Die digitale Welt: Infoboxen gegen Verschwörungstheorien

Die digitale Welt: Infoboxen gegen Verschwörungstheorien

Es gibt kaum ein Thema, das man sich nicht per Youtube-Video erklären lassen kann: Heimwerken, Schminken, Matheaufgaben, der Bürgerkrieg in Syrien, das Dritte Reich. Das Problem dabei: Jeder kann seinen Senf dazu geben, Verschwörungstheoretiker haben freie Bahn.

Besonders gefährlich ist das, wenn Menschen mit wenig Online-Erfahrung die Weiten des Videoportals entdecken und es als Nachrichtenquelle nutzen. Das ist in Indien verstärkt der Fall: Wegen extrem günstiger Preise für mobile Daten sind dort immer mehr Menschen online. Gleichzeitig werden über den Konflikt des Landes mit Pakistan viele Halbwahrheiten verbreitet.

Youtube testet daher jetzt in Indien ein System, das der Verbreitung von Fake News entgegenwirken soll. Sucht der Nutzer auf dem Portal nach Themen, die faktisch oft fragwürdig dargestellt werden, erscheint über den Suchergebnissen ein Kasten, der über die Kontroverse aufklärt und grundlegende Informationen zusammenstellt.

Zurückgegriffen wird dazu auf die Inhalte der Nachrichten-Webseite „The Quint“. Denkbar sei die weltweite Ausweitung dieses Tools, hat das Videoportal mitgeteilt. In den USA sollen neben Videos zum Beispiel zum Thema Chemtrail bald Links zu Wikipedia-Auszügen erscheinen. Beiträge, die Verschwörungstheorien verbreiten, tauchen außerdem weltweit bereits nicht mehr in der Empfehlungsliste auf.

Ein kurzer Stich in die Online-Blase

Doch was bringt das? Wer den Alu-Hut bereits aufhat, wird sich von Dreizeilern, die versuchen, ihn vom Gegenteil seines Weltbildes zu überzeugen, wahrscheinlich nicht umstimmen lassen. Zumindest dürfte sich aber ein Moment der Irritation einstellen, ein kurzer Stich in die Online-Blase des Nutzers.

Und wer noch dabei ist, zu recherchieren, was an einer These dran ist, den wird der „unglaubwürdig“-Alarm vielleicht sensibilisieren und kritischer machen. Die Fakten jedes einzelnen zweifelhaften Videos zu prüfen, übersteige die Kapazitäten, meldet Youtube. Und findet mit den Infoboxen einen nützlichen Kompromiss – ohne Gefahr zu laufen, den Vorwurf der Zensur auf sich zu ziehen.