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München/Linden: Hardware-Unikate: Der PC zum Selberbauen

München/Linden : Hardware-Unikate: Der PC zum Selberbauen

Elektro-Handelsketten und Supermärkte bieten fast im Wochentakt neue PC-Schnäppchen an. Die „Supercomputer” können vieles. Doch oft benötigen die Käufer die darin verbauten High-Tech-Grafikkarten, Riesen-Festplatten oder Quad-Core-Prozessoren gar nicht.

Wer genau weiß, was er will und dazu etwas technisches Geschick mitbringt, kann sich seinen PC auch selbst zusammenbauen.

Laut Christoph Niklas, Betreiber der Website http://www.computer-tutorial.de , liegt der Vorteil des Eigenbaus vor allem darin, dass der Besitzer die Kontrolle über die verbauten Komponenten hat. Er könne den PC so voll nach eigenen Anforderungen gestalten.

„Bei Elektro-Discountern ist es oft so, dass sie von den Geräteherstellern Spezialanfertigungen bekommen, denen Aufrüstungsoptionen fehlen”, sagt Christoph Niklas. So gibt es oft weniger Steckplätze für einen zusätzlichen Arbeitsspeicher oder ein weiteres Laufwerk. „Das macht das Gerät zwar billiger aber auch unflexibler.”

Das Sparpotenzial ist beim Eigenbau-PC sehr klein. Dennoch hat das Tüfteln für viele PC-Nutzer seinen Reiz: „Wir erleben auf dem Gebiet gerade eine Art Revival”, sagt Michael Schmelzle von der in München erscheinenden Zeitschrift „PC-Welt”. „Es ist wieder in Mode gekommen, an seinem Computer herumzubasteln.”

Schmelzle rät jedoch, sich beim ersten Eigenbau von Freunden helfen zu lassen, die etwas vom Computer verstehen. „Laufwerke einbauen, das kann fast jeder.” Der Einbau einer Hauptplatine erfordere dagegen mehr Kenntnis und technisches Geschick. Doch diese Aufgabe könne bewältigt werden, wenn man Berührungsängste überwindet. „Bei einer Hauptplatine ist auch immer eine Beschreibung mit Bildern dabei.”

Vor dem PC-Bau stellt sich die Frage nach den benötigten Einzelteilen. Manche Händler wie der bei PC-Schraubern bekannte Elektro-Versandhandel Alternate in Linden (Hessen) bieten Hilfe: Auf der Seite von Alternate findet sich ein kostenloser Konfigurator, der den Nutzer nach allen Komponenten eines Computers fragt. „Man kann nichts vergessen”, sagt Alternate-Sprecher Björn Bartsch.

Christoph Niklas zählt die wichtigsten „Innereien” des PCs auf: „Prinzipiell braucht man ein Gehäuse samt Netzteil, eine Hauptplatine, einen Prozessor mit Lüfter, einen Arbeitsspeicher, eine Grafikkarte - falls diese nicht auf der Hauptplatine integriert ist -, eine Festplatte und ein optisches Laufwerk.” Wer den Computer nur für die Textverarbeitung und das Internet braucht, der kann bei den einzelnen Komponenten durchaus am Preis sparen.

Die Leistungskraft eines PCs hängt vor allem vom Prozessor ab. Daher ist es gut zu wissen, wofür der PC später eingesetzt werden soll. Der Preisunterschied bei den Prozessoren ist enorm: Knapp 1000 Euro kosten die Spitzenprodukte.

„Die günstigste CPU mit 2000 Megahertz gibt es schon für 24 Euro”, sagt Björn Bartsch. Damit laufen ein Linux-Betriebssystem sowie Textverarbeitungs- oder Tabellenkalkulationsprogramme. Windows Vista bräuchte aber einen größeren Prozessor - eine Taktfrequenz von 3200 Megahertz sollte es schon sein.

Bei Hauptplatinen, auf Englisch Mainboards oder Motherboards, gibt es ebenfalls große Preisunterschiede. Für einen einfachen Computer reicht ein günstiges Modell für rund 35 Euro mit integriertem Grafik- und Soundchip. Spitzenprodukte kosten dagegen mehr als 200 Euro. Der Prozessor muss auf den zugehörigen Anschluss der Hauptplatine, auch „Sockel” genannt, passen. Im Handbuch der Hauptplatine, aber auch auf den Internetseiten der Hersteller findet der Bastler Angaben zu kompatiblen Bauteilen.

Auch der Arbeitsspeicher ist wichtig, wobei hier vor allem die Qualität zählt, sagen Computer-Experten. No-Name-Produkte passten mitunter nicht zur Hauptplatine oder dem Prozessor. Einen günstigen 2-Gigabyte-Arbeitsspeicher gibt es bereits für 40 Euro.

Festplatten liegen in einer ähnlichen Preisklasse: 80 Gigabyte kosten zwischen 35 und 40 Euro, 250 Gigabyte gibt es ab 54 Euro. „Für insgesamt 300 Euro bekommt man schon eine Schreibmaschine mit Internet”, sagt Michael Schmelzle von der „PC-Welt”. „Für 1000 Euro gibt es einen Spiele-Computer.”