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Großostheim: Ein Handwerker erobert die Herzen der Spielefans

Großostheim : Ein Handwerker erobert die Herzen der Spielefans

Im Jahr 1980 wurde ein gewöhnlicher Zimmermann quasi über Nacht berühmt: Damals übernahm die Figur Mario ihre erste im Wortsinn tragende Rolle in dem Spielhallen-Klassiker Donkey Kong.

Als „Jumpman” bestand seine Aufgabe darin, seine Freundin aus den Klauen eines bösartigen Gorillas zu befreien. Für Nintendo brachte Donkey Kong den Durchbruch in dem wichtigen Videospielemarkt der USA. Der damals noch junge Entwickler Shigeru Miyamoto legte mit dem Spiel den Grundstein für eine große Karriere.

Nach dem überwältigenden Erfolg des Titels wurde aus dem Zimmermann ein Klempner, der statt Jumpman fortan Mario hieß. Benannt wurde der Pixelstar nach Mario Segali, dem Besitzer des Lagergebäudes, das der Spielehersteller in Seattle gemietet hatte. Zum Klempner wurde er, da er im ersten Spiel in bester Jump´n´Run-Manier gemeinsam mit seinem Bruder Luigi durch ein unterirdisches Rohrsystem flitzte, das von allerlei Getier befreit werden musste.

Der Quantensprung wurde mit dem 1985 veröffentlichten Titel „Super Mario Bros.” für die Konsole Nintendo Entertainment System (NES) geschafft. Das Spiel wurde bis heute rund 40 Millionen Mal verkauft. Damit ist es das erfolgreichste aller Mario-Spiele. Heute kann Nintendo auf gut 25 Jahre Mario und fast 100 Videospieltitel mit dem Helden in Haupt- und Nebenrollen zurückschauen.

Für Firmensprecher Stefan Gundelach gibt es mehrere Gründe dafür, dass Mario zu einer Kultfigur wurde. Der wichtigste davon: „Mario war eine der ersten Videospielfiguren, mit denen sich die Spieler wirklich identifizieren konnten.” So sei die Figur kein muskelbepackter Superheld oder Roboter, sondern ein sympathisches Kerlchen mit Schnauzbart, Schirmmütze und Latzhose. „Sozusagen ein Antiheld wie du und ich”, sagt der Sprecher von Nintendo mit Deutschlandsitz in Großostheim.

Eine ganze Generation von Videospielern ist gemeinsam mit dem Kerl in blauer Latzhose und roter Ballonmütze groß geworden. „Die größten Mario-Fans sind heute zwischen Ende 20 und Mitte 30”, sagt Henry Ernst, Mario-Experte von der in München erscheinenden Videospiele-Zeitschrift „GamePro”. Fast alle Videospieler in diesem Alter könnten sich für Mario begeistern, sagt er.

Jüngere Spieler hätten durchaus ihre Probleme mit der Figur und den entsprechenden Titeln. Er selbst wurde mit „Super Mario Bros.” zum Fan, das für Ernst neben „Super Mario World” für die Konsole Super Nintendo Entertainment System (SNES) und „Mario 64” für Nintendo 64 zu den wichtigsten Mario-Spielen gehört. „Das sind die Must-haves.”

Seine große Bekanntheit brachte Mario aber nicht nur Freunde unter den Spielfans ein. So gebe es vor allem in den USA eine Reihe von Mario-Hasser-Websites, sagt Ernst. „Den Mario-Gegnern ist die Figur einfach zu uncool.” Und da Mario ganz eng mit dem Namen Nintendo verbunden ist, färbt diese Antipathie auch auf den Hersteller ab. Die Figur Mario ist mit ein Grund dafür, warum Nintendos Spielekonsolen gern als Spielzeug für Kinder abgetan werden.

Im Kielwasser von Mario haben auch andere Figuren aus seiner Spielwelt beachtliche Erfolge feiern können. So ist Dinosaurier Yoshi, Marios Reittier, selbst zum Protagonisten einiger Videospiele-Titel geworden. Auch Wario, der rotnasige und geldgierige Widersacher Marios, hat sich emanzipiert und ist zum Videospielstar aufgestiegen. Sogar Bruder Luigi ist aus inzwischen aus Marios Schatten herausgetreten.

In deutschsprachigen Online-Foren tauschen sich Videospieler über das Mario-Universum aus. Dort gibt es auch kritische Töne zu lesen - auch wenn Mario selbst sakrosankt zu sein scheint. So findet man unter http://www.spielerboard.de Einträge über die nervigsten Mario-Charaktere. Community-Mitglied „Super-Yoshi” schreibt etwa: „Ein paar meiner Hass-Charaktere sind Lugmilla und Prinzessin Shroob.”

Der Grund: Sie seien zu gewalttätig. „Lugmilla ist kaltherzig, schreckt nicht davor zurück, Leute - sogar Kinder - zu verletzen, nur um die Weltherrschaft zu erlangen. Prinzessin Shroob ist noch kaltherziger, sie tötet sogar Menschen.” Hierin ist ein anderer Grund versteckt, warum Mario zum Kult wurde und eine beispiellose Karriere starten konnte. Er sei vergleichsweise friedfertig, sagt Henry Ernst.

Deshalb ist für ihn auch klar: „So lange es Videospiele geben wird, werden auch Mario-Titel erscheinen.” Das gilt auch für die nähere Zukunft: Schon im September erscheint für Nintendos neueste Konsole Wii das Spiel Super Paper Mario, eine Mischung aus Rollenspiel und Adventure. Und als verspätetes Weihnachtsgeschenk folgt im Januar 2008 Super Mario Galaxy für die Wii, das bereits auf der Spielemesse E3 in Los Angeles Aufsehen erregt hat. In dem Spiel erobert der sonst so bodenständige Klempner den Weltraum und muss auf zahlreichen Planeten neue Abenteuer bestehen.