Kommunikation auf Facebook: Vierter, Fünfter? Hauptsache Nazi!

Kommentar zu Kommunikation im Netz : Vierter, Fünfter? Hauptsache Nazi!

Dass Facebook nicht gerade ein Glanzstück für gute Kommunikation ist – dafür gibt es Beispiele zuhauf. Das Jüngste bot sich nach der Thüringer Landtagswahl.

Nach der Thüringer Landtagswahl postete ein Nachrichtenportal bei Facebook den Satz: „Jeder Fünfte hat eine Partei gewählt, deren Spitzenkandidaten man ‚Faschist’ nennen darf.“ Darunter kommentierte der User Michael S.: „Jeder Vierte hat richtig gewählt.“ Und mit diesem Kommentar löste er einen kleinen Shitstorm aus.

„Scheiß Nazi“, „Nazis raus“, „blöder Faschist“ und „Was läuft schief bei Ihnen, dass Sie die AfD unterstützen“ schrieben manche unter Michael S.’ Kommentar und viele Hundert User stiegen in die Beschimpfungen ein und echauffierten sich mit. Kaum einer bemerkte, dass oben von „jeder Fünfte“ die Rede war, Michael S. aber von „jedem Vierten“ sprach.

Wen Michael S. wirklich mit „jedem Vierten“ meinte, kann man nicht nachvollziehen. Er könnte von der Linken gesprochen haben. Vielleicht sind auch seine Fähigkeiten in Prozentrechnung nicht ganz ausgebildet und er meinte alle, die nicht die AfD gewählt haben. Am unwahrscheinlichsten ist jedoch, dass er sich auf die AfD bezieht. Trotzdem kommentierten über 450 Menschen Michael S.’ Post und beschimpften ihn als Faschistensympathisanten.

Daran sieht man wieder mal, was viele Facebook-User offenbar nicht machen: genau lesen, hinterfragen, nachdenken und erst dann etwas schreiben. Der Wille loszuzetern ist zu groß, als dass man sich Zeit nehmen würde, die Situation genau zu betrachten. Es ist angenehm, seine Wut rauszulassen, auch wenn man nicht geprüft hat, ob sie momentan berechtigt ist. Und dieses Beispiel zeigt wunderbar, wie Kommunikation über Facebook oft funktioniert. So entstehen gesellschaftliche Aufreger und heftige Shitstorms, die eigentlich keine Grundlage haben. Das Beispiel zeigt, wie heutzutage in der Gesellschaft diskutiert wird – voreilig, ohne die Situation genau überblickt zu haben. Das wirkt leider stark darauf ein, wie sich die Spaltung unserer Gesellschaft entwickelt.

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