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München/Hannover: Klimafreundliche Computer: Mehr als bloße Imagepflege

München/Hannover : Klimafreundliche Computer: Mehr als bloße Imagepflege

Grün ist dem Anschein nach die neue Lieblingsfarbe der ITK-Branche. Die weltgrößte Elektronik- und Computermesse CeBIT, vom 4. bis 9. März in Hannover, widmet sich in diesem Jahr ausführlich dem Thema „Green IT”, gemeint ist vor allem stromsparende und daher klimafreundliche Computertechnik.

Regelmäßig überbieten sich nun Hersteller mit neuesten umweltschonenden Produkten. „Mit Green IT können Firmen und Privatanwender Kosten senken und etwas für die Umwelt tun”, sagt Marc Thylmann vom Branchenverband BITKOM in Berlin.

Nach Untersuchungen der Unternehmensberatung Gartner verursachen IT-Anwender und -Hersteller genauso viel CO2 wie die Luftfahrtindustrie. „Green IT” soll langfristig diese Bilanz verbessern: Das IT-Unternehmen IBM geht davon aus, dass sich in größeren Rechenzentren mit dem Einsatz „grüner” Technologien bis zu 43 Prozent des Stromverbrauchs einsparen lassen.

Auch Privatanwender können mit den neuen Computer- und Elektronikgeräten Energiekosten sparen. Branchenkenner sehen in „Green IT” daher einen ernstzunehmenden Trend. „Der Markt für Green IT wird zwischen 2007 und 2010 im Schnitt um 66 Prozent wachsen”, sagt Wolfgang Schwab von der Unternehmensberatung Experton Group in Ismaning bei München.

Einer Untersuchung von Experton zufolge hat energieeffiziente Hardware in der Käufergunst stark zugelegt. Die Hersteller reagieren längst darauf: „In den vergangenen sechs Monaten haben alle wesentlichen Prozessor-Anbieter deutliche Fortschritte im Bereich Energieverbrauch gemacht”, sagt Schwab.

„Einzig die Anbieter von Netzwerkkomponenten wie Hubs, Switches und Router sind noch nicht erkennbar an "Green" interessiert, obwohl sie die größte Leistungsdichte aufweisen.”

In den meisten anderen IT-Bereichen steht der Verbraucher vor einer großen Auswahl an „grüner” Technologie. Auf der CeBIT bieten die Unternehmen einen Überblick über ihre vergleichsweise klimafreundlichen Innovationen. „Das zieht sich durch alle Hallen”, sagt Gabriele Dörries, Pressesprecherin der Deutschen Messe Hannover.

Fujitsu-Siemens etwa stellt in Halle 9 einen sogenannten 0-Watt-Monitor vor, der im Stand-by-Modus fast keinen Strom verbraucht. Und Intel zeigt im Pavillon P33, wie ein Rechenzentrum mit Solarenergie funktioniert. Und in den Hallen 14 und 15 präsentieren verschiedene Telematics- und Navigationsanbieter Programme, die neben der schnellsten auch die Strecke mit geringstem Kraftstoffverbrauch berechnen.

Ein „Green IT”-Schwerpunkt liegt in Halle 9. Dort stehen im „Green-IT-Village” zwei von der Bitkom betriebene Musterbüros - eines mit der Technik von vor fünf Jahren und eines mit neuesten, klimafreundlichen Geräten. „Das eine hat einen Röhrenmonitor, Desktop-PC und viele Einzelgeräte”, erklärt BITKOM-Sprecher Thylmann.

„Das andere Büro ist mit Flachbildschirm, Notebook und Multifunktionsgerät ausgerüstet.” Ein Stromzähler zeigt an, wie viel Energie seit Beginn der Messe verbraucht wurde.

Firmen wie Privatanwender sollen sich im „Green-IT-Village” vor allem Stromspartipps holen. „Das Wichtigste ist die Antwort auf die Frage, was ich eigentlich mit meinem Rechner tun möchte”, sagt Heinrich Vaske von der Zeitschrift „Computerwoche”, die als Mitherausgeber den „Green-IT-Guide” für die CeBIT erstellt.

Besonders Prozessoren und Grafikkarten seien Energiefresser - wem eine kleinere CPU oder Grafikkarte reiche, der könne jährlich bis zu 100 Euro Stromkosten sparen.

Zudem ist der Strombedarf von PC und Notebook enorm: „Laptops verbrauchen nur 30 bis 40 Watt, Desktops dagegen 150 bis 200 Watt”, erklärt Vaske. Nach 8 Stunden Laufzeit an insgesamt 220 Arbeitstagen im Jahr spart der Benutzer eines Notebooks rund 50 Euro Stromkosten im Vergleich zu einem Desktop-Benutzer. Bei Druckern sind Tintenstrahler zu bevorzugen: Diese haben nur etwa ein Zehntel des Strombedarfs eines Laserdruckers.

Sowohl Firmen als auch Privatanwender entscheiden sich für „Green IT” weniger der Umwelt als der Kosten wegen. „Nur wenige Unternehmen investieren in diesem Bereich aus Imagegründen”, sagt Branchenexperte Wolfgang Schwab. Dennoch eignet sich das Thema prima, um es sich werbewirksam auf die Fahnen zu schreiben - Klimaschutz ist eben in.

Einen umfassenden Umweltschutz, der über das Stromsparen hinausgeht, biete „Green IT” noch nicht, sagen Kritiker wie die Organisation Greenpeace. IT-Hardware werde mit hohem Energieaufwand unter Verwendung von teilweise hochgiftigen Substanzen hergestellt.

Hinzu komme, dass oft in Billiglohn-Ländern produziert wird, die keinerlei Umweltauflagen unterliegen. Dennoch geben Kritiker zu, „Green IT” sei „ein Schritt in die richtige Richtung”.

Stromsparen ist auch eine Frage der Einstellung

Wegen des geringeren Stromverbrauches, werden sich die wenigsten Verbraucher einen neuen Rechner kaufen. Sie können jedoch ebenso den Energiehunger vorhandener PCs oder Notebooks reduzieren - denn Stromsparen ist gewissermaßen auch eine Frage der Einstellung:

Über die Systemsteuerung ihres Computers können Anwender dafür sorgen, dass sowohl der Rechner selbst als auch der Monitor in Arbeitspausen frühzeitig in den Stand-by-Modus versetzt werden. Bei längeren Arbeitsunterbrechungen, sollten die Geräte komplett ausgeschaltet werden.