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Köln/Düsseldorf: Immer mehr User von Porno-Abmahnung betroffen

Köln/Düsseldorf : Immer mehr User von Porno-Abmahnung betroffen

Die Welle an Abmahnungen wegen des Schauens urheberrechtlich geschützter Sexfilme im Internet nimmt immer größere Ausmaße an. Schätzungen von Anwälten zufolge sind mehrere zehntausend Internetnutzer betroffen. „Nach unseren Maßstäben muss das eine gigantische Abmahnzahl gewesen sein”, sagte der Düsseldorfer Rechtsanwalt Udo Vetter am Mittwoch.

Der Mainzer Anwalt Tobias Röttger nannte die Massenabmahnung „die größte mir bekannte Abmahnwelle auf einen Schlag”.

Die Internetnutzer waren von der Regensburger Kanzlei Urmann + Collegen (U+C) abgemahnt worden, weil sie angeblich Sexfilmchen auf der Seite Redtube.com geschaut hatten, die urheberrechtlich geschützt sind. Sie wurden aufgefordert, 250 Euro zu bezahlen und schriftlich zu versichern, das Vergehen nicht noch einmal zu begehen.

Allerdings sind mehrere Punkt umstritten. So gucken die Nutzer nämlich die Filme nur im Internet („Streaming”), anstatt sie herunterzuladen. Urheberrecht werden in diesem Fall nach einhelliger Meinung von Fachleuten nicht verletzt. Auch versichern Betroffene glaubhaft, die Redtube-Seite gar nicht besucht zu haben.

Außerdem ist unklar, wie die Rechteinhaber die Internetdaten der Nutzer erhoben haben. Experten vermuten, das Landgericht Köln sei getäuscht worden, als es auf Aufforderung der Anwälte die Internetprovider der betroffenen Nutzer anwies, deren IP-Adressen an die Kanzlei zu übergeben.

Für weitere Verwirrung sorgt darüber hinaus ein E-Mail-Virus, der derzeit im deutschen Internet grassiert. Die davon Betroffenen erhalten eine E-Mail mit einem Text, der dem Abmahnbrief der Kanzlei U+C in weiten Teilen gleicht. Er hat jedoch nichts mit der ausschließlich per Post verschickten Abmahnung zu tun. Im Anhang dieser Mail ist ein Trojaner enthalten. Es wird empfohlen, die entsprechenden Mails direkt zu löschen.

(dpa)