Kommentiert: Urlaub, Musikauswahl und Unterhosen

Kommentiert: Urlaub, Musikauswahl und Unterhosen

Der Autor dieser Zeilen gilt als nicht sonderlich nostalgisch. Besonders als Musikfan haben ihn die Möglichkeiten von „Neuland“ früh begeistert, weil das Digitale alles so viel einfacher macht. So war früher die Musikauswahl vorm Urlaub derart quälend, dass sogar das Urlaubmachen selbst infrage gestellt wurde.

Ewig überlegt, welche zehn Tonträger denn nun mitgenommen werden. Begleitet von der Frage, ob es denn durch eine cleverere Packtechnik noch für einen elften reichen könnte. Furchtbar!

Die Klamotten waren hingegen innerhalb von Minuten verstaut, weil klar war: „Auf die eine oder andere Unterhose kannste verzichten. Wenn aber die ‚Ten‘ nicht dabei ist, oder die ‚Blood Sugar Sex Magic‘, ist der Urlaub gelaufen.“ Wer mit Freunden verreiste, konnte sich zwar absprechen, um so die Auswahl auf nahezu heimische Ausmaße anwachsen zu lassen. Aber auch hier der Frust, wenn trotz Absprache plötzlich ein Album doppelt dabei war. Ein verschenktes Ticket für dieses eine Album, dass es zwar nicht auf die Topliste geschafft hatte, das aber höchst willkommen gewesen wäre, wenn man nur gewusst hätte, dass Kollege Christoph einfach nicht richtig zugehört hat!!! Furchtbar!

Und da haben wir noch nicht über die Umzugskisten geredet, in denen neben der CD-Sammlung jahrzehntealte Mitschnitte von Mal-Sondock-Sendungen lagern. Oder vom ewigen Warten auf dieses eine Album, das das US-Publikum schon drei Monate früher in sich aufsaugen konnte. Alles furchtbar!

Und heute? Alles besser! Die gesamte Sammlung liegt auf dem Smartphone, was den Platz für die Unterhosen wieder auf ein zivilisatorisch angemessenes Niveau hebt. Das Warten auf das neue Album reduziert sich auf die Downloadzeit und beim Umzug wird nicht mehr geschleppt, sondern nur noch galant die Festplatte vom alten ins neue Heim transferiert. Perfekt!

Andererseits: Schon traurig, dass der Nachwuchs das alles nicht mehr erlebt — das Warten auf den richtigen Aufnahmemoment, damit die Moderatorenstimme nicht auf der Kassette landet. Das Hadern, ob man denn die richtige Musik für alle Urlaubslagen dabei hat. Der Moment, in dem man das Paket mit der Japan-Sonderedition aufreißt. War schon schön, irgendwie!

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