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Paris: Helfen statt ballern: Videospiel zu Hungerkatastrophen

Paris : Helfen statt ballern: Videospiel zu Hungerkatastrophen

Während in Deutschland über ein Verbot für Killerspiele diskutiert wird, erreicht das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP) mit einem Videospiel der besonderen Art ein Millionenpublikum. Das kostenlose Programm „Food Force” lässt den Spieler Mitglied eines WFP-Teams werden, das gegen eine drohende Hungersnot auf der fiktiven Insel „Sheylan” kämpft.

2007 soll auch eine deutsche Version angeboten werden. „Food Force ist ein Lernspiel über das schwerwiegendste und am häufigsten vergessene Thema der heutigen Zeit: Hunger in der Welt”, sagt der Europa-Koordinator des Food-Force-Projekts, Ludovic de Courtivron. „Es ist vor allem ein Instrument, die Menschen für humanitäre Hilfe vor Ort zu sensibilisieren.”

Laut dem Welternährungsprogramm leiden 850 Millionen Menschen in der Welt unter Hunger. Jedes Jahr leistet die Organisation rund 90 Millionen Menschen in mehr als 80 Ländern Hilfe, darunter 58 Millionen Kindern.

Bei Food Force wird der Spieler mit dem Ernährungswissenschaftler Joe Zaki und der Logistikerin Rachel Scott nach Sheylan geschickt und muss sechs Missionen durchlaufen: per Hubschrauber Flüchtlinge auffinden, Nahrungsrationen zusammenstellen, Hilfspakete per Flugzeug abwerfen, weltweit Nahrungsmittel einkaufen, einen Lkw-Konvoi durch gefährliches Gebiet leiten und schließlich den Bewohnern eines Dorfes beim Aufbau einer Nahrungsmittelversorgung helfen.

Unterbrochen werden die Einsätze durch Informationsfilme, in denen die Arbeit der Helfer vor Ort beschrieben wird. Gewalt oder Elend werden nicht gezeigt, denn ursprünglich war das seit 2005 auf Englisch verfügbare Spiel für Kinder zwischen acht und 14 Jahren entwickelt worden, „um die Jugend im Norden für die Hungersnöte zu interessieren, die Kinder im Süden töten”, sagt Courtivron. Lehrern bietet das WFP Food Force im Internet als Lernmittel mit Begleitmaterial im Unterricht an.

Nachdem das Videospiel fünf Millionen Mal heruntergeladen wurde, erwägt die UN-Organisation eine Version für Erwachsene, die tiefer auf die Zusammenhänge von Armut, Krieg und Hunger eingeht. „Food Force zeigt, dass ein so unsichtbares und weit entferntes Problem wie der Hunger durch das richtige Medium in den entwickelten Ländern Interesse erzeugen kann”, sagt WFP-Sprecher Neil Gallagher.

Inzwischen gibt es Food Force in sieben Sprachen, darunter Französisch, Chinesisch und Japanisch. Im kommenden Jahr sollen neben Deutsch fünf weitere dazukommen: Arabisch, Spanisch, Norwegisch, Portugiesisch und Griechisch.