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Ethereum und die Grafikkarten: So könnte der Merge den Markt beeinflussen​

Ethereum und die Grafikkarten : So könnte der Merge den Markt beeinflussen

Bereits seit Monaten ist die Kryptoszene wegen des bevorstehenden Ethereum-Merges in hellem Aufruhr. Der letzte Test vor dem eigentlichen Merge im September fand am 4. August statt und aus Sicht vieler Trader und Experten könnte sich dadurch einiges in der Kryptowelt verändern.

Ethereum gilt mit seinem nativen Token Ether als aktuell zweitstärkste Kryptowährung am Markt und folgt damit in puncto Marktkapitalisierung direkt auf den Bitcoin. Das dezentrale Blockchain-Netzwerk ist in den letzten Jahren stark angewachsen, da es als Plattform für die Entwicklung von dApps (dezentralisierten Apps) schnell an Popularität gewann. Von einem zusätzlichen Schub profitierte die Kryptowährung aufgrund der Tatsache, dass Ethereum kaufen mit PayPal möglich geworden ist. In Ländern wie den USA und Großbritannien ist die Kryptowährung dadurch für viele zu einer echten Bitcoin-Alternative geworden. Der Merge könnte somit den nächsten wichtigen Meilenstein darstellen.

Der große Ethereum-Merge wird mit Spannung erwartet

Mit dem letzten Test am 4. August bereitete sich Ethereum auf den Wechsel vom aktuellen Proof-of-Work- (PoW) zum Proof-of-Stake-Verfahren (PoS) vor. Diese Verfahren bezeichnen die Konsensverfahren, durch die neue Währungseinheiten in den Umlauf gebracht werden. PoW steht für das klassische Mining, bei dem durch den Einsatz massiver Rechenleistung anspruchsvolle Algorithmen gelöst werden. Das neue PoS-Verfahren erbringt den Nachweis hingegen über Anteile, die sich auf die Chancenverteilung für die Berechtigung neuer Währungsschöpfung auswirken. Bei dem anstehenden Merge wird das bestehende Mainnet, welches nach dem alten Konsensverfahren funktioniert, mit der neuen Beacon-Chain auf PoS-Basis verschmolzen. Schöpfer und Verfechter des Merges versprechen sich von der Umstellung auf PoS eine deutlich erhöhte Energieeffizienz des Netzwerks. Zudem soll sich auch die Transaktionsrate verbessern, was sich wiederum positiv auf die Höhe der Transaktionsgebühren auswirken könnte. Bei dem letzten großen Test werden die Testnetzwerke zusammengeführt. Die Ergebnisse dieses Tests sollen dabei helfen, beim eigentlichen Merge die richtigen Parameter zu wählen, um technische Probleme zu verhindern. Außerdem möchte man mit einer guten Vorbereitung den PoS-Kritikern entgegnen, die häufig einwenden, dass sich das neue Verfahren nachteilig auf die Integrität des Netzwerks auswirken könnte. Einen konkreten Termin für den Merge gibt es derzeit zwar nicht, doch Gerüchten zufolge ist der September im Gespräch.

Ethereum-Merge beeinflusst den Markt für Grafikkarten

Vom Aufkommen der Kryptowährungen haben in den letzten Jahren nicht nur trendbewusste Anleger, sondern auch die großen Grafikkartenhersteller profitiert. Aufgrund des hohen Bedarfs an Rechenleistung für das Kryptomining wurden die Karten verstärkt aus der Kryptoszene nachgefragt, was die Preise in die Höhe trieb. Der seit der Pandemie anhaltende Chipmangel tat sein Übriges und sorgte für Rekordpreise am Grafikkartenmarkt. Als zweitgrößte Kryptowährung war das Ethereum-Mining ein ausschlaggebender Faktor. Intel und NVIDIA gingen sogar dazu über, spezielle Produkte für den Mining-Betrieb zu entwickeln. Mit diesem Schritt sollte auch der vorangegangenen Preisexplosion entgegengewirkt werden. Durch den Ethereum-Merge könnte sich nun ein Umbruch abzeichnen, der nachhaltige Auswirkungen auf die Preissituation und die Unternehmenspolitik der Grafikkartenhersteller hat. Da in Zukunft deutlich weniger Grafikkarten für das Mining zum Einsatz kommen werden, ist mit einem Überangebot zu rechnen. Durch die allgemein bessere Verfügbarkeit hat sich die Nachfragesituation in den letzten Wochen ohnehin bereits entspannt, wodurch auch die Preise gefallen sind. Beobachter gehen nun davon aus, dass sich diese Tendenz langfristig fortsetzt - auch durch den Umstieg von Ethereum auf PoS. Leistungsfähige Grafikkarten für den Kryptomarkt könnten für NVIDIA und Co. in Zukunft sogar zum Flop werden.

Spezielle Grafikkarten sind für die Gamingbranche eher uninteressant

Die Entwicklung am Grafikkartenmarkt dürfte namhafte Hersteller zum Umdenken bewegen. Immerhin waren einige Unternehmen erst in der jüngsten Vergangenheit dazu übergegangen, Produkte mit eigens entworfenen Krypto-Chips zu produzieren. Herkömmliche Chipsätze sollen dafür in Zukunft nicht mehr für das Mining geeignet sein. Bei Intel gehört der auf die Bedürfnisse des Minings abgestimmte Chip zu einer weitaus größeren Blockchain-Initiative, mit der man sich ganz neue Geschäftsfelder erschließen möchte. Als direkter Konkurrent hat auch NVIDIA ähnliche Pläne geäußert. Die Umstellung des Ethereum-Mining auf das neue Konsensverfahren dürfte den Erwartungen einen ordentlichen Dämpfer verpassen. Dass die Tech-Giganten ihre Abnehmer für die speziellen Produkte zukünftig in der Gamingbranche finden, bleibt zu bezweifeln. Für die Anwendungszwecke im Gaming sind die Chipsätze technisch kaum geeignet.

Schwer vorhersehbare Entwicklungen

Hinsichtlich des häufig bemängelten hohen Energieverbrauchs wird der kommende Ethereum-Merge vielen Krypto-Kritikern den Wind aus den Segeln nehmen. Da die Umstellung auf das Proof-of-Stake-Verfahren das herkömmliche Kryptomining überflüssig macht, verbessert sich die Energiebilanz von Ethereum und Ether erheblich. Wie tiefgreifend die weiteren Auswirkungen sind, wird sich spätestens nach dem voraussichtlichen Merge im September zeigen. Die Grafikkartenbranche, die durch den hohen Bedarf an Rechenpower in den letzten Jahren neue Geschäftsfelder erschließen konnte, dürfte sich hingegen weniger freuen. Auf eigens für das Kryptomining ins Leben gerufene Produkte werden NVIDIA und Intel in Zukunft möglicherweise sitzen bleiben. Gamer können sich jedoch über das tendenzielle Ende der Preistreiberei erleichtert zeigen.

(vo)