Die digitale Welt: Eine Welt ohne „Likes“?

Die digitale Welt : Eine Welt ohne „Likes“?

Ein Aufschrei ging durch die digitale Welt, Influencer wie Normalos verfielen in Panik und der Facebook-Tochter Instagram begegnete ein ausgewachsener Shitstorm im Netz. Was ist bloß passiert? Ein Datenskandal vielleicht oder eine Sicherheitslücke? Nein, es ist noch viel schlimmer:

Auf  der Fotoplattform Instagram werden testweise die „Likes“ ausgeblendet, also die Anzahl der kleinen Herzen, die Nutzer untereinander verteilen können. Das soll, nach Aussage der Plattform, wieder mehr Fokus auf die eigentlichen Bilder legen.

Wenn Sie sich jetzt fragen, warum sollte mich das interessieren, kann ich Ihnen versichern, so ging es mir auch. Je länger ich aber über die Vor- und Nachteile der öffentlich sichtbaren „Likes“ nachgedacht habe, desto mehr beunruhigte mich mein eigenes Klick-Verhalten. Denn das ist zu meinem Entsetzen tatsächlich sehr „Like“-orientiert.

Fast obsessiv checke ich meinen Account, nachdem ich ein Bild gepostet habe, und warte auf die digitalen Herzen von fremden Menschen. Alle paar Minuten schaue ich dann auf mein Smartphone. Sogar auf „west_eck“, dem Instagram-Account unserer Zeitung, überprüfe ich regelmäßig und sogar in meiner Freizeit die „Like“- und Follower-Zahlen, die anzeigen, wie viele Menschen unsere Inhalte auf Instagram abonniert haben.

Traurig eigentlich. Ich würde von mir behaupten, dass ich meinen Selbstwert nicht aus den  digitalen Herzen von Unbekannten beziehe, aber unterbewusst wirkt die „Like“-Maschinerie. Jeder möchte doch gemocht werden. Daran wird auch die gut gemeinte Änderung von Instagram nichts ändern, denn die Follower-Zahlen bleiben sichtbar. Und an ihnen wird letztendlich der Erfolg eines Accounts festgemacht.

Aber das Gebuhle um die „Likes“ liegt gewissermaßen in der Natur der Sozialen Medien. Eine „Like“-freie Welt bekommen wir wohl nicht mehr zurück. Denn ob die Herzen nun verschwinden oder bleiben, die Netz-Gesellschaft wird sich wohl kaum verändern, und das sind wir, die Nutzer, vielleicht auch irgendwie selber Schuld.

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