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Aachen: Im Urlaub ins Internet: Das Büro für die Hosentasche

Aachen : Im Urlaub ins Internet: Das Büro für die Hosentasche

„Kannst du denn nicht mal im Urlaub einen Tag lang ohne Internet sein?” Wer diese meist genervt klingende Frage seines Lebenspartners ehrlich mit „Nein” beantworten muss, der steht jedes Jahr vor einem Problem.

Wie kommt man fern der Heimat am besten ins Netz? Vor allem drei Wege bieten sich an: Ein eigenes Notebook mitzunehmen, über das Handy zu surfen oder öffentliche Computer am Ferienort zu nutzen.

Variante 1: Mit dem eigenen Notebook im Hotel über das hauseigene Netzwerk zu surfen, dürfte die komfortabelste aller Alternativen sein - jedenfalls für den, der eines besitzt. Doch selbst dann ist es nicht immer sinnvoll, das teure, schwere und sperrige Gerät in den Ferienflieger zu tragen. Zu empfindlich und diebstahlsgefährdet sind die Trage-PCs.

In den kommenden Monaten soll eine neue Generation sogenannter Netbooks - klein, leicht und mit 300 bis 400 Euro recht günstig - speziell die Bedürfnisse reisender Internetnutzer befriedigen.

Vorreiter ist der EeePC von Asus, weitere Modelle sollen folgen. Im Ausland werden aber auch sie mit unterschiedlichen Steckdosen und Stromspannungen zu kämpfen haben.

Variante 2: Mit dem Mobiltelefon zu surfen, dürfte für die meisten Nutzer im Ausland kaum praktikabel sein. Zwar sind viele der sogenannten Smartphones per UMTS, Edge oder GPRS online-fähig.

Doch wer nicht gerade einen teuren Profi-Tarif hat, zahlt für die Datenübertragung im Ausland meist horrende Gebühren. Schon der Download einer einzigen vier Megabyte großen Datei - etwa ein MP3-Klingelton oder ein unbearbeitetes Kamerafoto - kann bis zu 160 Euro kosten, hat Welt Online errechnet.

Im europäischen Durchschnitt zahlt der Handykunde zwar nur etwas mehr als fünf Euro pro MB, doch auch das ist zuviel für ausgedehnte Surf-Sessions. Einziger Trost: EU-Medienkommissarin EU Viviane Reding hat angekündigt, diese Entgelte ins Visier zu nehmen. Die Gebühren für Auslandsgespräche mit dem Handy wurden so bereits auf 59 Cent pro Minute gedeckelt.

Billig surfen im Internetcafé

Variante 3: Bleibt die Nutzung von öffentlichen Computern am Urlaubsort. Viele Hotels und Herbergen bieten ihren Gästen inzwischen Netzzugang zu mehr oder weniger günstigen Konditionen.

Dazu gibt es mittlerweile in praktisch allen Städten auf der Welt mit Tourismus von Kopenhagen bis Kathmandu Internetcafés. Dort kostet eine Stunde am Rechner oft weniger als das Erfrischungsgetränk, das den Kunden dazu angeboten wird.

Wer mit einem USB-Stick auf Reisen geht, braucht nicht einmal als Rucksacktourist in Australien auf die gewohnten Funktionen seines Computers zu verzichten.

Möglich macht dies sogenannte Portable Software, kurz „Stickware”. Diese Programme arbeiten ausschließlich auf dem USB-Stick (oder sonstigen Datenträgers) des Gastes und hinterlassen auf dem Fremdrechner keine Spuren.

Das Angebot ist gewaltig und lässt kaum Wünsche offen. So gibt es die Browser Firefox und Opera in portablen Versionen. In ihnen kann man nicht nur seine Lesezeichensammlung speichern, sie sind auch sicherer bei der Eingabe von Benutzerdaten und Passwörtern, etwa für E-Mail, Ebay oder Online-Banking.

Auch vom Mailprogramm Thunderbird gibt es eine portable Version. Es sollte allerdings unbedingt vor Fahrtantritt eingerichtet und getestet werden. Alternativ bietet sich das kleine Programm POP3 Preview an, das grundsätzlich nur ins Postfach guckt, ohne Mails herunterzuladen.

Mancher möchte seine Urlaubsfotos gleich nach der Aufnahme den Daheimgebliebenen zeigen. Problem: Hochauflösende Digitalbilder haben oft Dateigrößen von 2 bis 5 Megabyte.

Davon einige Dutzend Stück in sein Online-Album oder Blog hochzuladen, dauert auch bei einem DSL-Anschluss lange. Ein Programm wie „Der grandiose Bildverkleinerer” skaliert ganze Bilderstapel in Sekundenschnelle auf jede gewünschte Größe herunter. Durch automatische Kantenglättung bleiben die Bilder dabei scharf.

Noch mehr Funktionen haben Bildbearbeitungsprogramme wie Gimp Portable, das ähnlich umfangreich ist wie das beliebte Adobe Photoshop. Die Oberfläche ist allerdings etwas gewöhnungsbedürftig. Auch das beliebte IrfanView lässt sich auf dem USB-Stick installieren. Für Videos gibt es mobile Player wie den Portable VLC Media Player.

Nicht einmal auf Chatkontakt mit seinen Freunden muss der Reisende verzichten. Dank mobiler Multi-Messenger wie Trillian Anywhere und Miranda IM lässt es sich unterwegs mit ICQ-, MSN- oder AOL-Freunden chatten.

Doch es geht noch besser. Wer auf eine Textverarbeitung Wert legt, etwa um Briefe, Mails oder Blogartikel in Ruhe offline verfassen zu können, kann sich eine Mobilversion von OpenOffice anlegen.

Diese kostenlose Alternative zu Microsofts Office-Paket beherrscht ebenso Tabellenkalkulation, Bildschirmpräsentationen und Datenbanken und kann sämtliche gängigen Word-, Excel- und PowerPoint-Dateien bearbeiten. Sie benötigt 225 MB Platz auf dem Speicherstick. Eine reine Textverarbeitung bietet das schlanke AbiWord, das sich auf etwa 20 MB beschränkt.

Nicht vergessen: Virenscanner

Ist die Surf-Session beendet? Dann sollte darauf geachtet werden, dass Wirtsrechner und Gast-Datenträger ohne Spuren bleiben. Wer sensible Dateien wie besonders peinliche Schnappschüsse unwiederherstellbar löschen will, kann sie mit dem CCleaner Portable vom eigenen Stick oder der Gastgeber-Festplatte tilgen.

Zuletzt lassen sich mit einem der vielen portablen Virenscanner wie ClamWin Portable, Simple Machine Protect oder Portable Antivirus fremde Rechner und eigene Datenträger auf ihren Gesundheitszustand testen.

So ist sichergestellt, dass sich beim Herumgestöpsele an Fremdrechnern mit häufig wechselnden Nutzern der eigene USB-Stick kein unangenehmes Reisemitbringsel einfängt.

Einen gemeinsamen Vorteil haben alle diese Instantprogramme. Ihre Benutzermenüs sind meist in deutscher Sprache abgefasst. So lassen sich wichtige Menüpunkte wie „Private Daten löschen” leichter finden - auch wenn auf dem Computer ansonsten Norwegisch gesprochen wird.