen Spiel-Erweiterung (Add-on) zu rechnen.

Aber auch bis dahin sind zahlreiche Abenteuer zu bestehen - ganz abgesehen davon, dass es in Mittelerde noch andere Aufgaben wie das Erlernen eines Handwerks gibt. Außerdem wartet im Auenland noch der eine oder andere Kuchen auf seine Auslieferung.