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Hagen: Gefahr fürs digitale Fotoalbum auf CD: Experte warnt vor Datenverlust

Hagen : Gefahr fürs digitale Fotoalbum auf CD: Experte warnt vor Datenverlust

Die Digitalfotos von Omas Geburtstag oder vom Urlaub im Süden - vermeintlich sicher abgespeichert auf einer Foto-CD - sind in großer Gefahr: „Bei einer selbst gebrannten CD kann es passieren, dass sie schon nach einem Jahr nicht mehr lesbar ist und die Daten verloren sind”, sagt Informatik-Professor Matthias Hemmje von der Fern-Universität Hagen.

Der Experte für Datensicherheit warnt vor dem unwiederbringlichen Verlust von digitalen Dateien. Zusammen mit einigen Kollegen erforscht Hemmje seit Mitte 2006 im Auftrag der EU, wie sich Computer-Dateien so sichern lassen, dass sie auch in 100 Jahren noch lesbar sind.

„Vielen ist dieses Problem überhaupt nicht bewusst”, weiß der Experte. Die aus Polycarbonat hergestellten CD-ROMs etwa unterliegen einem Zersetzungsprozess, in dessen Folge sie immer schlechter gelesen werden können. „Deshalb sollte man seine Videofilme, Bilder oder Musik-CDs lieber auf einer Festplatte speichern”, sagt er. „Ich selbst übertrage gerade meine komplette CD-Sammlung auf Festplatten.” Wer ganz sicher gehen will, dem empfiehlt der Daten-Experte, gleich an zwei Orten zu speichern.

Was im Privaten beim Verlust der Urlaubsbilder etwa zur kleinen Familientragödie führen kann, nimmt im Fall von digitalen Bibliotheken oder Archiven ganz andere Dimensionen an: Hier könnte wichtiges Wissen der Menschheit verloren gehen, befürchtet Hemmje. „In zunehmendem Maße archivieren auch Bibliotheken digitale Bücher oder wissenschaftliche Aufsätze”, sagt er.

Den Verantwortlichen sei gar nicht wohl beim Gedanken an die Zukunft dieser Werke. Zwar wisse ein guter Archivar, bei welcher Temperatur und Luftfeuchtigkeit er seine Akten lagern muss, damit sie auch in Jahrhunderten noch lesbar seien, doch wie hält man es mit dem Digitalen? „Das ist eine neue Herausforderung für die Informatik. Hier hat die Forschung erst spät begonnen.”

Denn neben der begrenzten Haltbarkeit der Speichermedien tritt ein zweites Problem, das Hemmje und seine Kollegen lösen wollen: „Was passiert, wenn das Format der Datei nicht mehr gelesen werden kann, weil es das dazugehörige Programm nicht mehr gibt?”, fragt der Wissenschaftler mit Blick auf den rasanten Wandel in der digitalen Welt. „Ein Beispiel: Wenn Sie etwa vor 15 Jahren ihre ersten E-Mails archiviert haben, dann kann man sie heute mit einem modernen Programm schon nicht mehr öffnen.”, berichtet der Professor.

Im Gegensatz zu den hauptberuflichen Sammlern in Archiven und Bibliotheken, die den Informatikern viele Fragen stellten, sei vielen Unternehmern das digitale Risiko im eigenen Haus noch gar nicht bewusst. „Manche speichern ihre Geschäftsvorgänge, Rechnungen und anderes irgendwo, ohne sich über die langfristige Sicherheit der Daten Gedanken zu machen.” Nicht nur die EU-Kommission wartet nun auf die Vorschläge des Forscherteams für den sicheren „Aktenschrank der Zukunft”.