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Hamburg: Immer in Bewegung: Die Wii punktet per Fernbedienung

Hamburg : Immer in Bewegung: Die Wii punktet per Fernbedienung

Bowlingturniere im Seniorenheim, Fitness für Faultiere und Tennisspielen fast wie Boris: Seit es die Wii gibt, ist zwar nicht alles anders in der Konsolenwelt - das zeigen allein schon die vielen Spiele rund um Mario, den altbekannten Klempner.

Trotzdem hat Nintendos schneeweiße Konsole eine Menge Staub aufgewirbelt. Und das tut sie nach wie vor, etwa mit einem neuen Gerätchen, das die ohnehin ausgefuchste Steuerung weiter verfeinern soll.

Nintendos Minikonsole DS punktet auch Jahre nach dem Marktstart noch mit ihrem Touchscreen - nicht nur bei den üblichen Verdächtigen, die jede neue Daddelkiste blind kaufen, sondern auch bei Leuten, die bis dahin nichts mit Videospielen am Hut hatten. Auch im Fall der Wii ist das Eingabegerät der Knackpunkt: die bewegungsempfindliche Wii Remote, in Deutschland oft Wii-Fernbedienung genannt.

„Das ist eine Form der Steuerung, durch die viele Leute ihre Scheuklappen gegenüber Videospielen abgelegt haben”, sagt Heiko Gogolin von der in Hamburg erscheinenden Zeitschrift „GEE”. Da spielte es von Anfang an kaum eine Rolle, dass die Wii in Sachen Grafikleistung ihren Konkurrentinnen - Sonys Playstation 3 und Microsofts Xbox 360 - nicht das Wasser reichen kann und dass es Nintendo offenbar auch gar nicht darauf angelegt hatte.

Was beim DS der Mitnahme-Effekt ist, also die Tauglichkeit für den Einsatz unterwegs, das sind bei der Wii die Wohnzimmerqualitäten: „Sie ist eine Partykonsole”, bringt es Gogolin auf den Punkt. Dazu macht sie die Tatsache, dass zahlreiche Spiele für mehrere Teilnehmer konzipiert sind.

Hinzu kommt: Viele dieser Titel sind „kurz und lustig”, wie Heiko Gogolin sagt. Zwischen dem dritten und dem vierten Bier bei der Geburtstagssause eine Runde Boxen mit „Wii Sports”? Aber gerne doch. Selbst in Seniorenheimen kommt die Konsole immer wieder zum Einsatz - für Turniere im Bowling, einer weiteren „Wii Sports”-Disziplin.

Dafür, dass sich die Wii deutlich kompakter ausnimmt als die zwei anderen „großen” Konsolen der aktuellen Generation soll Nintendo-Chef Satoru Iwata höchstselbst verantwortlich sein: „Er ist mit drei übereinandergestapelten DVD-Hüllen zu den Entwicklern gegangen und hat gesagt: "Größer darf die neue Konsole nicht werden”, erzählt Silja Gülicher, Nintendo-Sprecherin in Großostheim.

Eines unmissverständlich zu klären, haben die Tüftler aus Japan aber offenbar vergessen: Selbst eingefleischte Wii-Fans sind sich nicht sicher, ob sie ihre Konsole aufrecht hinstellen oder lieber hinlegen sollen - jüngst dokumentiert bei www.wiifreak.de, einem von mehreren deutschsprachigen Foren. „Wer die Wii stellen will, stellt sie, wer sie legen will, legt sie. Wichtig ist nur, dass ihr genug Abluft und sie nicht dicht an dicht mit anderen Geräten stehen habt. Da könnte sie auf Dauer überhitzen.” So beendete ein Nutzer, der sich Gedanken gemacht hat, eine ausufernde Diskussion.

Das zeigt aber auch: Wenn in Foren Raum für solche Kinkerlitzchen ist, scheint es an der Wii nichts wirklich Ernsthaftes zu meckern zu geben. Das sieht auch Heiko Gogolin so: „Man muss aber zugeben, dass die Steuerung nicht ganz so genau ist, wie es die Werbung vorgibt.” Nintendo hat in diesem Punkt jüngst nachgelegt und die Wii MotionPlus auf den Markt gebracht: ein kleines Modul, das auf die Fernbedienung gesteckt wird und deren Bewegungsempfindlichkeit erhöhen soll.

„Darin steckt ein Gyroskop”, erklärt Silja Gülicher. „Das kann zum Beispiel den Drall und Schwung einer Bewegung ausrechnen” - was etwa beim neuen „Wii Sports Resort” das Tischtennisspielen vielfältiger machen soll. Denn die Bälle lassen sich nun nicht mehr nur wie bisher mit Schmackes, sondern auch mit Effekt übers Netz zwirbeln.

Auch lange vor Veröffentlichung des Zusatzmoduls war die Wii schon ein Kassenschlager: Gut 50 Millionen Exemplare gingen seit Dezember 2006 über die Ladentische, nur etwa halb so viel wie vom DS, aber deutlich mehr als von der Playstation 3 und der Xbox 360. Zu den Spiele-Schlagern zählen neben „Wii Play”, das unter anderem im Paket mit einer Fernsteuerung verkauft wird”, der Fitness-Titel „Wii Sports” und das Rennspiel „Mario Kart”. Die Verkaufszahlen der drei Titel: 23, gut 18 beziehungsweise mehr als 15 Millionen Stück.

Die Konkurrenz arbeitet an möglicherweise noch viel ausgefeilteren Konzepten zur Spielsteuerung. So hat Microsoft im Frühling „Project Natal” vorgestellt und damit tüchtig Aufsehen erregt. Heiko Gogolin ist sich allerdings sicher: Selbst wenn diese Konzepte in Produktform vorliegen, wird das kein jähes Ende für die Wii bedeuten. „Nintendos Klientel ist nicht so hardwarehungrig”, sagt der Experte - und geht davon aus, dass die Wii noch einige Jahre lang aktuell bleiben wird.