Aachen: Freies WLAN: Neue Spielräume für Abmahn-Anwälte?

Aachen : Freies WLAN: Neue Spielräume für Abmahn-Anwälte?

Die Initiative Freifunk kämpft schon lange für ein bundesweites Gratis-WLAN. Felix Bosseler, Ex-Pirat und Mitorganisator der Aachener Initiative, begrüßt deshalb die Entscheidung der großen Koalition. Im Interview mit unserer Zeitung weist er aber auf weiteren Klärungsbedarf hin und warnt vor Arglosigkeit.

Bedeutet das Vorhaben der großen Koalition tatsächlich den Durchbruch für offenes WLAN in Deutschland?

Bosseler: Wenn das Gesetz so kommt, wie es zurzeit durch die Medien geht, dann könnte es tatsächlich sein, dass Deutschland als so ziemlich letztes Land in der Europa (und der Welt?) freies WLAN ermöglicht. Es kommt darauf an, wie weit das Prinzip noch aufgeweicht wird. Bei Internet und Politik in Deutschland sind wir gebrannte und skeptische Kinder.

Könnte also künftig nun jeder sein WLAN für Fremde öffnen?

Bosseler: Jein. Es wäre natürlich schön, einfach ein passwortfreies WLAN aufzuspannen. Allerdings benötigt man dringend eine sichere Abschottung des eigenen Netzwerks gegen das freigegebene Netzwerk, da sonst alle Geräte im eigenen Netz praktisch völlig offen liegen würden (Kassen, Speichersysteme, Router).

Das geht mit Gastzugängen, die manche Router bieten. Man sollte auf jeden Fall jemanden hinzuziehen, der sich damit wirklich auskennt. Alternativ kann man das mit Freifunk-Routern, die heute schon von sich aus das eigene Netz gegen das offene WLAN abschotten, umsetzen.

Sehen Sie möglicherweise noch versteckte Hindernisse, die das Vorhaben weiterhin bremsen?

Bosseler: Die schon angesprochene, mögliche Verwässerung des Gesetzes. Immerhin würde damit fast das gesamte Abmahnwesen in diesem Bereich trockengelegt. Die Lobbyisten werden sicher noch versuchen, das zu durchdringen. Das aber würde weitere lange Jahre des Abwartens bei der Rechtsprechung bedeuten.

Was muss aus Ihrer Sicht denn noch passieren, um einen funktionierenden „Freifunk“ zu etablieren?

Bosseler: Für freies WLAN? Das Gesetz muss so umgesetzt werden, dass es keine Hintertürchen oder Spielräume für neue Abmahnszenarien geben kann. Außerdem müssten Router mit gut geschütztem Gäste-WLAN Verbreitung finden. Wie gesagt: Es gibt solche Geräte bereits, aber die arbeiten mit derselben IP des Hauptanschlusses, würden also ohne die Gesetzesänderung nichts lösen.

Weiter wäre es hilfreich, wenn diese Geräte auch untereinander ein sogenanntes Mesh-Netz aufbauen könnten, um auf einfache Weise eine erweiterte Reichweite für Terrassen und Freiflächen zu ermöglichen. Die Verwaltungen und Gewerbeverbände sollten dafür knuffige Aktionen ins Leben rufen.

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