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Fürth: Klassiker in neuem Kleid: Digitale Autorennbahnen

Fürth : Klassiker in neuem Kleid: Digitale Autorennbahnen

Digital ist angesagt: beim Fernsehen und Fotografieren, bei Musik und auch bei Spielsachen. Selbst vor Klassikern wie der Autorennbahn hat der Siegeszug der Computerchips nicht Halt gemacht.

Das Slot-Racing hat durch die Digitalisierung eine neue Qualität erhalten - wenn auch nicht zur Freude aller Fans. Denn die Digitalversionen der vier Anbieter Carrera, Scalextric, SCX und Ninco sind durchweg teurer als ihre analogen Vorgänger.

Anders als bei den analog betriebenen Rennbahnen spielt bei den digitalen Ausführungen die Taktik eine wichtige Rolle: Auf analogen Bahnen fährt jeder „Schlitzpistenflitzer” auf seiner eigenen Spur. Um ein Rennen zu gewinnen, muss der Fahrer mit seinem Miniboliden die Grenzen der Bahn ausloten und gute Rundenzeiten schaffen, ohne aus der Spur zu fallen. Was sich auf den anderen Spuren tut, kann ihm eigentlich egal sein.

Auf den Digitalbahnen können je nach Hersteller bis zu acht Autos eine Spur gemeinsam benutzen. Möglich ist das, weil die kleinen Wagen über einen Chip individuell gesteuert werden. Sichtbarer Unterschied zwischen einer Analog- und einer Digitalbahn sind die in die Strecke eingebauten Weichen, an denen die Fahrer auf Knopfdruck die Spur wechseln können. So kann man etwa seinen Boliden dem Konkurrenten vor die Nase setzen - und ihm das Überholen unmöglich machen, bis er an der nächsten Weiche auf die längere Außenspur ausweichen muss.

Weitere Spielvarianten, die an den realen Motorsport erinnern, sind möglich, wenn eine Boxengasse eingebaut wird, wie sie alle Hersteller anbieten: Für jeden Wagen lässt sich dann vor dem Rennen eine fiktive Tankmenge festlegen. Tendiert die „Tankfüllung” gegen Null, muss der Fahrer einen Stopp einlegen. Ignoriert er die Anzeige, kann es passieren, dass sein Rennwagen irgendwann nur noch im Schritttempo über die Piste schleicht.

Für die zu Preisen ab 30 Euro im Supermarkt angebotenen Kinderbahnen im Maßstab 1:43 ist die Digitaltechnik bisher nicht zu haben. Erst im Maßstab 1:32, der bei Fans sehr beliebt ist, geht der Spurwechselspaß los. Die Wagen sind dann nicht mehr so klein wie Matchboxautos, detailgetreuer und robuster. Mit einer Fahrbahnbreite von etwa 15 bis 20 Zentimetern ist der Platzbedarf der 1:32-Pisten aber auch erheblich größer.

Mit Carrera hat dieses Jahr der bekannteste der vier Anbieter, die weltweit das Geschäft der sogenannten Ready-for-run-Pakete unter sich aufteilen, ein neues Digitalsystem auf den Markt gebracht: „Digital 132” löst das bis zum Sommer aktuelle System „Pro-X” ab. „Anders als bei Pro-X können die Wagen des Digital-132-Systems auch analog auf alten Carrera-Evolution-Bahnen betrieben werden”, sagt Sprecher Jürgen Brückmann in Heidelberg.

Weitere Unterschiede zu Pro-X: Statt vier können jetzt sechs Fahrzeuge gleichzeitig auf einer Spur fahren. Das maximale Tempo und das Bremsverhalten jedes Wagens lässt sich mit der Digitalbox verändern. Die Preise der neuen Digitalsets liegen Carrera zufolge zwischen 200 und 300 Euro, abhängig von Ausstattung und Größe der Fahrbahn. Die Einsteigerpakete für Analogbahnen beginnen bei 129 Euro. Für Analogwagen ab Baujahr 2007 gibt es Nachrüstbausätze ab 14,90 Euro.

Mit dem Wechsel zum neuen System hat Carrera mit den Konkurrenten gleichgezogen: Bei den Digitalbahnen von SCX und Scalextric konnten schon vorher bis zu sechs Boliden gleichzeitig über die Strecke flitzen, beim seit 2006 erhältlichen System von Ninco sogar acht.

Bei Scalextric beginnt das Spurwechseln zum Preis von 169 Euro. „Dafür erhält man aber nur eine Basis”, sagt Kristian Kasper vom Hersteller Dickie-Tamiya in Fürth. Ein Verkaufsrenner seien digitale Bahnen daher nicht: „Ein ordentliches Set mit drei Autos kostet mehr als 300 Euro, und das wollen die Kunden derzeit nicht berappen.” Beim analogen Einstiegspaket für 99 Euro mit zwei Autos und einer „durchaus noch ansehnlichen Strecke” sei die Nachfrage deutlich höher. Wer damit Blut geleckt hat, kann wechseln: Ein Nachrüstsatz mit Digitalchip und Steuereinheit ist laut Kasper für alle Scalextric-Wagen erhältlich.

Beim spanischen Hersteller Ninco kostet ein digitales Ready-for-run-Paket mit zwei Wagen ab 275 Euro. Die analogen Sets beginnen bei 110 bis 130 Euro. Wer schon eine Ninco-Analogbahn hat, kann mit einem Umrüstset (rund 200 Euro) das Digitalzeitalter einläuten. Der Einbau der Digitaldecoder in die Wagen ist einfach: „Die werden zwischen Motor und Leitkiel des Wagens gebaut”, erklärt Ingo Meyer vom Importeur Cars & Co Company in Zeven (Niedersachsen). Pluspunkt des Ninco-Systems: jedes Auto, das Platz für einen Digitaldecoder bietet, kann umgerüstet werden - egal, von welchem Hersteller es stammt.

„Entweder oder” gilt dagegen beim anderen spanischen Hersteller SCX, der 2003 als erster auf Digitalisierung setzte. Ein Umrüsten gibt es nicht: Mit Streckenteilen alter Analogbahnen können die SCX-Digitalflitzer nichts anfangen. Sie sind auf die Digitalschienen und deren eigenes Stromleiter- und Stecksystem angewiesen. Diesen Nachteil macht SCX nach Ansicht von Importeur Jörg Schamuhn in Elmshorn bei Hamburg aber durch die Zuverlässigkeit seines Systems wett. Bei SCX kostet der Einstieg in die Digitalwelt ab 249 Euro.