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Berlin/München: „Empfohlen” ist nicht optimal: Systemanforderungen von PC-Spielen

Berlin/München : „Empfohlen” ist nicht optimal: Systemanforderungen von PC-Spielen

Theoretisch ist die Sache einfach: Das neue PC-Spiel wird gekauft, die Software auf dem Rechner installiert - und schon kann gedaddelt werden. In der Praxis allerdings wartet nach dem Installieren oft eine unschöne Überraschung.

Während der gewählte Titel auf den Screenshots der Verpackung mit einer faszinierenden Grafik aufwartete, gibt es auf dem Computer daheim unschöne Ecken und Kanten. Von toller Grafik ist nichts zu sehen. Womöglich erfüllt der PC die Leistungsanforderungen des Spiels nicht. Welche das sind, steht auf jeder Spielepackung und sorgt immer wieder für Verwirrung.

In der Regel sind auf der Verpackung eines PC-Spieles zwei Anforderungsstufen angegeben. Da sind die „Minimalen Systemanforderungen”, hinzu kommen dann noch die „Empfohlenen Systemanforderungen”. Diese unterscheiden sich oft gewaltig.

Zum Beispiel das Rollenspiel „The Witcher” von Atari: Dort wird unter den minimalen Anforderungen angegeben, dass ein Computer mit einen Prozessor mit 2,4 Gigahertz (GHz) Taktfrequenz ausreicht. Außerdem sollte 1 Gigabyte (GB) Arbeitsspeicher vorhanden sein. Bei empfohlenen Voraussetzungen wird allerdings ein wesentlich leistungsfähigerer Rechner gefordert: Da soll es dann schon ein Maschine mit Dual-Core-Prozessor und 2 GB Arbeitsspeicher sein.

Gerade Neueinsteiger im Bereich der digitalen Spiele dürften sich da fragen, was der Heim-PC denn nun tatsächlich können muss. „Die Minimal-Anforderungen sind in der Regel so angegeben, dass das Spiel irgendwie läuft”, sagt Michael Trier, Chefredakteur der in München erscheinenden Zeitschrift „Gamestar”. Meist muss dann auf etwaige grafische Spezialeffekte verzichtet werden.

„Wenn der Computer nur die Minimal-Anforderungen erfüllt, wird auch die Bildschirmauflösung heruntergeschraubt, teils kann man nur im Fenstermodus spielen”, ergänzt Axel Schmidt, Sprecher des Publishers Frogster in Berlin. Grundsätzlich geht es bei diesen Minimal-Forderungen darum, dass der Titel „durchgespielt” werden kann - grafische Schönheit ist dabei nebensächlich.

Selbst wer sich darauf einlässt, kann allerdings noch die eine oder andere Überraschung erleben. „Es ist eine gängige Praxis, kleinere Kennzahlen anzugeben, um die Kunden nicht abzuschrecken”, sagt Michael Trier. Wer auf der Packung erkennt, dass der alte PC daheim wider Erwarten doch noch fähig sein soll, den neuen Action-Titel zu verarbeiten, greift womöglich spontan zu. Dass der Computer sich dann aber an der absoluten Grenze seiner technischen Möglichkeiten bewegen muss, ist die andere Seite der Medaille.

Die Fachleute raten daher, sich eben nicht an den minimalen Anforderungen zu orientieren. Besser ist es, auf die empfohlenen Voraussetzungen zu schauen und dort zu überprüfen, ob der eigene Computer die entsprechenden Merkmale aufweist. Allerdings ist auch diese Stufe keine Garantie dafür, dass das Spiel so ausschaut, wie auf den vielen Screenshots im Internet oder in den Fachmagazinen. „Bei den empfohlenen Voraussetzungen, ist davon auszugehen, dass das Spiel auf mittleren Einstellungen mit mittlerer Qualität läuft”, sagt Olaf Wolters, Geschäftsführer des Bundesverbandes Interaktive Unterhaltungssoftware (BIU) in Berlin.

Doch nicht nur der Unterschied zwischen minimalen und empfohlenen Voraussetzungen ist oft groß - es kommt auch auf die Art des Spiels selbst an. So ist bei Adventures oder auch manchen Strategiespielen davon auszugehen, dass sie vergleichsweise geringe Anforderungen an den Computer stellen. Schon mit einem Allerwelts-System lässt sich bei dieser Spielegattung eine ansehnliche Grafik erzielen und „ruckelfrei” spielen. Soll es dagegen ein Action-Titel der aktuellen Generation mit fast schon fotorealistischer Grafik sein, ist für ein optimales Ergebnis ein PC der Oberklasse erforderlich.

Wer den nicht hat, dem hilft Geduld. Gerade im Hardware-Bereich geht die Entwicklung bekanntlich sehr schnell voran. Ein Computer, der heute noch zur Oberklasse zählt, ist womöglich schon in wenigen Monaten ein Durchschnitts-Gerät, das auch zu wesentlich günstigeren Preisen zu bekommen ist. „Man kann sagen, dass sich die Preise der Hardware innerhalb eines Jahr etwa halbieren”, so Michael Trier. Ähnlich sieht es mit den Spielen selbst aus, für die kurz nach dem Erscheinen meist noch Preise um 50 Euro verlangt werden.

Laut Michael Trier gibt es Top-Titel nach einem Jahr als sogenannte Budget-Version meist für die Hälfte. Für nicht so begehrte Spiele wird manchmal schon nach einem halben Jahr die Hälfte verlangt. Wer sich also etwas länger in Vorfreude übt, später dann den preisgünstigen Rechner und das herabgesetzte Spiel kauft, der braucht dann tatsächlich nur noch kurz die Software zu installieren und kann in hoher Qualität den Wunschtitel spielen.